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Landrat Walch: »Wir müssen alle mithelfen«

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Landrat Siegfried Walch sprach beim traditionsreichen Politischen Aschermittwoch in Grabenstätt über die Kreiskliniken, die Asylpolitik und den Schuldenabbau. (Foto: Müller)

Grabenstätt – Während bei den vielen politischen Aschermittwochsveranstaltungen in Niederbayern mit deftigen Sprüchen und scharfen Angriffen auf die politischen Gegner ausgeteilt wurde, lobte der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch beim 34. Politischen Aschermittwoch der CSU Grabenstätt die gute Zusammenarbeit zwischen den Kreistagsfraktionen sowie das hervorragende Zusammenspiel zwischen dem Landkreis und seinen 35 Gemeinden.


Ein Defizit von neun Millionen Euro

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In seiner Rede ging Landrat Siegfried Walch auf die Zukunft der Kreiskliniken, die Asylbewerber-Problematik, die angestrebte Fusion der beiden Tourismusverbände sowie die geplanten Investitionen des Landkreises bei gleichzeitigem Schuldenabbau ein. Ein ganz besonderes Anliegen sei ihm die Aufrechterhaltung der guten medizinischen Versorgung an den sechs Standorten der Kliniken Südostbayern AG in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land. Bei einem jährlichen Umsatz von einer Viertelmilliarde Euro schreibe die AG leider ein Defizit von neun Millionen Euro, was aber nach Ansicht von Fachleuten durch etwaige Umstrukturierungen, Schwerpunktsetzungen und Konsolidierungsmaßnahmen derzeit noch in den Griff zu bekommen sei, gab sich der neue Landrat zuversichtlich.

Das Thema »Asylbewerber« sei im Landkreis und in den Gemeinden nur in den Griff zu bekommen, »wenn wir alle mithelfen«, appellierte Walch. Es gehe nicht nur um eine gerechte Verteilung in Deutschland und Bayern, sondern um eine gerechte Verteilung europaweit. Es könne nicht sein, dass Länder wie Polen, Portugal oder Griechenland sich hier aus der Verantwortung stehlen. Seit dem Frühjahr 2014 sei die Zahl der Asylbewerber im Landkreis von 400 auf 800 gestiegen. »Bis Ende 2015 müssen wir mit einer weiteren Verdopplung rechnen«, sagte der Landrat.

Was die angestrebte Fusion der beiden Tourismusverbände am Chiemsee, Chiemgau-Tourismus und Chiemsee-Alpenland, anbelange, sei der 1. Januar 2016 angedacht, »es kann aber auch ein Jahr länger dauern«, meinte Walch. Der Prozess des tatsächlichen Zusammenwachsens werde dann freilich noch etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. Zunächst stünden nun politische Verhandlungen über den künftigen Sitz des neuen Verbandes und dessen Namen an.

Oberste Priorität habe für ihn der Schuldenabbau, betonte Walch und erinnerte daran, dass die Verschuldung des Landkreises Traunstein seit 2002 von 39 Millionen auf 70 Millionen gestiegen sei. Damit habe man eine der höchsten Pro-Kopf-Verschuldungen in Bayern. Bei allen Sparanstrengungen werde man aber weiterhin viel Geld für die Renovierung der Schulen in die Hand nehmen. Im Haushalt 2015 habe man 18,5 Millionen Euro eingestellt und eine Schuldentilgung in Höhe von zwei Millionen Euro festgelegt.

Die Arbeits- und Jugendarbeitslosigkeit sei im Landkreis zwar gering, doch gebe es auch einen »massiven Fachkräftemangel« zu beklagen, mahnte Walch an. In Zukunft müsse man die Stärken der heimischen Wirtschaft noch mehr herausstellen und die »Wirtschaftsregion Chiemgau/Traunstein zu einer Marke aufbauen«. Mit Blick auf den angedachten, sechsspurigen Ausbau der Autobahn plus Standstreifen gelte es, sich in Geduld zu üben, da die A 94 derzeit einfach Vorrang genieße, beantworte Walch eine Besucher-Frage. Er könne hier beim Bundesverkehrsminister nur als Bittsteller in Erscheinung treten.

»Ein moderner Dienstleister«

Das Landratsamt will Walch »zu einem modernen Dienstleister weiterentwickeln«. Dafür müsse aber die Personalentwicklung der letzten Jahre gestoppt werden, räumte er ein. Transparenz und Effizienz sollten in Zukunft großgeschrieben werden. Was die Bürgernähe anbelange, habe sich die Einrichtung seiner Bürgersprechstunde sehr bewährt, die Resonanz sei groß.

»Es ist etwas Besonderes, wenn der Landrat zum Politischen Aschermittwoch nach Grabenstätt kommt«, freute sich Bürgermeister Georg Schützinger und erinnerte daran, dass man diese Tradition nun bereits seit über 30 Jahren pflege. Zudem lobte er den »direkten Draht« ins Landratsamt, was wichtig sei, weil die Kommunen und der Landkreis »viele gemeinsame Probleme« hätten.

Für die passende Musik beim Politischen Aschermittwoch sorgte die »Spontan-Musi« mit Katharina Wiesholler (Harfe), Lukas Wimmer (Ziach), Thomas Urian (Tuba) und Tobias Mühlbacher (Kontrabass). mmü