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Lässt die Stadt ein Salinendenkmal abreißen?

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Die Franz-Eyrich-Halle wird im kommenden Jahr abgerissen. Laut dem Landesamt für Denkmalpflege ist das Gebäude nicht als Baudenkmal einzustufen. Im Stadtmodell von 1880 (rechts) ist ein gemauertes Gebäude zu sehen, das nach Ansicht von Architekt Alfred Maier ein Vorläufer der heutigen Franz-Eyrich-Halle ist. Foto: Montage (Wannisch/Bauer)

Traunstein – Lässt die Stadt Traunstein mit der Franz-Eyrich-Halle möglicherweise ein Salinendenkmal abreißen?


Jedenfalls ist der Traunsteiner Architekt Alfred Maier der Ansicht, dass die Turnhalle der TV Traunstein bereits vor 1920 erbaut wurde; daher hat er sich an das Landesamt für Denkmalpflege und die Regierung von Oberbayern mit der Bitte gewandt, die Denkmalwürdigkeit der Franz-Eyrich-Halle zu untersuchen. Doch das Landesamt für Denkmalpflege und die Stadt Traunstein widersprechen nach mehrfacher Überprüfung: Die Halle ist kein Baudenkmal.

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Seine Annahme stützt Maier zum einen auf einen Artikel im Jahrbuch 1995 des Historischen Vereins von Brigitte Klingmann, nachdem im Süden der Saline hinter den Wohnhäusern um 1775 die Alberti-, Ferdinandi-, Willhelmi- und Maximilian-Sieden standen. Die in Holzbauweise errichteten Sieden waren bis 1786 in Betrieb. Nach dem Bau des Karl-Theodor-Sudhauses auf dem heutigen Karl-Theodor-Platz wurden die Sudhäuser in vier Magazine umfunktioniert.

Laut des Stadtmodells im Traunsteiner Heimathaus von 1880 sind diese Magazine nicht mehr vorhanden. Anstelle des Wilhelmi-Magazin, vormals Wilhelmi-Sieden, befindet sich an dieser Stelle ein gemauertes Gebäude. Im Traunstein-Buch von Johann Josef Wagner und Eckehard Jilg wird das Gebäude in der Au als »drittes Sieden bzw. Wilhelmi-Sudhaus« aufgeführt.

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»Dieses gemauerte Gebäude im Salinenensemble von 1880 diente im vorderen, südlichen Drittel möglicherweise als Sitz des Salzhauptamts und des Salinenbezirks, nachdem 1860 das ehemalige Salzmaiergebäude am Stadtplatz in das neu geschaffene Landgericht Traunstein integriert wurde«, so Maier. Nach Auflassung der Saline 1912 sei dieses Gebäude nach 1914 als städtischer Stadel in den Besitz der Stadt Traunstein übergegangen. Von 1921 liege der Stadt Traunstein ein Eingabeplan für den Umbau, also nicht zum Neubau, zur Fest- und Turnhalle vor. Nach 1922 sei der Umbau zur heutigen Halle erfolgt und damit zweifelsohne zu einem Geschichts- und Baudenkmal im südostbayerischen Raum. Warum stelle die Stadt Traunstein die »Fünferpfanne« unter Denkmalschutz, nicht aber die Franz-Eyrich-Turnhalle, fragt sich Maier daher.

»Warum soll ein solch denkmalwürdiges Bauwerk im Ensemble der Saline abgerissen werden?« Als ehemaliges Salinengebäude würde es sich auch gut in den geplanten Salinenpark einfügen, ist Maier der Überzeugung. Dann könnte die Stadt Traunstein das Gebäude in zentraler Lage mit einer großen Anzahl von Stellplätzen für das Gemeinwohl nutzen. Als Oberzentrum brauche die Stadt Traunstein ohnehin eine Stadthalle. Ein Umbau sei kostengünstiger als ein Neubau. Nach Auffassung von Maier müsste lediglich der Dachstuhl verstärkt werden, um den heutigen Vorgaben der Schneelast gerecht zu werden. Das Mauerwerk sei in einem guten Zustand und habe noch keine Risse.

Der Gedanke, die Turnhallen in der Au abzureißen, ist nach Auskunft von Carola Westermeier, Pressesprecherin der Stadt Traunstein, nicht neu, da die Gebäude, insbesondere die Franz-Eyrich-Halle, in einem schlechten Allgemeinzustand sind. Deswegen wurde auch vor einigen Jahren eine Wintersperre verfügt. Es gab bereits vor mehreren Jahren die Idee, auf dem Areal ein Hotel zu errichten beziehungsweise das Gelände bei einer Landesgartenschau als Parkanlage (Salinenpark) zu nutzen. Es stellte sich also für die Stadt die Frage, ob es sich insbesondere bei der Franz-Eyrich-Halle um ein Denkmal handeln könnte.

In der Stadt Traunstein erfolgte bereits vor mehreren Jahren eine Aktualisierung der Denkmalliste. Die Stadt hatte damals das Landesamt für Denkmalpflege gebeten, verschiedene Gebäude im Stadtgebiet zu untersuchen und zu klären, ob es sich dabei um Baudenkmäler handelt. Die Stadt schlug damals vor, die Franz-Eyrich-Halle »nachzuqualifizieren« und holte das Urteil der Experten, nämlich des Landesamtes für Denkmalpflege ein.

Das Landesamt für Denkmalpflege kam zur Besichtigung und befasste sich mit der Franz-Eyrich-Halle. Es kam schließlich zu dem Schluss, dass die Franz-Eyrich-Halle kein Baudenkmal darstellt. Dies wurde auch im Stadtrat entsprechend berichtet, eine Aufnahme in die Denkmalliste erfolgte nicht.

Vor einigen Wochen erfolgte nochmals eine Besichtigung der Franz-Eyrich-Halle durch das Landesamt für Denkmalpflege. Das Gebäude inklusive Keller wurde inspiziert. Doch auch nach diesem Termin bestätigte das Landesamt für Denkmalpflege seine damalige Einschätzung, dass es sich bei der Franz-Eyrich-Halle um kein Baudenkmal handelt. Bjr

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