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Für eine Nutzung der Wasserkraft an der Salzach im Bereich des Tittmoninger Beckens (unser Bild) macht sich der Landkreis Traunstein stark. (Foto: Wasserwirtschaftsamt Traunstein)

Landkreis Traunstein für Ausbau der Wasserkraft an der Salzach

Der Landkreis Traunstein fordert den Ausbau der Wasserkraft an der Salzach im Bereich des Tittmoninger Beckens. Ausdrücklich unterstützt er die Initiative von Landrat Siegfried Walch (CSU) und der Verbund AG für eine Nutzung der Potenziale. Die Vorgabe lautet, den maximal möglichen Energieertrag einzufahren. Die Verwaltung im Landratsamt hat den Auftrag erhalten, zusammen mit der Bayerischen Staatsregierung, der Republik Österreich beziehungsweise dem Land Oberösterreich und der Verbund AG die notwendigen rechtlichen Verfahren und den Bau entsprechender Anlagen voranzutreiben – Diese Marschroute hat der der Kreisausschuss nun auf der Grundlage eines Antrags der FW/UW-Fraktion festgelegt.


Die Salzach zwischen Laufen und Tittmoning gilt laut Landrat Walch als der Fluss mit dem deutschlandweit größten Wasserkraftpotenzial. Seit Jahren gebe es Überlegungen, diese Energie klimaneutral in Strom umzuwandeln. In der aktuellen Situation – aufgrund des Krieges in der Ukraine ist die Energieversorgung in Deutschland im Umbruch – sei dieses Thema aktueller denn je. »Es gilt jegliche Option zur Gewinnung von regenerativer Energie zu nutzen«, betonte Walch. Und weiter: »Deshalb wäre es fatal, dieses Potenzial ungenutzt zu lassen.«

Im Tittmoninger Becken stehen aktuell laut dem Landrat verschiedene Maßnahmen an, um der Salzach die Kraft zu nehmen und so einen drohenden Soledurchbruch zu verhindern. Eine dieser Maßnahmen könnten Solerampen sein. Wenn sie gebaut werden, könnten sie zugleich für die Gewinnung von Strom verwendet werden, indem sogenannte Fließgewässerkraftwerke errichtet werden. Zu diesem Zweck habe die Verbund AG in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck ein Konzept entwickelt.

»Großes Energiepotenzial«

»Ob die Solerampen gebaut werden müssen, ist noch nicht ganz klar«, sagte der Landrat. Unabhängig von der Frage, ob sie kommen oder nicht, sei festzuhalten, dass die Salzach im Tittmoninger Becken ein »großes Energiepotenzial« darstelle, das unbedingt genutzt werden muss. Walch: »Jede Kilowattstunde Energie, die wir regional und regenerativ erzeugen können, brauchen wir nicht importieren und macht uns unabhängiger von externen Einflüssen.«

Der Landkreis treibe aktuell die Gewinnung von regenerativen Energien in allen Bereichen – Walch nannte die Nutzung der Windkraft und der Geothermie ebenso wie den Bau von Photovoltaik- und Biomasseanlagen – massiv voran. Zu entwickeln sei ein ganzheitliches Konzept, das auch Belange wie das Landschaftsbild, die Naturräume und den Menschen berücksichtigt. Die aktuelle Situation zeige jedoch, wie wichtig das Ansinnen ist, sich dauerhaft unabhängig von Energieexporten zu machen.

Die Potenzialanalyse für die Salzach habe ergeben, dass mit den Fließgewässerkraftwerken bis zu 100 Gigawattstunden pro Jahr Strom erzeugt werden können – und somit circa zehn Prozent des Gesamtstrombedarfs des Landkreises. Der Landrat zeigte sich sehr dankbar für den Antrag der FW/UW-Kreistagsfraktion. Walch forderte dazu auf, die möglichen Energiepotenziale nicht gegeneinander auszuspielen – jeder habe seine »Lieblingsenergie« – sondern vielmehr nach dem Motto »sowohl als auch« zu verfahren und alle Möglichkeiten der Energiegewinnung parallel zu nutzen.

Antrag der FW/UW-Kreistagsfraktion

Die FW/UW-Kreistagsfraktion hatte in ihrem Antrag, den Manfred Kösterke in der Sitzung des Kreisausschusses erläuterte, unter anderem darauf verwiesen, dass der Landkreis Traunstein die Wasserkraftpotenziale im Bereich der Salzach bereits im Jahr 2012 habe untersuchen lassen. Schon damals sei der Ansatz entwickelt worden, durch einen Ausbau der Wasserkraft an der Salzach mit maßgeschneiderten Konzepten eine entsprechende effiziente und grundlastfähige Energiequelle zu erschließen. Diese Überlegungen seien damals aus politischen Gründen dann aber nicht weiterverfolgt worden. Die FW/UW-Kreistagsfraktion gehe davon aus, dass die bayerische Staatsregierung dieses Konzept nun wieder aufgreifen werde. Die Verwaltung im Landratsamt sei zu beauftragen, die Möglichkeiten der Wasserkraftnutzung durch Fließgewässerkraftwerke im Tittmoninger Bereich »zu priorisieren und priorisiert voranzutreiben«.

Walch sagte in der Diskussion, dass die Verbund AG weiter bereit sei zu investieren, und machte sich dafür stark, hier und jetzt zu handeln. »Wir müssen die Gunst der Stunde nutzen.« Er sprach sich dafür aus, ein Zeichen zu setzen und sich für den Ausbau der Wasserkraft der Salzach im Tittmoninger Becken auszusprechen.

Johann Schild (SPDplus), der Bürgermeister von Fridolfing, berichtete, dass seine Gemeinde bereit sei, mit an einem Strang zu ziehen und sich für die Nutzung der Wasserkraft der Salzach einzusetzen. »Die Zeit ist gut, jetzt einen neuen Anlauf zu unternehmen«, betonte er. Und auch er meinte: »Wir müssen aufhören, dass wir die regenerativen Energien gegenseitig schlecht machen, wir müssen alle Quellen nutzen.«

Auch Andreas Bratzdrum (CSU), der Bürgermeister von Tittmoning, sagte zu, dass seine Kommune mit ins gemeinsame Boot steige. »Das Thema Wasserkraft unterstützen wir seit langem.« Als Ziel gab er aus, Ökonomie und Ökologie zu vereinen.

Allein Burgi Mörtl Körner (Bündnis 90/Die Grünen) stimmte gegen den Beschluss des Kreisausschusses, den Ausbau der Wasserkraft an der Salzach zu fördern. Sie äußerte »große Bedenken«. Schließlich führe die Salzach immer wieder einmal zu wenig oder auch zu viel Wasser, mit der Folge, dass Kraftwerke dann nicht laufen könnten. Außerdem sei die Wasserqualität sehr schlecht, der Auwald sei FFH-Gebiet. Nicht vorstellbar sei, dass sich Ökonomie und Ökologie vereinen lassen.

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