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Landfrauen sind der Motor des ländlichen Raums

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Mit einer »Berchtesgadener Hochzeitskutsche« bedankten sich Kreisbäuerin Maria Krammer (rechts) und ihre Stellvertreterin Maria Walch (links) bei Landtagspräsidentin Barbara Stamm für ihr Kommen. (Foto: Horn)

Teisendorf – »Mit Stolz stehen wir zu dem, was wir können. Engagiert, modern, aktiv, selbstbewusst und verantwortungsbewusst gestalten wir unsere Heimat. Mir san die Berchtesgadener Landfrauen – und do san mir dahoam«, mit diesen Worten eröffnete die Kreisbäuerin des Berchtesgadener Landes, Maria Krammer, den Landfrauentag im Teisendorfer Poststall. Diesmal stand die Veranstaltung ganz im Zeichen des Jahresmottos der bayerischen Landfrauen »Das ist Heimat«.


Zum Auftakt festlichen Gottesdienst gefeiert

Den Auftakt bildete ein festlicher Gottesdienst, den Diakon Mario Haberl mit den Frauen feierte. Für den musikalischen Rahmen sorgte der Landfrauenchor Berchtesgadener Land unter der Leitung von Anja Warislohner mit einem gemischten Repertoire, das sich von modernen Liedern bis hin zu traditionellen Klängen spannte. Im Poststall waren die Tischreihen voll besetzt, als sich dort die große Versammlung zum weiteren Tagesprogramm traf. Kreisbäuerin Maria Krammer ging auf verschiedene Aktivitäten der Landfrauen im vergangenen Jahr ein und bedankte sich mit einem »Vergelt’s Gott« für das vielseitige Engagement der Bäuerinnen. Krammer kam auf die Öffentlichkeitswirksamkeit verschiedener Aktionen zu sprechen und führte den Pidinger Christkindlmarkt als Beispiel an, der einen Erlös von mehr als 4000 Euro erbracht hatte. »Das geht nur mit gutem Zusammenhalt.«

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Die Kreisbäuerin erinnerte daran, dass die bayerischen Landfrauen in diesem Jahr ihr 70-jähriges Bestehen feiern und ging kurz auf das Motto »Das ist Heimat« ein. »Engagiert, modern, aktiv, selbstbewusst und verantwortungsbewusst gestalten wir Heimat, unter Betrachtung eines sorgsamen Umgangs mit Tieren und Ressourcen«, fasste sie zusammen. »Wir praktizieren lebendige Landwirtschaft und sind der 'Motor' des ländlichen Raums. Das heißt für uns auch den Glauben pflegen. Deshalb beginnt unser Landfrauentag immer mit einem Gottesdienst«, sprach die Kreisbäuerin einen weiteren wichtigen Aspekt der Landfrauenarbeit im Berchtesgadener Land an.

Die CSU-Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber eröffnete den Reigen der Grußwortredner. »Man spürt hier im Saal die positive Energie, die richtig ansteckt.« Anhand von Ergebnissen einer Studie zeigte sie auf, dass Landfrauen durchschnittlich 3500 Stunden im Jahr oder elf Stunden täglich arbeiten. »Durch eueren Willen und eure Kraft seid ihr Vorbilder für die Gesellschaft. Es ist nicht nur die Arbeit in eueren Betrieben, ihr bringt euch im Ehrenamt ein und gestaltet das Gemeindeleben mit. Ihr seid die Bewahrer und Beschützer einer einzigartigen Heimat.«

Landratstellvertreter Rudi Schaupp kam unter anderem auf die Aufgabenpalette der Landfrauen zu sprechen. Teisendorfs Bürgermeister Thomas Gasser stellte kurz die landwirtschaftliche Situation in der Marktgemeinde vor. In der Kommune gibt es 307 landwirtschaftliche Betriebe, davon 31 Biobetriebe. Durchschnittlich werden 16,5 Hektar bewirtschaftet. Gasser rückte auch mit anschaulichen Worten den Faktor »Zeit für sich selbst« in den Mittelpunkt und sprach damit einen sensiblen Bereich an.

»Heimat ist viel mehr als ein Begriff«

Den Festvortrag zum Thema »Das ist Heimat« hielt Landtagspräsidentin und Staatsministerin im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit, Barbara Stamm. Sie zeigte zunächst auf, dass der Begriff »Heimat« erst im 19. Jahrhundert »Karriere« gemacht hat. »Heimat ist viel mehr als ein Begriff. Was macht sie aus, wie muss sie gestaltet und gelebt werden, damit sie überdauern kann?«, war die berechtigte Eingangsfrage. Dazu ging die Ministerin kurz auf die Schaffung des Heimatministeriums auch in Berlin ein und sagte: »Europa wird nur überleben, wenn wir auf der einen Seite gestalten, aber auf der anderen nie die Vielfalt der Regionen aufgeben. Das sind Antworten der Gesellschaft auf die vielen Unsicherheiten, Krisen und Unwägbarkeiten in der ganzen Welt.«

Szenenapplaus für die Referentin gab es, als sie ein sensibles Thema ansprach: »Schwarze Schafe gibt es in jeder Berufsgruppe, auch in der Landwirtschaft. Doch man könne nicht einen ganzen Berufsstand in Frage stellen, wenn jemand etwas tut, was er nicht tun sollte. Man kann nicht Verordnungen und Überprüfungen auflegen, die dann für alle gelten.«

Stamm kam auch auf die Attraktivität Bayerns für Touristen zu sprechen, denn die Besucherströme sind in den vergangenen Jahren von jährlich 11 auf 13 Millionen Gäste angewachsen. »Es ist nicht nur Schönheit der Landschaft und Kultur, es sind vor allem die Menschen, die das Land gestalten« führte die Ministerin als Begründung für den Reiseboom an.

Großes Augenmerk legte Stamm im Zuge auch auf den Erhalt der Werte. Es gelte aber auch tolerant zu sein und den Dialog zu suchen. »Tolerant zu sein bedeutet nicht, dass wir unsere Grundposition aufgeben«, erklärte sie. Große Bedeutung maß sie dem Stellenwert der Familie in der Gesellschaft bei: »Die Familie ist die Zukunft unserer Gesellschaft«.

Als Abschluss der Veranstaltung gab es nach der Kaffeepause noch »männlichen Besuch« und mit heiteren Einlagen sorgte des Teisendorfer »Dahergesangs« für fröhliche Auflockerung im Saal. MH