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Landkreise stehen zu ihren sechs Kliniken

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Geschäftsführer Stefan Nowack (von links) vertieft in die tiefroten Zahlen der Kreisklinken, Traunsteins Landrat Hermann Steinmaßl zwei Stunden nach seiner Wahl zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden mit sorgenvoller Miene, und sein Berchtesgadener Amtskollege Georg Grabner sichtlich entspannt, nachdem er die Bürde des Aufsichtsratsvorsitzes losgeworden ist.
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Größtes Sorgenkind der Kreiskliniken AG ist das Krankenhaus Vinzentinum in Ruhpolding, das im vergangenen Jahr mit 2,5 Millionen Euro zum Gesamtdefizit von 5,8 Millionen Euro beigetragen hat. Davon übernimmt der frühere Träger 950 000 Euro.

Die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land stehen zu ihren sechs Klinikstandorten. Allerdings wollen sie mit einem millionenschweren Sparpaket in den kommenden drei Jahren jährlich rund 10 Millionen Euro einsparen. Das ist nötig, weil die Kliniken Südostbayern AG in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt: Der Jahresfehlbetrag lag 2012 nach Angaben von Geschäftsführer Stefan Nowack bei 5,8 Millionen Euro.


»Wir wollen die Kliniken in kommunaler Trägerschaft behalten«, sagte Landrat Georg Grabner in einem Pressegespräch nach der Hauptversammlung am gestrigen Freitagnachmittag im Poststall in Teisendorf. Sein Traunsteiner Amtskollege Hermann Steinmaßl ergänzte: »Damit dokumentieren wir, dass wir voll hinter unseren Kliniken stehen.« Steinmaßl hatte in der vorhergehenden Hauptversammlung die Nachfolge Grabners als Vorsitzender des Aufsichtsrates angetreten.

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Problemfall Ruhpolding

Annähernd die Hälfte des Defizits im vergangenen Jahr, nämlich rund 2,5 Millionen Euro, hat das Krankenhaus Vinzentinum in Ruhpolding verursacht. Davon übernimmt der frühere Träger 950 000 Euro.

Die Kreiskliniken AG hat das Haus am 1. Januar 2012 von der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul übernommen. Dort sind derzeit 135 Mitarbeiter, davon 12 Ärzte, beschäftigt. Es sei klar gewesen, dass es bis zur wirtschaftlichen Gesundung eine Weile dauern werde, berichtete Geschäftsführer Nowack; allerdings habe sich die Situation verschlechtert. »Das will ich nicht schönreden.« Und auch Hermann Steinmaßl räumte ein, »das mit Ruhpolding ist falsch gelaufen«. Aber, so Georg Grabner: »Standortfragen allein werden das Problem nicht lösen.«

Beim Personal sparen

Die Kreiskliniken haben derzeit rund 3700 Mitarbeiter. Jährlich fallen Personalkosten von etwa 150 Millionen Euro an. Das sind etwa 70 Prozent der gesamten Ausgaben. Während die Erlöse im vergangenen Jahr nur um 12,8 Millionen Euro gestiegen sind, betrug der Anstieg der Personalkosten rund 15 Millionen Euro. Auch das ist ein Grund, warum das Defizit binnen Jahresfrist von 1,8 auf 5,8 Millionen in die Höhe geschnellt ist.

»Wir sind an einem Punkt angekommen, wo wir nicht mehr entgegenhalten können, gestand Nowak ein. Deshalb arbeite man schon seit einiger Zeit an einem Konsolidierungskonzept mit dem Ziel, sich in den kommenden dreieinhalb Jahren um jährlich rund 10 Millionen Euro zu verbessern. »Wir müssen die Erlöse optimieren; wir haben Reserven und Nachholbedarf«, was unter anderem auch für die Sachkosten gilt, die bei 30 Prozent liegen. Hier solle als erstes überprüft werden, wo man sparen kann. »Wir werden aber auch beim Personal einsparen müssen und denken an einen Stellenabbau über Fluktuation.« Dabei wolle man aber so einsparen, dass sich die Versorgung der Patienten nicht verschlechtert.

Arbeitsprozesse optimieren

Am meisten verspreche er sich von einer Optimierung der Arbeitsprozesse. Der Aufsichtsrat der Kreiskliniken soll das Konsolidierungskonzept in einer Sitzung am 16. September absegnen.

Ob man die angestrebten Ziele erreicht, muss sich zeigen. Die Geschäftsführung hat dabei keine leichte Aufgabe, denn an der »exzellenten medizinischen Versorgung an allen sechs Standorten wollen wir nicht rütteln«, so Grabner. Das heißt unter anderem, dass die Bürger in den beiden Landkreisen an allen sechs Standorten eine internistische Notfallversorgung rund um die Uhr in Anspruch nehmen können.

Knapp 56 000 Menschen haben im vergangenen Jahr Leistungen der Kreiskliniken stationär in Anspruch genommen. »Das ist etwa jeder fünfte Bürger aus den beiden Landkreisen«, machte Steinmaßl deutlich.

Was Stefan Nowack und den beiden Landräten besonders wichtig ist: Das Konsolidierungskonzept kann nur gelingen, wenn auch alle Mitarbeiter des Unternehmens dahinter stehen. Dabei, so war an den Zwischentönen der drei Verantwortlichen zu erkennen, solle es nach Möglichkeit keine Entlassungen geben. »Betriebsbedingte Kündigungen sind nach dem heutigen Stand nicht erforderlich, versicherte Nowack. Vielmehr wolle man zunächst einmal schauen, ob wirklich jede Stelle sofort neu besetzt werden müsse, wenn ein Mitarbeiter in Ruhestand gehe oder aus anderen Gründen aufhöre. Bereits im vergangenen Jahr hat der Vorstand der Kreiskliniken einen Einstellungsstopp verfügt.

Auf die Frage des Traunsteiner Tagblatts, ob man beim Defizit die 4 Millionen Rücklagen, die man aufgelöst habe, nicht dazurechnen müsse, wie das Kreisrat Lothar Seissiger tue, sagte Nowack: »Ich kann die Rechnung Seissigers nicht nachvollziehen.« Man habe Reserven aufgelöst; die 4 Millionen seien aus dem Baubereich. Das könne man so nicht draufrechnen. »Die Lage ist auch so schon schlimm genug.«

Dem widersprach niemand. Es bleibt die Hoffnung, dass das Konsolidierungskonzept erfolgreich sein wird und die Kreiskliniken irgendwann einmal wieder eine Bilanz ohne Millionendefizite vorlegen können. -K.O.-