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Hunderttausende Flüchtlinge aus der Ukraine sind in Europa unterwegs. Auch an der ukrainisch-polnischen Grenze (unser Bild) ist die Hilfsbereitschaft groß. Foto: dpa

Landrat Walch will Flüchtlinge aus der Ukraine »bestmöglich unterbringen« – 170 Plätze in Unterkünften

Der Landkreis Traunstein hat Vorkehrungen getroffen, um Flüchtlinge aus der Ukraine aufzunehmen. In Unterkünften, die er in der Hauptsache angemietet hat, ist Platz für insgesamt 170 Personen. Außerdem hat das Landratsamt die Kommunen angeschrieben und gebeten, nach eigenen Möglichkeiten zu suchen. »Der Landkreis Traunstein wird tun, was in seiner Macht steht«, betonte Landrat Siegfried Walch in einer Videobotschaft.


Auf das Schärfste verurteilte der Landrat den Einmarsch der russischen Streitkräfte in die Ukraine. Er sprach von einem »völlig ungerechtfertigten Angriffskrieg gegen einen friedlichen, freien und demokratischen Staat in unserer Nachbarschaft«. Niemand könne sich jetzt aus der Verantwortung stehlen. Jeder sei aufgerufen, ein Zeichen zu setzen. Zu geben sei das Signal, »dass wir in Gedanken und Gebeten beim ukrainischen Volk sind«.

Walch erwartet, dass die Flüchtlingswelle auch den Landkreis Traunstein erreicht – wann auch immer. So habe sich das Landratsamt in den vergangenen Tagen darauf eingestellt, »binnen Stunden Hunderte ukrainische Flüchtlinge aufzunehmen«. Die Landkreisverwaltung sei in der Lage, sie »sofort unterzubringen, sie mit der Grundversorgung und der medizinischen Versorgung zu versehen«.

Auch wenn viele Flüchtlinge in den Nachbarstaaten der Ukraine im Osten Europas Unterschlupf finden werden, so Walch weiter, werde doch auch ein Teil »bei uns landen«. Der Landrat: »Wie viele Menschen aus der Ukraine zu uns kommen, wann die ersten Flüchtlinge bei uns ankommen, können wir zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen, bereit sind wir für diesen Fall.«

Als Ziel gab Siegfried Walch aus, die Menschen »bestmöglich unterzubringen«. »Wir wissen, dass eine ordentliche Unterbringung wichtig ist.« Der Landrat versprach, alles zu unternehmen, »was in unserer Macht steht«.

Bürger können sich per E-Mail melden

Zu rechnen sei damit, dass vor allem Frauen und Kinder sowie Senioren in den Landkreis Traunstein kommen. Schließlich habe der ukrainische Staat einen Ausreisestopp für alle Männer zwischen 18 und 60 Jahren erlassen und sie zum Kriegsdienst verpflichtet.

Bürger, die eine Unterkunft zur Verfügung stellen möchten, können sich an folgende E-Mailadresse wenden: liegenschaften@traunstein.bayern. Das Landratsamt freut sich, dass bereits viele Bürger Sachspenden angeboten haben. Da derzeit jedoch noch nicht absehbar ist, wie viele ukrainische Flüchtlinge im Landkreis Traunstein ankommen werden, lässt sich auch der Materialbedarf noch nicht abschätzen. Im Bedarfsfall wird das Landratsamt gezielt zu Sachspenden aufrufen, um so eine passgenaue und zielgerichtete Koordination der Gegenstände gewährleisten zu können. Am Bürgertelefon unter 0861/58-600 werden alle Fragen beantwortet.

Auch Berchtesgadener Land ist vorbereitet

Auch im Landkreis Berchtesgadener Land ist die Hilfsbereitschaft groß. »Wir sind gerüstet, wenn die Flüchtlingswelle kommen würde«, sagte Landrat Bernhard Kern. Dutzende Unterbringungsmöglichkeiten stelle der Landkreis geflüchteten ukrainischen Familien ab sofort zur Verfügung. Der Landkreis habe alle zur Verfügung stehenden Wohnungen ermittelt, die sich unter anderem in Asylunterkünften im Berchtesgadener Land befinden und die gerade leer stehen. »Wir haben jetzt einen guten Überblick über unsere Unterkünfte, die wir für ukrainische Flüchtlinge zur Verfügung hätten«, meinte der Landrat. Panik müsse niemand haben.

Belchatow, der polnische Partnerlandkreis des Berchtesgadener Landes, habe bereits ukrainische Flüchtlinge aufgenommen, vor allem Frauen mit Kindern. »Wir haben unsere Hilfe angeboten«, sagte Landrat Kern. Und er betonte: »Wir sind nicht nur Partnerlandkreis auf dem Papier, sondern sind bereit, wenn wir gebraucht werden.«

Da die Welle der Hilfsbereitschaft auch in der Bevölkerung sehr groß ist, hat das Landratsamt Berchtesgadener Land ein zentrales E-Mail-Postfach eingerichtet, an das sich Bürger mit ihren Hilfsangeboten oder eventuell leer stehenden Ferienwohnungen wenden können. Die Angebote werden dann gesammelt und geprüft. Sofern der Bedarf besteht, wird sich das Landratsamt dann mit den Helfenden in Verbindung setzen und alles Nähere abklären. Von Telefonanrufen bittet das Landratsamt aufgrund des hohen Anrufaufkommens abzusehen. Die Koordinierungsgruppe des Landratsamts ist per E-Mail an ukrainehilfe(at)lra-bgl.de erreichbar.

pü/kp

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