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Land und Leute kennenlernen

Marquartstein. Warum sind Sie Bürgermeister geworden? Finden Sie den Euro gut? Was ist Ihr Lieblingsessen? Gibt es Rechtsradikale in Marquartstein? – Diese und viele Fragen mehr beantwortete zweiter Bürgermeister Günter Richter geduldig beim Besuch von knapp 28, schon recht gut Deutsch sprechenden Jugendlichen vom Kurs des Goetheinstituts im Rathaus.


Denn drei Wochen lang wohnen auch heuer 98 Jugendliche aus 20 Nationen im Staatlichen Landschulheim, um hier die deutsche Sprache und Kultur besser kennenzulernen. Dabei ist der Besuch beim Bürgermeister stets ein wichtiger Programmpunkt, damit sich die jungen Leute mit ihrem Aufenthaltsort ein wenig vertraut machen können. Um etwas zu verändern«, »inzwischen schon«, »Gulasch« und »Gottseidank nein«, waren Günter Richters Antworten auf die oben zitierten Fragen.

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In einem kurzen Referat stellte der stellvertretende Bürgermeister Marquartstein als einen Ort vor, an dem sich Europa ein Beispiel nehmen könne, weil man keine Schulden habe und 60 Prozent seines Energiebedarfs durch erneuerbare Energien decke. Anschließend führte er die Besucher durch das Rathaus zu den einzelnen Dienststellen, wo ebenfalls viel gefragt und fotografiert wurde.

Die meisten Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 15 Jahren kommen aus europäischen Ländern, den USA, Russland und Georgien, aber auch 13 aus China und Hongkong, drei aus Venezuela, je zwei aus Australien und der Türkei und einer aus Mexiko. Manche von ihnen haben früher bereits einmal einen Ferienkurs für Kinder des Goetheinstituts besucht und wollen ihr Deutsch nun vervollkommnen.

Vormittags stehen jeden Tag vier Stunden Deutschunterricht auf dem Programm. Zweimal gibt es nachmittags Projektunterricht. Dabei kann jeder nach Neigung zum Beispiel in einer Theatergruppe, beim Herstellen der Kurszeitung oder als »Interviewer« mitarbeiten und im Ort kleine Gespräche mit Leuten auf der Straße führen. Die Ergebnisse des Projektunterrichts werden dann in einer reich bebilderten, natürlich deutschen Kurszeitung dokumentiert, die die Jugendlichen mit nach Hause nehmen. Abends und am Wochenende bietet das weitläufige Gelände des Landschulheims viele Möglichkeiten, Sport zu treiben, wobei Fußball bei vielen Buben an oberster Stelle steht.

Wie jedes Jahr werden mehrere große Ausflüge unternommen nach München und Salzburg, aber auch zu näher liegenden Zielen wie dem Salzbergwerk in Berchtesgaden, einer Schifffahrt auf dem Königssee oder zur Sommerrodelbahn am Walchsee. Je nach Wetter gibt es Rad- und Badeausflüge zum Beispiel zum Wössner See, Reifinger Weiher oder ins Prienavera sowie Bergtouren auf die umliegenden Berge. Für die Gruppenunternehmungen stehen drei Kleinbusse zur Verfügung, für die großen Ausflüge mit allen werden zwei große Busse mit Fahrer gemietet.

»Bei so vielen Jugendlichen ist es schon eine logistische Aufgabe, alle Ausflüge und Unternehmungen zu organisieren«, sagt Kursleiterin Katharina Wieland aus Berlin, die heuer zum vierten Mal den Kurs führt. Sieben weitere Lehrer, sieben Betreuer und ihr Mann Florian als Verwaltungsleiter stehen ihr zur Seite. In Norddeutschland hat Katharina Wieland schon andere Kurse des Goetheinstituts geleitet, aber Marquartstein gefällt ihr immer wieder besonders gut, vor allem wegen der schönen Umgebung und der vielen Ausflugsmöglichkeiten. »Man merkt, dass der Ort und die Heimschule viel Erfahrung mit internationalen Jugendgruppen haben«, sagt sie. Bereits im Vorfeld werde geklärt, was einzelne Teilnehmer nicht essen dürfen, zum Beispiel Schweinefleisch, sodass sich die Küche danach richten kann. »Das Essen ist abwechslungsreich und international«, lobt die Kursleiterin, aber die Gäste lernen auch bayerische Spezialitäten kennen, wie Schweinsbraten und Kaiserschmarrn.

Auch in der Schule Schloss Stein sitzen derzeit 95 Buben und Mädchen aus 26 verschiedenen Nationen, um Deutsch zu lernen. Die Kurse werden in den unterschiedlichsten Niveaus gehalten vom absoluten Anfänger bis zum sehr guten Sprachniveau. Mit dem bei erfolgreichem Abschluss erhältlichen Zertifikat können die jungen Leute später ein Studium in Deutschland beginnen. gi/mix