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Landkreis strebt einheitlichen Ausbau bei Elektromobilität an

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Traunstein – Gemeinsam mit dem Landkreis Berchtesgadener Land will der Landkreis Traunstein ein Modell-Konzept zum Aufbau eines einheitlichen und integrierten Elektromobilitätsnetzes in der Region erstellen. Den Beschluss dazu fassten die Mitglieder des Ausschusses für Landkreisentwicklung und Verkehrsfragen am Freitag.


In dem Projekt »E-Mobil vernetzt zwischen Chiemsee und Königssee« sollen Richtlinien für eine Modelllösung erarbeitet werden, um so die Lücken zwischen dem Öffentlichen Personennahverkehrsnetz (ÖPNV) und den individuell angesteuerten Zielen im ländlichen Raum zu schließen. Hintergrund ist der derzeit von vielen Seiten her vorangetriebene Ausbau der Elektromobilität. Hier wollen beide Landkreise mit Hilfe des neuen Konzepts einen geordneten und einheitlich strukturierten Ausbau, etwa bei neuen Ladesäulen und Bezahlsystemen, unterstützen, um so »Wildwuchs« zu vermeiden. Zum zweiten soll das Konzept durch die Einbeziehung zum Beispiel von E-Carsharing-Projekten ein positives Signal für sanften und nachhaltigen Tourismus setzen. Diesem Ziel dient etwa auch ein neues Interreg-Förderprogramm, dem sich 40 Gemeinden in Südostoberbayern und dem österreichischen Inntal bis Wörgl angeschlossen haben.

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80-prozentige Förderung ist bereits fix

Wie die Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Traunstein, Dr. Birgit Seeholzer, im Ausschuss erklärte, wurde bereits im Mai beim Bundesverkehrsministerium der Förderantrag für das gemeinsame E-Mobilitätskonzept gestellt. Es soll unter enger Einbindung der Kommunen erstellt werden, um eine bessere Akzeptanz und sinnvolle Umsetzung zu ermöglichen. Ebenso sollen die Energieversorger in die Gespräche miteingebunden werden. Mitte November hat der Landkreis bereits die Antwort aus dem Ministerium erhalten, dass 80 Prozent der förderfähigen Kosten erstattet werden, das heißt 76 434 von 95 543 Euro. Auf die beiden Landkreise entfallen damit nur jeweils 9550 Euro.

Landrat Siegfried Walch erklärte dazu, die großen Auto-hersteller würden derzeit auf einen starken Ausbau des Ladenetzes setzen, was aber wohl vor allem stark befahrenen Verkehrsadern und Großstädten zugutekomme. Deshalb sei es wichtig, rechtzeitig und abgestimmt auf den ÖPNV einen deutlichen Impuls zur Entwicklung der E-Mobilität im ländlichen Raum zu setzen. Dies komme auch dem Schutz der Natur und der Heimat zugute.

Sepp Hohlweger (Grüne) gab zu bedenken, dass die Ergebnisse des Konzepts nach der Fertigstellung 2017 erst im Jahr darauf zum Tragen kämen, während der Ausbau der Infrastruktur zur Elektromobilität bereits voll im Gang sei. »Welchen Einfluss haben wir auf die Aufsteller und die Kosten?« Dr. Birgit Seeholzer entgegnete darauf, man stehe bereits während der Konzepterstellung in engem Austausch mit den Leistungsanbietern und Kommunen, die von den Informationen profitieren. Manfred Kösterke (Freie Wähler) wandte ein, dass das Konzept bei der Ausweisung von Parkplätzen Sinn mache, um so auch Privatinvestoren besser einbinden zu können. Markus Schupfner (Bayernpartei) machte sich dafür stark, auch andere Landkreise wie Rosenheim und Mühldorf miteinzubinden. Seeholzer sagte dazu, dass man informell bereits im Gespräch sei. Martin Czepan (Grüne) schlug vor, Ansätze wie das E-Bürgerauto in Waging am See mit zu berücksichtigen.

Wieder besserer Zuspruch für Nachtexpress-Linien

Ebenso befasste sich der Ausschuss mit einer ganzen Reihe weiterer Tagesordnungspunkte zum ÖPNV. So informierte Landrat Siegfried Walch, dass sich der Zuspruch zu Nachtexpress-Linien wieder verbessert habe. Nach einem Absinken der Fahrgastzahlen um acht Prozent im Vorjahr sei heuer ein Anstieg um 6,5 Prozent oder 544 zusätzliche Busfahrgäste zu verzeichnen. Der Ausschuss verlängerte die Verträge deshalb einstimmig um ein weiteres Jahr. Ebenso sprach sich der Ausschuss dafür aus, die jährliche Kostenpauschale in Höhe von 17 200 Euro für die kostenfreie Mitnahme von Fahrrädern in der Südostbayernbahn bis Ende 2019 weiter zu übernehmen. Kritik wurde an der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) laut, die Verhandlungen über eine kostenlose Fahrradmitnahme im Nahverkehrszug Meridian bisher ablehne.

Vorerst noch bis Mai kommenden Jahres sollen der Variobus bzw. die Rufbusse in Traunstein und Nordwesten weitergeführt werden. Dann läuft die staatliche Förderung aus. Vor einer endgültigen Entscheidung will der Ausschuss erst die entsprechenden Beschlüsse des Landtags Mitte Dezember abwarten. Zur besseren Auslastung der Linien schlug Martin Czepan vor, Gespräche mit Firmen zur Einbindung von Schichtarbeitern zu führen. eff