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Landrat Walch wehrt sich gegen Vorwürfe

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Die Traunsteiner Kreisräte stützen den Kurs von Landrat Walch, auf Vorwürfe zu verzichten, kooperationsbereit zu bleiben und den Chiemsee wieder ins Zentrum der Marketingaktionen zu rücken. (Foto: Niederbuchner)

Traunstein – Landrat Siegfried Walch (CSU) hat gestern vor dem Kreisausschuss noch einmal das Scheitern der Fusion zwischen den Tourismusverbänden Chiemgau und Chiemsee-Alpenland (wir berichteten) geschildert. Demnach habe sein Amtskollege Wolfgang Berthaler das Rosenheimer Nein in einem Anruf in Walchs Vorzimmer und tags darauf in der Presse verkündet. »Die Fusionsverhandlungen waren zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits abgeschlossen«, verdeutlichte Walch.


Trotz dieses unvorhersehbaren Vorgehens der Rosenheimer Seite solle die Region als eine touristische Destination vermarktet werden, versicherte Walch. »Wenn schon die Zusammenarbeit in einem touristischen Dachverband derzeit nicht möglich ist, so kann dennoch die gemeinsame Vermarktung über eine Dachmarke erfolgen.« Zwei Jahre zäher Verhandlungen seien von einem guten Klima geprägt gewesen, darum habe das Aus aus Rosenheim »unwahrscheinlich wehgetan«.

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»Hornung als Marketingleiter war Berthalers Wunsch«

Wie berichtet, waren offenbar Rosenheimer Vorbehalte gegen Chiemgau-Chef Stephan Semmelmayr als Geschäftsführer des neuen Großverbands und gegen dessen Vertragslaufzeit der Hauptgrund für das Nein zur Fusion. Walch verwahrte sich jedoch gegen Vorwürfe, man habe den Rosenheimern das Traunsteiner Personal aufzwingen wollen – das sei eine völlige Verzerrung der Tatsachen: »Es gab über die Geschäftsführung einen einstimmigen Beschluss der Verhandlungsgruppe.« Und es sei ausdrücklicher Wunsch Berthalers gewesen, dass Marketingleiter Jens Hornung vom Chiemgau-Verband bereits im Vorfeld der Fusion für beide Verbände tätig sei, »da die Marketing-Stelle beim Chiemsee-Alpenland-Verband seit Längerem vakant war«. Um der Fusion Willen habe man der Stellen-Teilung zugestimmt, »obwohl wir Hornung als Vollzeitkraft beim Chiemgau Tourismus eingeplant hatten und ihn und seine Arbeit auch dringend brauchen.«

»Wir stehen zur Beschlusslage«

Dass kein Kompromiss gefunden worden sei – auch diese Aussage sei völliger Unfug, fuhr Walch fort: »Ein einstimmiger Beschluss wurde einseitig aufgekündigt. Das müssen wir hinnehmen und abhaken, auch wenn's viel Arbeit war. Nachtarocken nützt nichts.« Man spreche immer über Personalien, dabei habe Rosenheim noch nicht einmal die Grundsatzentscheidung für eine Fusion getroffen und sei offenbar noch nicht bereit für den Zusammenschluss. Traunstein werde trotzdem weiter die Hand ausstrecken und in Kooperation mit allen Anliegergemeinden eine starke Chiemsee-Offensive fahren. »Wir stehen zur Beschlusslage.« Zunächst werde man Rosenheim als Zwischenlösung und Mittelweg die gemeinsame Dachmarke anbieten.

Chiemgau-Tourismus-Vorstand und Marketingbeirat hätten bereits getagt und die Kündigung mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Geschäftsführer Stephan Semmelmayr wurde mit einer Offensivstrategie für Chiemgau und Chiemsee beauftragt, die vor allem auch das Achental im Blick haben soll. Bei einer Wertbeurteilung der Marke Chiemgau sollen Strukturen überprüft und Verbesserungspotenziale ausgelotet werden. Dafür könne man Kapazitäten nutzen, die bisher für die arbeitsintensive Fusions-Vorbereitung gebunden waren.

Wallner: »Für mich läuft das unter Heiratsschwindel«

In der Diskussion stützten die Kreisräte den Kurs des Landrats, auf Vorwürfe zu verzichten, kooperationsbereit zu bleiben und den Chiemsee wieder ins Zentrum der Marketingaktionen zu rücken. Zwischendurch kochten allerdings die Emotionen hoch. So berichtete Heinrich Wallner (Bayernpartei), in der Verbandsversammlung des Abwasser- und Umweltverbands Chiemsee (AZV) hätten etliche Rosenheimer Bürgermeister Walch die Alleinschuld am Aus für die Fusion gegeben. »Dem sind wir massivst entgegengetreten.« Im Gegenteil sei die Initiative pro Fusion immer von Traunstein ausgegangen. »Das Rosenheimer Verhalten läuft bei mir unter Heiratsschwindel, eine unerträgliche Situation.« Man solle gesprächsbereit bleiben, »aber unsere Gefühlslage dürfen wir schon auch äußern«.

Sepp Hohlweger (Grüne) forderte erneute Verhandlungen über das »Zweckbündnis«, das keine Liebesheirat sein müsse. »Wir sitzen am Tisch, können Rosenheim aber nicht zurückbringen. Die Braut muss schon selber zum Altar gehen«, konterte Walch. Tittmonings Bürgermeister Konrad Schupfner (CSU), der mit in der Verhandlungsgruppe war, zeigte sich enttäuscht: »Wir sind kurz vor dem Ziel gestürzt, weil man uns ein Bein gestellt hat.« Eine gemeinsame Dachmarke sei nun der richtige Ansatz, um die Zusammenarbeit auf niederschwelliger Ebene neu zu formieren, »weil die große Fusion auf absehbare Zeit nicht umsetzbar ist, dafür wurde zu viel Porzellan zerschlagen«.

Der Kreisausschuss nahm das Aufkündigen der bereits abgeschlossenen Fusionsverhandlungen zur Kenntnis. Man halte an der Beschlusslage fest und bleibe für weitere Fusionsgespräche offen. »Zudem bietet der Landkreis Traunstein dem Landkreis und der Stadt Rosenheim die Gründung einer Dachmarke an«, heißt es in dem Beschluss. Der Chiemgau Tourismus solle die Vermarktung des Chiemsees verstärkt in den Mittelpunkt stellen und mit allen Anliegergemeinden intensive Kooperationen anstreben. rse