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Landrat und Oberbürgermeister uneins

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Traunstein. Ein Wortgefecht haben sich Landrat Hermann Steinmaßl und Traunsteins Oberbürgermeister Manfred Kösterke in der jüngsten Kreisausschusssitzung geliefert. Dabei ging es um die im Bau befindliche Sportanlage im Traunsteiner Ortsteil Empfing. Streitpunkt: Wer zahlt welchen Anteil an den Gesamtkosten von rund 2,3 Millionen Euro.


2002 hat das Hochwasser an der Traun die Sportanlage schwer beschädigt. Jetzt soll die Anlage an gleicher Stelle – nur höher gelegen, damit sie vor künftigen Hochwassern sicher ist – entstehen. Nutznießer werden Schulen in Trägerschaft des Landkreises und Breitensportler sein. Im Empfing soll auch die erste Leichtathletikanlage mit 400-Meter-Bahn in der Stadt entstehen.

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Nach einem Vorschlag des Büros esg-Ingenieure soll sich der Landkreis mit 1,25 Millionen Euro beteiligen. Das war dem Kreisausschuss zu viel. Ursprünglich war 2010 von 600 000 Euro die Rede. Das Gremium forderte einstimmig eine Minderung der Kosten und mehr Finanzengagement der Stadt. Der Oberbürgermeister verwies im Gegenzug auf hohe Investitionen, unter anderem für den Hochwasserschutz. Darum soll jetzt nachverhandelt werden.

Die aktuellen Planungen sehen vor, dass der Landkreis die Kosten für die 447 000 Euro teure Leichtathletikanlage, den 600 000 Euro teuren Kunstrasenplatz, den Abriss des alten und die Errichtung des neuen Funktionsgebäudes trägt. Von anderen Positionen soll der Landkreis den Löwenanteil finanzieren, der Sportbund Chiemgau Traunstein nur zehn Prozent. Anderes soll je zur Hälfte bezahlt werden.

»Wir halten uns an unseren Beschluss«

»Wir halten uns an den Vertrag und unseren Beschluss – und nicht mehr«, sagte Dr. Lothar Seissiger, FW/UW bei Blick auf einen Beschluss aus dem Jahr 2010, mit dem der Kreisausschuss grundsätzlich grünes Licht für die neue Sportstätte »Brunner-Anlage« gegeben hatte. Dieser Beschluss sieht vor, dass der Landkreis die Kosten für den Abriss des alten Gebäudes und eine neue WC-Anlage samt Lagerraum übernimmt.

Dass man nicht gleich »normgerecht« geplant habe, erschien Waltraud Wiesholer-Niederlöhner, SPD, »schleierhaft«; sie spielte damit auf die Regierung von Oberbayern an, die zur Erstplanung angeregt hatte, die Anlage normgerecht auszuführen; im ersten Plan sei dies nicht der Fall, ließ die Behörde aus München wissen.

Kritische Worte fand Konrad Glück, FW/UW: »Erst anfüttern mit niedrigen Preisen, und irgendwann kommt die Wahrheit – das geht nicht.« So gerate jeder Finanzierungsplan durcheinander. CSU-Kreisrat Franz Parzinger schloss sich an. Sein Vorschlag: »Teile nicht machen, verschieben und verkleinern.«

Das Projekt »gescheit und normgerecht« zu verwirklichen, plädierte Karl Kaditzky, CSU. Die Kostenverdoppelung für den Landkreis sei »sehr bitter« und hauptsächlich verursacht durch das Gebäude: »Die Stadt ist fast nicht beteiligt. Wenn sich die Stadt als Schulstadt positioniert, darf sie sich auch an solchen Anlagen beteiligen.«

Die Mehrkosten fehlten dem Kreis an anderer Stelle, argumentierte Sepp Hohlweger, Bündnis 90/Die Grünen. »Wir müssen Kompromisse finden mit dem Verein und der Stadt«, forderte Johann Schild, SPD. Das Gebäude müsse man »auf das unbedingt Notwendige zusammenfahren«. Die Kosten des Gebäudes zu teilen, sei gerechtfertigt.

»Ein Unterstellraum würde reichen«

Viele Redebeiträge aus Reihen des Kreisausschusses wartete Oberbürgermeister Manfred Kösterke vor einer Antwort ab. Dann stieg er ein: »Weder die Stadt noch der Verein haben Forderungen erhoben, die Planung zu verändern. Die Regierung hat die Planung als nicht normgerecht eingestuft.« Der Landrat erwiderte, die Regierung habe von normgerecht planen »können«, nicht von »müssen« gesprochen. Eine normgerechte Anlage sei »aber durchaus sinnvoll«, entgegnete Kösterke. Die Stadt habe auf der anderen Traun-Seite Hochwasservorkehrungen getroffen bei Kosten von 55 000 Euro und am Sportgelände eine neue Straße gebaut. Ein Gebäude brauche der Verein nicht: »Ein Unterstellraum würde reichen.« Das Gebäude sei nicht von der Stadt, sondern vom Landratsamt und den Schulen angeregt worden. Zum Sportbund informierte der Oberbürgermeister: »In den Kosten für den Verein stecken 600 000 Euro Zuschüsse seitens der Stadt.« Im Übrigen sei die Stadt auch erst letzte Woche »mit der Kostensteigerung konfrontiert worden«.

In weiteren Wortmeldungen ging es um Wege zur Kostenminderung. Dazu Konrad Schupfner, CSU: »Ich würde mich nicht genieren, Fertiggaragen hinzustellen.« Eigenleistungen des Vereins seien nur beim Gebäude möglich. Er vermisse ein derartiges Angebot, so Landrat Steinmaßl.

Der Kreisausschuss befürwortete die Gesamtplanung einmütig, wird aber mit Stadt und Verein wegen einer Kostenminderung Gespräche führen. kd