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Landratsamt beaufsichtigte Urnengang

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Wonneberg – »Aller guten Dinge sind drei« – mit dieser alten Weisheit leitete Bürgermeister Martin Fenninger die dritte Wahlversammlung der Jagdgenossenschaft Wonneberg innerhalb von drei Monaten ein. In Anwesenheit von Christian Nebl und Andrea Bernauer vom Landratsamt, die der Wahlleitung beratend zur Seite standen und kontrollierten, ob die vorgelegten Vollmachten ordnungsgemäß sind, bestätigten die 148 Stimmberechtigten Leonhard Strasser als Jagdvorsteher.


Der Amtsinhaber konnte im ersten Wahlgang die doppelte Mehrheit für sich verbuchen. 80 Jagdgenossen mit einer Waldfläche von 872,70 Hektar stimmten für Strasser. 68 Anwesende votierten mit »Nein«. Auch Strassers Stellvertreter Gottfried Reiter wurde mit 75 Ja-Stimmen und 845,03 Hektar wiedergewählt. 69 Jagdgenossen sprachen sich gegen Reiter aus. Stefan Eglseer, der als stellvertretender Jagdvorsteher vorgeschlagen worden war, verzichtete auf eine Kandidatur.

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Abteilungsleiter Christian Nebl sprach von einem »nicht alltäglichen Vorgang« in Wonneberg und erläuterte detailliert die Beweggründe, die eine Wiederholung der Wahl notwendig machen. Aufgrund eines Einspruchs war die Abstimmung mit seinerzeit nur einer Stimme Mehrheit für Leonhard Strasser eingehend überprüft worden. »Das war nicht ganz einfach, da das Jagdkataster komplett durchgearbeitet werden musste«, sagte Nebl. Schließlich waren sieben Vollmachten »unstimmig«, sodass die Juristen des Landratsamts mit Bürgermeister und Jagdvorsteher übereinkamen, die Wahl zu wiederholen. »Mit Manipulation oder Verfälschung des Wahlvorgangs hat das aber nichts zu tun. Es ging ausschließlich um das Handhaben der Vollmachten gemäß der Mustersatzung und stellte eine äußerst diffizile Bewertung dar«, betonte er.

Nebl und seine Kollegin Andrea Bernauer stellten bei der Überprüfung der Anwesenheit zur dritten Wahlversammlung fest, dass abermals drei Vollmachten unwirksam waren. Dabei handelte es sich um die gleichen drei Mitglieder der Jagdgenossenschaft wie bei dem Votum am 15. April, obwohl sie diesbezüglich sogar vom Landratsamt angeschrieben worden waren. »Vermutlich konnten sie aufgrund der Kürze der Zeit nicht mehr darauf reagieren«, mutmaßte Christian Nebl, der sich für den dritten Urnengang ein eindeutiges Ergebnis wünschte, »damit wieder Frieden im Sinne der Dorfgemeinschaft einkehrt.«

»Jetzt muss endlich Ruhe einkehren. Man kann unterschiedlicher Meinung sein, aber ein Krieg darf daraus nicht entstehen. Und vor allem sollte man stets bei den Fakten bleiben und keine Unwahrheiten in die Welt setzen«, mahnte Bürgermeister Martin Fenninger in ungewohnt scharfer Form die Versammlung zu einem würdigen und respektvollen Umgang miteinander. Dazu zähle auch, den einzigen Kandidaten für das Amt des Jagdvorstehers zu unterstützen.

»Wenn ich keine Alternative anbiete, kann ich niemand ablehnen. Das ist blanker Protest und hat nichts mit Demokratie zu tun. Seien wir froh, dass wir wählen dürfen. Aber man sollte die Demokratie keinesfalls überstrapazieren«, forderte der Wonneberger Rathauschef. Er kündigte an, sowohl die Stimmzettel als auch die ausgestellten Vollmachten nach der Wahl des Jagdvorstands in der Gemeinde aufzubewahren. Kein gutes Haar ließ Fenninger an dem Umgang mit Vollmachten: »Das bringt definitiv nur Ärger!«

Leonhard Strasser betonte seinen Willen, die Angelegenheit friedlich regeln zu wollen; ohne einen gemeindlichen Notvorstand oder eine Gerichtsverhandlung. Ausdrücklich dankte Strasser den beiden Mitarbeitern des Landratsamts Traunstein als Aufsichtsbehörde für ihr Kommen. mia

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