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Kulturschaffende möchten die Güterhalle zwischennutzen

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Eine Absturzsicherung an der Rampe, der Einbau von Fluchttüren und weitere Brandschutzmaßnahmen sind das Mindeste, was bei der von mehreren Kulturschaffenden gewünschten Zwischennutzung der Güterhalle auf die Stadt zukäme. Eine schnelle Entscheidung darüber scheint nicht so leicht möglich zu sein, wie man vielleicht meinen könnte. (Foto: Hohler)

Traunstein – »Acht Wochen lang überhaupt keine Antwort zu erhalten, das find' ich schon mehr als unhöflich«, sagt Anna Stephl. »Am meisten geärgert hat es mich, dass ich dann aus der Zeitung lesen musste, dass wir für einen Bürgerantrag mehr Unterschriften brauchen.«


Gemeinsam mit anderen Kulturschaffenden aus Traunstein hatte Anna Stephl beantragt, die Güterhalle bis zur Sanierung und endgültigen Umnutzung als Probenraum und für kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen nutzen zu dürfen. Dazu hatte Stephl als Vertreterin der Theaterwerkstatt Traunstein nach der jüngsten Stadtratssitzung ein Schreiben an Oberbürgermeister Christian Kegel übergeben (wir berichteten), das als Bürgerantrag gedacht war.

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Für Bürgerantrag wären rund 200 Unterschriften nötig

»Ein Bürgerantrag ist das aber so nicht«, erklärte dazu Pressereferentin Carola Westermeier auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts. Denn dazu müsste das Schreiben nicht – wie in diesem Fall – von nur sieben Vertretern verschiedener kulturschaffender Vereine und Organisationen unterschrieben sein. Nötig wären die Unterschriften von einem Prozent der Bürger, also rund 200. Dann müsste sich auch der Stadtrat mit der Idee befassen.

»Aber man hat natürlich trotzdem den Brief nicht einfach liegen lassen«, so Westermeier weiter. Die Stadtverwaltung habe also eruiert, was in der Halle gemacht werden müsste, damit sie wie gewünscht genutzt werden könnte. Während Stephl in ihrem Antrag davon ausgegangen war, dass für rund 10 000 Euro die Güterhalle wieder benutzbar gemacht werden könnte, ergab die Nachfrage des Oberbürgermeisters bei der Verwaltung geschätzte Kosten von rund 20 000 Euro, so Westermeier weiter.

Probleme bereite etwa der Brandschutz. »Derzeit darf in der Halle keine Veranstaltung welcher Art auch immer stattfinden«, erklärt Westermeier. Außerdem müssten teure Fluchttüren eingebaut werden. Und auch an der Rampe müssten stabile Absturzsicherungen angebracht werden. Die Prüfung all dieser und weiterer Punkte dauere natürlich auch ihre Zeit, warb Westermeier um Verständnis, dass manche Dinge einfach ihre Zeit brauchten.

Kulturzentrum und Klosterkirche nicht nutzbar

Für den Antrag haben sich neben der Theaterwerkstatt Traunstein auch andere Kulturschaffende wie der Kunstverein Traunstein, der Jazz- und Popchor Giovedi Vocale sowie die Vereinigung Frauen-Art zusammengetan. »Traunstein lebt von der vielfältigen Kultur. Leider stehen nicht allen Kulturschaffenden geeignete Räume zur Verfügung. Dies betrifft besonders die Antragsteller, aber auch weitere Kulturschaffende«, heißt es in dem Schreiben. »Die ungenützte Güterhalle würde sich bestens für unsere Belange eignen. Vor allem, da auch zukünftig das Kulturzentrum nicht mehr genutzt werden kann.«

Tatsächlich fallen im kommenden Jahr mehrere potenzielle Veranstaltungsorte in städtischen Gebäuden weg. In der Klosterkirche beginnen die Sanierungsarbeiten, und auch das Kulturzentrum wird zumindest im ersten Halbjahr kaum zu nutzen sein. »Wir brauchen das Kulturzentrum vor allem für die Mittagsbetreuung«, erklärt Carola Westermeier dazu. Denn rund drei Monate dauere die Überschneidung der Bauarbeiten an Klosterkirche und Grundschule. »Danach sind die Schüler im Neubau untergebracht. Aber da derzeit erst die Ausschreibungen laufen, rechne ich nicht mit einem Baubeginn vor Ende März.« Und wegen der Bauarbeiten in der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule und der Städtischen Musikschule sei auch ein Teil der Musikschule im Kulturzentrum untergekommen.

»Aber wir haben ja noch etliche andere Räume in der Stadt, die Kunst- und Kulturschaffende mieten können«, versucht Westermeier Lösungsvorschläge anzubieten. »Es gibt ja noch die Alte Wache, den Schrannensaal und den großen Saal im Rathaus, im Vermessungsamt die Galerie, die Aulen von Annette-Kolb-Gymnasium und Staatlicher Berufsschule werden gern genutzt. Im Sommer gibt es auch noch die Franz-Eyrich-Halle, zumindest, bis die neue Turnhalle am AKG fertig ist.«

Lösung ist nicht von heute auf morgen möglich

Aber selbst wenn Stephl noch die für einen Bürgerantrag nötigen Unterschriften nachreicht, und sich der Stadtrat mit dem Thema befasst, wird eine Lösung sicher nicht von heute auf morgen möglich sein. »Wir müssten das auf jeden Fall ausschreiben. Ein Planer müsste genau untersuchen, was zu machen ist, es tauchen Fragen auf nach Sanitäreinrichtungen, möglichen Bauschäden – jeder Häuslbauer kennt das, man fängt da an, dann bröckelt dort was, ist da was undicht – da sind schnell mal 5000 oder 10 000 Euro mehr fällig als geplant«, so Westermeier weiter. Dabei gehe es nur um die Sicherheit, »das ist wirklich nur das Allernötigste.« Aber selbst die Entscheidung für eine Zwischennutzung würde eben einige Zeit dauern. coho