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Vor allem bei der Photovoltaik gab es große Zuwächse. Und auch für die kommenden Jahre wird damit gerechnet, dass noch mehr Anlagen auf die Dächer im Landkreis montiert werden. Foto: dpa

Landkreis auf einem guten Weg – Photovoltaik hat größtes Potenzial an Erneuerbaren Energien

Der Landkreis Traunstein sei auf einem guten Weg, es sei aber noch Luft nach oben, was die Nutzung von Erneuerbaren Energien betrifft. Gerade bei Photovoltaikanlagen habe sich in den vergangenen Jahren viel getan, Potenzial gebe es aber auch bei anderen Energieträgern wie Wasser- und Windkraft. Das zeigte der Bericht zur Fortführung des Energienutzungsplans im Strom- und Wärmebereich für den Landkreis auf. Sven Schuller vom Institut für Energietechnik der Hochschule Amberg-Weiden präsentierte die Zahlen von 2020 im Ausschuss für Umwelt und Abfallwirtschaft.


Der Kreistag hatte sich als Ziel gesetzt, dass der gesamte verbrauchte Strom – ohne Industriebetriebe – im Landkreis bis 2020 aus Erneuerbaren Energien gedeckt werden sollte. Dieses Ziel konnte bereits 2018 erreicht werden. Bis 2025 soll der gesamte verbrauchte Strom, also inklusive der Industrie, aus regenerativen Energien stammen.

Über alle Verbrauchergruppen hinweg lag der Stromverbrauch im Landkreis im Jahr 2020 bei 1.030.936 Megawattstunden (MWh). Davon entfielen auf die privaten Haushalte inklusive Wärmestromverbrauch 354 665 MWh (34 Prozent) und die kommunalen Liegenschaften 34.417 MWh (3 Prozent). Bei den kleinen und mittleren Unternehmen (17 Prozent) und den Großbetrieben (46 Prozent) betrug der Verbrauch insgesamt 641.854 MWh, wobei die Stadt Trostberg mit ihren Betrieben an der Spitze lag, gefolgt von Traunreut. Insgesamt sei der Gesamtstromverbrauch in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben bei rund 1030 Gigawattstunden (GWh). In den Verbrauchergruppen habe es aber Verschiebungen gegeben. So ging der Allgemeinstromverbrauch der Privathaushalte von 416 im Jahr 2012 auf 309 GWh in 2020 zurück, während der Verbrauch der Großbetriebe im selben Zeitraum von 338 auf 470 GWh gestiegen ist.

Im Anschluss präsentierte Schuller die Daten zu den Erneuerbaren Energien. Die Stromerzeugung 2020 im Landkreis durch Wasserkraft betrug 158 979 MWh (24,1 Prozent), Biomasse 234.940 MWh (35,7 Prozent), Photovoltaik 217 044 MWh (33,0 Prozent) sowie Windkraft 5910 MWh (0,9 Prozent). Auf die Geothermie entfielen zudem 30 398 MWh (4,6 Prozent). Weitere rund 11.000 MWh kamen durch Strom aus Müllverbrennung und den Eigenstromverbrauch kommunaler Liegenschaften (1,7 Prozent) dazu.

Vor allem Biomasse und Photovoltaik legten seit dem Jahr 2005 ordentlich zu. 43 GWh Strom aus Biomasse und gerade einmal 18 GWh aus Photovoltaik gab es damals. Nun sind es die beiden größten Posten bei den Erneuerbaren Energien, deren erzeugte Strommenge insgesamt von 226 GWh in 2005 auf 658 GWh im Jahr 2020 angestiegen ist. Bei der Photovoltaik gebe es »wirklich gute Nachrichten«, so Schuller. Fast zehn Prozent Zuwachs habe es von 2019 auf 2020 gegeben. Und ein weiterer starker Ausbau von PV-Anlagen sei zu erwarten, vor allem bei Dachanlagen auf privaten Häusern und Gewerbegebäuden.

So nimmt Photovoltaik mit 36 Prozent auch den größten Anteil am möglichen Gesamtpotenzial an Erneuerbaren Energien im Landkreis ein. Dahinter folgen Biomasse (20 Prozent), Wasserkraft (17), Geothermie (15), Windkraft (12) und mit 0,5 Prozent Strom aus Müllverbrennung. Insgesamt liege das Gesamtpotenzial der Erneuerbaren Energien im Landkreis bei einer Strommenge von 1448 GWh, im Jahr 2020 betrug die gewonnene Strommenge aus Erneuerbaren 658 GWh.

»Wir müssen schauen, dass wir jede Form der Erneuerbaren ausbauen. Es heißt sowohl als auch, nicht entweder oder«, sagte Landrat Siegfried Walch (CSU) dazu. »Wo die Sonne scheint, braucht es Photovoltaik, wo Wasser läuft, Wasserkraft und wo der Wind weht, Windräder«, machte sich der Landrat für einen Mix der Erneuerbaren Energien stark. Der Stromverbrauch im Landkreis sei konstant, und das, obwohl »der Landkreis seit sieben Jahren eine massive Wachstumsregion« sei. »Wir haben eigentlich gleiche Verbräuche, obwohl wir viel mehr Einwohner haben.« Hinzu kämen Faktoren wie E-Mobilität und Wärmepumpen, durch die der Energiebedarf zudem steige.

Dass die Großindustrie mehr Strom brauche, wertete Walch als gutes Zeichen. »Die Produkte werden wieder im Landkreis hergestellt.« Der Trend gehe zur Rückverlagerung der Produktion aus dem Ausland. »Das ist aus Klimagesichtspunkten, wirtschaftlich und sozial positiv zu bewerten.«

Ausschussmitglied Willi Geistanger (Grüne) fragte nach dem Energie-Einsparpotenzial durch energetische Sanierungen von Wohngebäuden im Landkreis. Aus dem Stegreif hatte Schuller dazu keine Zahlen parat, das Einsparpotenzial bezifferte er bei einzelnen Gebäuden aber auf 45 bis 60 Prozent je Gebäude. Hans-Jörg Birner (CSU) wollte wissen, ob eine Aufständerung von PV-Anlagen, wie sie etwa bei Solarthermie erfolgt, sinnvoll sei. »Meines Erachtens ist der Mehraufwand bei einem Satteldach nicht rentabel«, antwortete Schuller. Erst bei einer Dachneigung unter 30 Grad könne man darüber nachdenken.

Zudem beschäftigten die Stromnetze die Ausschussmitglieder. Landratsstellvertreter Josef Konhäuser (SPDplus) sagte, dass vor allem große Unternehmen sich Gedanken machen würden, ob die Netz-Infrastruktur ausreichend sei. Willi Geistanger fragte zudem, wie man die Energieversorger anregen könnte, in die Netze zu investieren. Dr. Birgit Seeholzer, Geschäftsführerin der Chiemgau GmbH Wirtschaftsförderung, sagte dazu, dass die GmbH mit den großen Wirtschaftsunternehmen im Landkreis im intensiven Austausch sei, um möglichst effizient Energieversorgung und -verbrauch zu harmonisieren. Weiter erläuterte sie, dass die 17 Energieversorger im Landkreis in den vergangenen Jahren bereits viel in die Netze investiert hätten. Der Netzausbau sei aber nicht auf Vorrat möglich, der Bedarf müsse auch vorhanden sein. Zudem verwies sie darauf, dass die Energieversorger dringend nach Grundstücken für einen möglichen Netzausbau suchen würden.

Paul Obermeier (FW/UW) fragte nach, ob man politisch dem Verkauf von für Geothermie geeigneten Grundstücken an Unternehmen entgegenwirken könne. Landrat Walch antwortete, dass sich dafür gesetzlich etwas ändern müsse. »Als Landkreis ist es uns nicht möglich, zu sagen, wir sichern uns 50 Prozent oder eine Sperrminorität.« Geothermie sei teuer und berge auch ein großes Risiko und würde daher die finanziellen Möglichkeiten des Landkreises übersteigen.

Das Thema Kleinstanlagen, etwa auf Balkonen, brachten Irmingard Siglreithmayer (CSU) und Claus Pichler (SPDplus) aufs Tableau. Dazu, wie viele Haushalte eine solche Anlage hätten, habe er keine Zahlen, informierte Referent Sven Schuller. Ebenso sei nicht bekannt, wie viel Eigenstrom Besitzer von PV-Anlagen tatsächlich verbrauchen. Das sei rechnerisch nicht nachvollziehbar. Die von Pichler gewünschte Beratung von Privatleuten zu solchen Kleinstanlagen sei durch die Energieagentur Südostbayern möglich, so Walch. Die erste Beratung sei dabei kostenlos.

pk

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