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LaBrassBanda will 2014 wieder antreten

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Was für ein Krimi: Fans, Freunde und Familienangehörige von LaBrassBanda verfolgten in der Truchtlachinger Privatbrauerei Camba Bavaria den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest auf einer großen Videoleinwand. Trotz des Daumendrückens hatte es nicht gereicht. (Foto: Rasch)
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In Lederhosen und barfuß tanzten die Fünf von LaBrassBanda auf der Bühne in Hannover, auch bei der Probe. Sie spielten als einzige Band an diesem Abend ihre Instrumente live. Der Ausrichter, der Norddeutsche Rundfunk, hatte für die Oberbayern eine Ausnahme gemacht. (Foto: dpa)

Freude, Zittern und Enttäuschung lagen am Donnerstagabend eng beieinander. Deutschland wählte seinen Vertreter für den Eurovision Song Contest und die fünf Chiemgauer Musiker von LaBrassBanda standen kurz vor einer Sensation. Doch am Ende reichten die Punkte nur für den zweiten Platz hinter Cascada. Der Bulldog, mit dem die Band vom Chiemsee bis ins schwedische Malmö fahren wollte, bleibt in der Garage. Doch wohl nur vorerst, denn Stefan Dettl kündigte bereits an: »Wenn wir dürfen, treten wir nächstes Jahr wieder an.«


Stefan Dettl: »Ein Sieg für die Live-Musik«

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Groß enttäuscht über den knapp verpassten Sieg am Donnerstag sind die fünf Musiker nicht. »Leck mich am Arsch hat das Spaß gemacht«, freute sich Frontmann Stefan Dettl am Freitag im Telefongespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. »Wir haben ein super Ergebnis erreicht. Das feiern wir jetzt auch«. Bereits am Vormittag nach der Entscheidung traten Dettl, Andreas Hofmeir, Oliver Wrage, Manuel Winbeck und Manuel Da Coll mit dem Tourbus den Heimweg an.

Mit im Gepäck: »Ein Sieg für die Live-Musik!« Denn LaBrassBanda war am Donnerstag die einzige Band der Konkurrenz, die während des Auftritts von »Nackert« ihre Instrumente live gespielt hat. »Wir sind dem NDR sehr dankbar, dass er für uns diese Ausnahme gemacht hat«, so Dettl.

Das nahmen auch Fans, Freunde und Familienangehörige der Bandmitglieder stolz zur Kenntnis. Einige von ihnen hatten sich am Donnerstagabend zum Public Viewing in einer Truchtlachinger Privatbrauerei getroffen und gemeinsam vor der großen Leinwand mitgefiebert. Groß war die zwischenzeitliche Freude, als sich beim ersten Teil der Abstimmung die Hörer von neun Radiosendern aus ganz Deutschland als große Fans der Mischung aus Blasmusik, Ska und Funk zeigten. »Zwölf Punkte für LaBrassBanda«, tönte es durch die Arena in Hannover.

»Das Beste ist, wir sind bisher mit unserer Musik in kaum einem Radio gelaufen und sie haben uns trotzdem gewählt«, freute sich Stefan Dettl und fügt hinzu: »Man merkt, die Leute haben Lust auf eine andere Musik abseits des Mainstream.«

Schlechte Wertung von der Experten-Jury

Weniger gut fiel der zweite Teil der Abstimmung für LaBrassBanda aus. Eine Jury aus dem Vorjahresteilnehmer Roman Lob, Sänger Tim Bendzko, Schauspielerin und Sängerin Anna Loos, Fernsehkommentator Peter Urban und Schlager-ikone Mary Roos vergab nur einen Punkt an die Chiemgauer. Böse auf die Jury ist Dettl wegen der schlechten Wertung aber nicht: »Keiner von uns hätte in deren Haut stecken wollen.«

Cascada, die späteren Gewinner, erhielten von der Jury die vollen zwölf Punkte und gingen in Führung liegend in die letzte Abstimmungsrunde. Nun zählte die Stimme der Zuschauer. Aber auch hier konnte LaBrassBanda die Dance-Pop-Band um Frontfrau Natalie Horler nicht übertreffen, sodass es am Ende nur der zweite Platz vor den Söhnen Mannheims wurde.

Der Sieg der Band Cascada hat mittlerweile eine breite Diskussion in Deutschland ausgelöst. Vor allem das Urteil der Jury wird in Internetforen kritisiert. Bereits wenige Minuten nach dem Ende der Sendung hatte sich auf dem Sozialnetzwerk Facebook eine Gruppe gegründet, die eine Neuwahl fordert: »Revote-labrassbanda für Malmö« hatte am Freitagnachmittag bereits über 5500 Fans.

Auch auf der Facebook-Seite der Band selbst tat sich einiges: Innerhalb von 16 Stunden posteten die Fans mehr als 1700 Kommentare. »Die Jury hat natürlich die Punkte wieder mal nur an die Bands gegeben, die am bekanntesten, am öftesten in den Charts und am schlechtesten sind!«, empörte sich User Sebastian Ho. Andere bestärkten die Band, wie Sonja Saberi: »Ihr hättet Deutschland super vertreten mit deutschem Gesang und tollen Instrumenten! Schade.«

Handelte es sich um abgekartetes Spiel?

Im Netz wurde zudem aufgespießt, dass mindestens zwei der fünf Juroren bei dem selben Label wie Cascada unter Vertrag stehen. Der ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber verteidigte das Juryurteil. »Die haben sich unter anderem mit der Frage beschäftigt, wer die größten Erfolgsaussichten in Europa hat«, sagte der Verantwortliche der Sendung der dpa. Zudem habe die Bonner Dance-Pop-Band Cascada auch in der Gunst der TV-Zuschauer weit vorne gelegen. Auch Stefan Dettl schenkt den Gerüchten keinen Glauben. »Wir denken nicht, dass es sich um ein abgekartetes Spiel gehandelt hat«, sagte er dem Traunsteiner Tagblatt.

Lesen Sie mehr zum Vorentscheid in unserem Magazin-Teil auf Seite 6. apo