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Im ehemaligen Kreiswehrersatzamt in Traunstein betreibt der Landkreis eines von zwei Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge aus der Ukraine. Bis zu 100 Personen finden dort für einen oder zwei Tage vorübergehend eine Zuflucht. (Foto: Pültz)

Landrat Walch: Weitere Flüchtlinge aus der Ukraine können untergebracht werden

Der Landkreis Traunstein ist in der Lage, weitere Flüchtlinge aus der Ukraine unterzubringen. Hunderten von Personen, vorwiegend Frauen und Kindern, hat er bereits Quartier gegeben. Doch seine Hilfsbereitschaft ist noch nicht erschöpft. »Der Landkreis ist weiter aufnahmefähig«, sagte Landrat Siegfried Walch (CSU) am Mittwoch im Kreisausschuss.


»Seit 24. Februar herrscht wieder Krieg in Europa – und das nur rund 800 Kilometer von Traunstein entfernt«, so der Landrat in seinem Sachstandsbericht zur Ukraine-Krise und seinen Folgen. Bereits mehr als drei Millionen Menschen seien vor Präsident Wladimir Putins Angriffskrieg geflohen. Walch sprach von der am schnellsten wachsenden Fluchtbewegung seit dem Zweiten Weltkrieg. »Meist sind es Frauen und Kinder oder ältere Menschen, die bei uns ankommen und denen wir schnelle Hilfe zuteil werden lassen.«

Im Gegensatz zu vielen anderen Landkreisen, die bereits niemandem mehr Zuflucht geben können, sei Traunstein nach wie vor in der Lage, Frauen, Kindern und Senioren aus der Ukraine Hilfe in der Not zu gewähren. »Wir schaffen es, alle Menschen ordentlich unterzubringen«, betonte Walch. Der Landkreis sei damit nicht gezwungen, etwa auch Turnhallen zu belegen. Vielmehr könnten die Ankömmlinge weitestgehend insbesondere in Wohnungen Fuß fassen.

991 Geflüchtete habe die Landkreisverwaltung bislang registriert. 90 Prozent von ihnen seien Ukrainer. Die tatsächliche Zahl der Menschen, die aus dem Kriegsgebiet in die Region gekommen sind, liegt jedoch laut Walch höher, denn vielfach reisen Personen selbstständig ein und fahren zu Verwandten oder Bekannten, ohne sogleich ihre Personalien anzugeben.

Die Landkreisverwaltung stehe vor der Herausforderung, dass immer wieder von einer Stunde auf die andere zu jeder Tages- und Nachtzeit Flüchtlinge eintreffen. »Der Druck ist enorm groß«, sagte der Landrat. Die Benachrichtigung, dass ein Bus kommt, erfolge teilweise erst eine Viertelstunde oder 20 Minuten vor dem Eintreffen in Traunstein. Und auf die Ankunft müsse man immer gefasst sein – auch mitten in der Nacht. Die Mitarbeiter des Krisenstabs seien 24 Stunden am Tag im Einsatz.

In Traunstein im ehemaligen Kreiswehrersatzamt habe der Landkreis eine Erstaufnahmeeinrichtung geschaffen, so Walch weiter. In den Räumen sei Platz für bis zu 100 Personen. Nach der Ankunft in Traunstein werden die Flüchtlingen laut dem Landrat auf Corona getestet, ihre Personalien werden aufgenommen und Anträge ans Sozialamt gestellt. Und nach ein oder zwei Nächten erfolge dann die Verteilung auf die Quartiere, die Privatleute zur Verfügung stellen oder aber auch die der Landkreis selbst dezentral unterhalte.

In Altenmarkt im Impfzentrum habe der Landkreis eine zweite Erstaufnahmeeinrichtung geschaffen, die noch einmal vorübergehend Platz für 60 Personen bietet. Das Impfzentrum bilde einen Puffer für den Fall, dass einmal die Einrichtung in Traunstein überlastet sein sollte.

Dem Landkreis stehen bislang nach Angaben von Walch rund 1200 Betten in privaten und öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen zur Verfügung. 510 seien schon belegt, 650 noch nicht vergeben. Der Landrat lobte insbesondere die Bürger für ihre Bereitschaft, Flüchtlinge aufzunehmen. Und er hoffte auf weitere Unterstützung, die – wie er ausführte – keineswegs unentgeltlich gewährt werden müsse. Niemand müsse dem Landkreis eine Unterkunft kostenlos zur Verfügung stellen, betonte Siegfried Walch. Vielmehr sei an ein normales Mietverhältnis zu denken.

Der Landrat forderte die Bürger auf, keine Feindseligkeiten gegenüber Russlanddeutschen zu entwickeln, die in der Region leben. Nicht das russische Volk habe die Ukraine überfallen, sondern Diktator Wladimir Putin.

Hilfe beim Wiederaufbau: Landkreis will Entwicklungspartnerschaft aus der Taufe heben

Noch tobt der Krieg gegen die Ukraine in unverminderter Härte und anhaltender Grausamkeit. Doch der Landkreis Traunstein macht sich jetzt schon einmal Gedanken über die Zeit nach dem Konflikt: Wenn die Waffen schweigen, will er beim Wiederaufbau helfen. So zieht er nun in Erwägung, eine Entwicklungspartnerschaft mit Kommunen in der Ukraine nach Ende des Krieges zu schließen. Auf Anregung von Landrat Siegfried Walch hat der Kreisausschuss am Mittwoch einstimmig beschlossen, die Verwaltung im Landratsamt zu beauftragen, dass sie Möglichkeiten für so eine Entwicklungspartnerschaft auslotet.

Walch führte aus, dass der Landkreis Traunstein bereits seit 2018 die Zusammenarbeit mit libanesischen Gemeindeunionen pflege. Über diese Entwicklungspartnerschaft seien schon viele Projekte verwirklicht worden.

Der Vorschlag von Siegfried Walch stieß im Gremium auf breite Zustimmung. Auf Anregung aus der Mitte des Ausschusses will der Landrat nun auch das Entwicklungshilfeministerium beim Aufbau der Zusammenarbeit mit einer Region in der Ukraine mit ins Boot nehmen.

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