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Landwirte plagen Zweifel am geplanten Naturpark

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Seeon-Seebruck – Die Landwirte in der Gemeinde Seeon-Seebruck sind offensichtlich nicht begeistert vom geplanten Naturpark Chiemsee – Chiemgauer Alpen und einem damit verbundenen Beitritt der Gemeinde zum Trägerverein. In der Bürgerversammlung im Gasthaus zur Post in Truchtlaching wurden Bedenken laut, dass es durch den geplanten Naturpark aufgrund von Einschränkungen zu einer Wertminderung der landwirtschaftlichen Flächen kommen könnte. Sogar von Existenzbedrohung war die Rede. »Lass ma's, wia's is«, forderte Sebastian Lex und bat den Gemeinderat, dem Verein Naturpark Chiemsee – Chiemgauer Alpen nicht beizutreten.


Seeon-Seebruck gehört zu den 32 Kommunen in den Landkreisen Traunstein, Rosenheim und Berchtesgadener Land, dessen Gemeindegebiet im geplanten Naturpark liegt. Dieser soll sich von der Eggstätter Seenplatte bis Reit im Winkl und in Teilen bis in das Berchtesgadener Land erstrecken. Wie Bürgermeister Bernd Ruth erklärte, hätten einige Landwirte ihm gegenüber bereits ihre Zweifel angemahnt. Die Entscheidung, ob die Gemeinde dem Verein beitreten wird, soll in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen fallen.

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Gemeinde investierte 67 000 Euro in den Umbau

Ein weiteres beherrschendes Thema in der sehr gut besuchten Versammlung war die Flüchtlingssituation in der Gemeinde. Die Sprecherin des Asyl-Helferkreises, Sabine Schulz-Sembten, informierte, dass in der Gemeinde derzeit 40 Flüchtlinge leben, hauptsächlich aus Afghanistan und Syrien. Die Asylbewerber wohnen zum einen in einer Privatunterkunft in Pavolding und zum anderen in der ehemaligen »Gruber Alm« in Roitham. Für die Flüchtlinge in Roitham ist die Gemeinde zuständig, die dort rund 67 000 Euro in Umbaumaßnahmen investiert hat.

Asylbewerber: Vieles hat sich bereits eingespielt

Es sei eine große Herausforderung, den Flüchtlingen einen guten Weg zu bereiten, sagte Sabine Schulz-Sembten. Der Helferkreis bestehe aus über 40 Ehrenamtlichen, die unter anderem mehrmals in der Woche Deutschunterricht geben. Es sei auch bereits gelungen, einige Flüchtlinge, die in Pavolding leben, in den gemeindlichen Betrieben Praktikumsplätze und Eingliederungsmaßnahmen zu vermitteln. Auch die ärztliche Versorgung der Flüchtlinge laufe ganz unkompliziert. Sehr gut funktioniere auch der Kontakt zum Sportverein Seeon, lobte Schulz-Sembten.

Bürgermeister Ruth und Gemeinde- und Kreisrat Sepp Daxenberger (CSU) würdigten als Vertreter der Gemeinde und des Landkreises die ehrenamtliche Arbeit. »Ohne die großartige Leistung und den Einsatz der Freiwilligen würde das Ganze nicht funktionieren«, sagte Daxenberger. Die Flüchtlingssituation würde den gesamten Landkreis Traunstein enorm fordern. Laut aktueller Prognosen werde der Landkreis bis Jahresende rund 5600 Flüchtlinge aufnehmen müssen. Die Gemeinde Seeon-Seebruck muss demnach laut Bürgermeister rund 100 weitere Asylbewerber unterbringen.

In seinem Rückblick auf das vergangene Jahr informierte Ruth auch über das Nahversorgungskonzept in Seeon. Das zweijährige Projekt »Lebens-Qualität durch Nähe« verstehe sich als Hilfe zur Selbsthilfe zur Stärkung der Nahversorgungsstruktur. Es sei ins Leben gerufen worden, weil sich in Seeon immer mehr Geschäfte zurückgezogen hätten. In den Augen von Simon Daxenberger könne dieses Konzept aber nur funktionieren, »wenn die Leute das Geld im Ort lassen«. Sein Appell galt auch den Vereinen: »Geht's ned auswärts, sondern lasst's das Geld im Ort.«

Zum Breitbandausbau teilte der Bürgermeister mit, dass man bemüht sei, die Technik auch in den letzten Winkel zu bringen, aber es müsse auch bezahlbar sein. Im kommenden Herbst soll mit dem ersten Bauabschnitt des Breitbandausbaus begonnen werden.

Jugendtreff war ebenfalls Thema

Sorge bereitet dem Gemeindeoberhaupt die Betreuung des Jugendtreffs in Truchtlaching. »Es macht mir Sorge, weil wir es nicht richtig im Griff haben«, sagte Ruth. Das Jugendzentrum ist derzeit geschlossen. Die Jugendlichen halten sich offenbar nicht an die Regeln und es fehlt an der Motivation, Verantwortung zu übernehmen. Und eine Betreuung durch Eltern ist nicht sichergestellt. Einen sogenannten Streetworker einzusetzen, sei aus Sicht des Gemeinderats keine Lösung, teilte Ruth mit. »Eine Patentlösung haben wir noch keine«, so Ruth.

Gemeinderat Martin Bartlweber (FW) informierte die Versammlung über ein soziales Projekt, das voraussichtlich im April starten soll. Das sogenannte Quartierskonzept, das von staatlicher Seite gefördert wird, verfolgt das Ziel, älteren Mitbürgern zu ermöglichen, so lange in den eigenen vier Wänden zu leben, wie es nur irgendwie geht. Zunächst soll es über zwei Jahre laufen. Die Gemeinde erhält dafür eine einmalige staatliche Anschub- Finanzierung von 40 000 Euro. Sollte sich das Projekt bewähren, muss die Gemeinde mit jährlichen Kosten in Höhe von etwa 35 000 Euro rechnen. Das Projekt erfordere Mithilfe von allen, auch von den Leuten, die das Angebot annehmen möchten, wollen oder dürfen, appellierte Bartlweber. ga