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Kundgebungen in Traunreut verliefen friedlich

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Mit Parolen wie »Merkel muss weg« demonstrierten die asylkritischen Gegner bei einer Kundgebung auf dem Traunreuter Rathausplatz. »Heute war nur der Anfang, wir werden weiter auf die Straße gehen«, kündigte Versammlungsleiter Oliver Krogloth vor rund 450 Anhängern an.
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Für ein respektvolles und tolerantes Zusammenleben sprach sich das Bündnis »Traunreut bleibt bunt« bei seiner Gegenkundgebung an der Munastraße aus. Panikmache und der Ruf nach Bürgerwehren sind in den Augen der Vertreter des Bündnisses keine Lösung. (Fotos: Rasch)

Traunreut – Die Kundgebungen für und gegen die Flüchtlingspolitik in Traunreut verliefen friedlich. Rund 600 Teilnehmer zählte die Polizei, die mit 80 Beamten im Einsatz war. Nach Angaben des Einsatzleiters wurden die Beamten aus Traunreut, Traunstein und Trostberg von Kollegen aus Rosenheim und München unterstützt. Sogar eine Reiterstaffel aus Rosenheim war präsent. Rund 450 Anhänger gegen die Flüchtlingspolitik waren auf den Rathausplatz gekommen, während das Bündnis »Traunreut bleibt bunt« an der Munastraße etwa 150 Anhänger anlockte.


Versammlungsleiter Oliver Krogloth hatte am Rathausplatz auf den geplanten Marsch rund um die Kirche verzichtet, da die geplante Kundgebungszeit schon mit Reden ausgefüllt war. Aus seiner Sicht war es »wunderbar gelaufen«, da viele Teilnehmer seinem Aufruf gefolgt waren und es keine negativen Vorkommnisse gegeben habe. Die Zahl und Qualität der Redebeiträge war aus seiner Sicht gut. Einzig der Ausspruch eines angeblichen Abiturenten (»Die Zukunft ist rechts«) habe ihm nicht gefallen: »Es war aber auch nicht dramatisch, ansonsten hat er einen gepflegten Beitrag gebracht.«

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Krogloth selbst hatte den Redner nach dieser Aussage unterbrochen und betont: »Unser Ziel ist die Rechtsstaatlichkeit, mit »rechts« können wir hier nichts anfangen.« Krogloth bedauerte auch, dass zwei Redner, die sich für einen vernünftigen Umgang mit Flüchtlingen ausgesprochen hatten, niedergebrüllt und -gepfiffen wurden: »Ich habe noch versucht, die Menge zur Ruhe zu rufen, aber es war nicht möglich.« Beide Redner, ein Mitglied aus dem Traunsteiner Flüchtlingshelferkreis und die Russlanddeutsche Anna Dalinger, gaben schließlich das Mikrofon ab.

Er erläuterte selbst die Ziele des Protests für eine vernunftgeleitete Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und für das Überdenken der geplanten Flüchtlingsunterkünfte in Traunreut. Er ließ keinen Zweifel daran, dass »die Regierung in den Müll geworfen gehört«. Vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel, die er nur kurz »AM« nannte, gehöre weg.

Angst vor der Überlastung durch Flüchtlinge

Diese Absicht wurde auch in vielen Redebeiträgen und auf Schildern geäußert. Bei den Reden ging es vor allem um die Angst vor der Überlastung durch Flüchtlinge, die Befürchtung, dass für Einheimische kaum mehr genügend bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung stehen und die finanzielle Belastung durch die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge das Land überfordern würden.

Am Ende formulierte Krog-loth vier Forderungen, die er an die Stadt weitergeben will: keine weiteren Flüchtlingsunterkünfte mehr in Traunreut zu bauen, einen regelmäßigen Bürgerdialog im k1, um die Bürger besser einzubeziehen, Landrat Siegfried Walch dabei zu unterstützen, dass die Akquise weiterer Unterkünfte für Flüchtlinge im Landkreis Traunstein eingestellt bleibt und für einen sicheren Weg bei Schichtwechsel von der BSH-Herdfabrik zu den Parkplätzen der Mitarbeiter zu sorgen, wenn die benachbarte Gemeinschaftsunterkunft bezogen ist.

Krogloth kündigte an: »Heute war nur der Anfang, wir werden weiter auf die Straße gehen.« Falls sich genügend Interessenten fänden, möchte er auch bald einen AfD-Ortsverband gründen, der solche Veranstaltungen organisieren könne: »Denn die AfD ist die einzige Partei, die sich traut, die Probleme anzugehen. Alle anderen sind schon gleichgeschaltet.«

Eine Rednerin aus Seeon kündigte am 27. Februar eine erneute Kundgebung in Freilassing an. Laut Polizei gehört sie der rechtsextremen »Identitären Bewegung« an, die mit Bannern und Fahnen ebenso vertreten war, wie Anhänger der NPD. Während viele Redner nicht aus Traunreut kamen, schätzte Krogloth, dass »60 bis 70 Prozent« der Teilnehmer aus der Stadt waren.

Gegenwind bekamen die asylkritischen Demonstranten zeitgleich bei einer Kundgebung auf dem Parkplatz an der Munastraße. Dort hatten sich überwiegend Traunreuter und auch einige Flüchtlinge versammelt, und unter dem Motto »Traunreut bleibt bunt« friedlich für Weltoffenheit und Toleranz demonstriert. Die Redner des Bündnisses aus Deutschem Gewerkschaftsbund, Verdi, Industrie-Gewerkschaft Metall, der Friedensinitiative Traunstein, Traunreut, Trostberg und Parteien sowie Vertreter der Bundes- und Landespolitik riefen dazu auf, die Mitmenschlichkeit und die Vernunft siegen zu lassen und nicht die Vorurteile gegenüber Flüchtlingen. Zwischen den Reden sorgte eine afrikanische Trommlergruppe aus Schnaitsee und Traunreut für Abwechslung.

»In Traunreut ist kein Platz für rechte Hetze«

»In Traunreut ist kein Platz für rechte Hetze«, betonte Bündnissprecherin Renate Schunk unter dem Applaus der Zuhörer. Panikmache und der Ruf nach Bürgerwehren seien keine Lösung. »Wir brauchen keine Sicherheitswache in Traunreut. Was wir brauchen, ist mehr Unterstützung von offizieller Seite in der Flüchtlingsarbeit, die hauptsächlich auf den Schultern Ehrenamtlicher liegt.« Mit Nachdruck forderte sie eine klare Bekämpfung der Fluchtursachen. Dazu müsse die Zielrichtung unserer Politik Frieden und soziale Gerechtigkeit sein – also keine weitere Aufrüstung, keine Waffenlieferungen an Unterstützer des IS, keine weiteren Auslandseinsätze, aber auch kein Freihandelsabkommen mit Afrika.

Dass die Stadt Traunreut ein beredtes Beispiel für gelebte Integration ist, wurde von allen acht Rednern herausgestellt und gelobt. Nach Kriegsende als Stadt der Vertriebenen gegründet, sei sie heute mit vielen Flüchtlingen, Aussiedlern und Migranten ein Beweis dafür, dass ein respektvolles und tolerantes Zusammenleben aller Bürger möglich sei, sagte Schunk.

Simon Schmalzgruber von der Linkspartei stellte dazu fest, dass Traunreut immer »bunt war, bunt ist und immer bunt sein wird. Ohne Flüchtlinge und Ausländer würden wir vielleicht immer noch eine Rodung an der Traun sein«, so der Traunreuter. Zu Toleranz und Weltoffenheit rief auch Jürgen Bogner von der IG Metall auf. »Lasst euch nicht entmutigen und von den Miesepetern am Rathausplatz die gute Laune vermiesen«, rief er in die Menge.

Die Landtagsabgeordnete der Grünen, Gisela Sengl, machte den Besuchern ebenfalls Mut: »Lasst euch von ein paar so 'greislichen Typen' nicht beeinflussen.« Sie sei mit dem Fahrrad nach Traunreut gekommen, habe beim Vorbeifahren am Rathausplatz eine »unheimliche Stimmung« verspürt und keine so gute wie hier.

Der Erfolg von Traunreut gebe der Stadt Recht, miteinander und nicht gegeneinander zu leben, sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Bärbel Kofler. Dies zeige auch, dass so viele Bürger hier her gekommen seien und nicht auf den Rathausplatz. Niemand leugne, dass es Probleme gebe, die aber nur im Miteinander gelöst werden können, so Kofler. ga