Landkreis unterstützt Partnergemeinde Qrayeh im Libanon während der COVID-19- Pandemie

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Bürgermeister Maroun Antoun mit Dr. Haji. Foto: Landratsamt Traunstein

Landkreis Traunstein – Um das Thema Fluchtursachenbekämpfung aktiv zu begleiten, besteht seit 2018 eine enge partnerschaftliche Beziehung zwischen zwei Gemeindeverbänden und der Gemeinde Qrayeh im Libanon und dem Landkreis Traunstein. Auch sechs Jahre nach der großen Flüchtlingswelle aus Syrien ist der Libanon das Land mit dem höchsten Anteil an Flüchtlingen weltweit. Zudem haben die Explosion in Beirut, die schwierige politische Lage und die Corona-Pandemie zu einer dramatischen Abwertung der libanesischen Währung und einer wirtschaftlich katastrophalen Gesamtsituation geführt. Umso wichtiger ist es, mit Projekten die Kommunen im Libanon in der Selbstverwaltung zu stärken.


Bereits im Mai 2020 hat der Landkreis Traunstein auf Initiative von Landrat Siegfried Walch Masken und Gesichtsvisiere für das medizinische Personal an seine Partnerregionen Qrayeh, Al Bohaira und Jabal El Sheikh im Libanon verschickt. Die Partnerschaft wurde im letzten Jahr durch Email-Kontakt, Telefonate und Videokonferenzen gepflegt und vertieft, da Reisen ins Partnerland nicht möglich waren. Der Landkreis hat Qrayeh nun beim Aufbau einer Corona-Isolierstation unterstützt, die im April 2021 fertiggestellt wurde.

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In den vier Wohneinheiten können nun insgesamt acht Personen mit leichten Covid-19-Symptomen ihre Isolation verbringen. Damit leistet der Landkreis Traunstein einen wichtigen Beitrag, um seiner Partnergemeinde im Libanon im Kampf gegen die Pandemie beizustehen. „Der Landkreis Traunstein hat uns in den vergangenen zwei Jahren enorm unterstützt. Besonders im Zuge der Covid-19-Pandemie ist die Partnerschaft sehr wichtig für uns. Wir freuen uns über die Fertigstellung der Isolierstation und auf die weitere Zusammenarbeit mit unseren Freunden in Deutschland“, so der Bürgermeister von Qrayeh, Maroun Antoun.

„Es war uns sehr wichtig gemeinsam mit Qrayeh passende Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung vor Ort zu planen und die Aktivitäten genau auf den Bedarf der Gemeinde anzupassen“, betont Andreas Klimm, der die Partnerschaft mit den libanesischen Gemeinden und Gemeindeunionen im Landkreis Traunstein koordiniert. Als 2020 die ersten Corona-Fälle in Qrayeh auftraten, sah der Bürgermeister der Gemeinde den größten Bedarf darin, Quarantänemöglichkeiten für Covid-19-Patienten zu schaffen. Familien leben im Gemeindegebiet oft auf sehr engem Raum, dadurch ist eine wirkungsvolle Isolation sehr schwierig.

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Bau der neuen Isolierstation in Qrayeh. Foto: Landratsamt Traunstein

Mit dem „kommunalen Corona-Solidarpaket“ hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, in Kooperation mit Engagement Global, Fördermittel bereitgestellt, mit denen deutsche Kommunen ihre Partnerkommunen im Globalen Süden unterstützen können. Der Landkreis Traunstein hat die Höchstsumme an Fördergeldern in Höhe von 50.000 Euro erfolgreich beantragt und im Herbst 2020 mit dem Aufbau der Isolierstation in der Gemeinde Qrayeh begonnen. Die Isolierstation befindet sich auf einem Grundstück der Gemeinde Qrayeh und wird von Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung und freiwilligen Helfern aus der Gemeinde und medizinischem Personal der Kommune betrieben.

Die Gemeinde wählt Patienten aus, die keine Behandlung im Krankenhaus benötigen, aber wirkungsvoll isoliert werden sollen. Betreut werden die Patienten, falls notwendig, von Ärzten aus dem Gemeindegebiet. Deswegen fand im März 2021 ein digitaler medizinischer Fachaustausch mit mehreren Ärzten der Kliniken Südostbayern und verantwortlichen medizinischen Fachkräften aus Qrayeh statt.

Beteiligt an dem Online-Meeting waren Mitarbeiter der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin unter der Leitung von Chefarzt PD Dr. Tom-Philipp Zucker und dem Leiter der Covid-19-Intensivstation, Oberarzt Holger Liermann sowie die Traunsteiner Klinikinfektiologin Dr. Bianca Vogel. „Alle Teilnehmer schätzten den Umgang mit den Kollegen aus dem Libanon, die fachlich sehr versiert, jedoch unter schwierigen Bedingungen und mit weit weniger Ressourcen die Patientenbetreuung meistern müssen“, betont PD Dr. Tom-Philipp Zucker.

Den Kontakt zu den libanesischen Kollegen vor Ort, sowie die Präsentation der „Traunsteiner Gegebenheiten“ übernahm Dr. Claudia Graml aus dem Team um PD Dr. Zucker. „Der Erfahrungsaustausch war für uns ein interessanter Blick über den Tellerrand in den Nahen Osten, der uns auch zeigte wie dankbar wir für die flächendeckend hohe Qualität der medizinischen Versorgung hier sein können. Eine Kollegin bezeichnete das Treffen als „erdendes Gespräch““, so Dr. Claudia Graml.

Die nächsten Partnerschaftsprojekte in den Bereichen Energiemanagement, Berufliche Bildung und Fortbildung befinden sich bereits in der Planung. „Im Laufe der Projektpartnerschaft haben wir uns gegenseitig immer besser kennengelernt, gegenseitiges Vertrauen aufgebaut und viel im Umgang mit gemeinsamen Herausforderungen voneinander gelernt“, bekräftigt Bürgermeister Maroun Antoun.

fb/red

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