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Kühlung mit Grundwasser

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An zwei Seiten des neuen Rathaus-Anbaus sind zwei gut 40 Meter tiefe Löcher gebohrt worden. Diese dienen der Entnahme beziehungsweise Rückführung des Grundwassers, das für die Kühlung des Gebäudes verwendet wird. (Foto: H. Eder)

Traunreut. Weit verbreitet ist es mittlerweile, Grundwasser zum Heizen eines Hauses, meist eines Niedrigenergiegebäudes zu verwenden. Aber es ist genauso möglich, über das Grundwasser ein Gebäude zu kühlen beziehungsweise für angenehm temperierte Frischluft zu sorgen. So geschieht es derzeit beim Rathaus-Anbau in Traunreut: Zwei gut 40 Meter tief in den Boden reichende Bohrungen holen Grundwasser in die Höhe, das bei Temperaturen von etwa acht Grad in der Lage ist, die Räume in dem neuen Gebäude zu kühlen. Das Ingenieurbüro Hopf aus Schnaitsee war für die Planung der Maßnahme zuständig.


Voraussetzung für die Nutzung des kühleren Wassers im Untergrund war die Bohrung zweier knapp 40 Meter tiefer Löcher in den Boden, wie Karl Hopf erläutert. Der eine ist der sogenannte Saugbrunnen, der sich an der Südostecke des Rathausanbaus befindet. Über ein Rohr, das einen Durchmesser von gut zehn Zentimetern hat, werden etwa 13 Kubikmeter Wasser pro Stunde über eine Bohrlochpumpe in den Technikraum gefördert. Gemäß den gültigen Vorschriften bei der Nutzung von Grundwasser wird das entnommene Wasser in gleicher Tiefe über einen sogenannten Schluckbrunnen dem Grundwasserstrom wieder zugeführt. Dabei ist darauf zu achten, dass zum einen die Erwärmung auf etwa vier Grad beschränkt wird und kein Kurzschluss zwischen Saug- und Schluckbrunnen entsteht. Aus diesem Grunde ist der Schluckbrunnen auf die Nordseite des Gebäudes geplant.

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Über einen Wärmetauscher, der den Grundwasserkreislauf von den Gebäude-Kühlkreisläufen trennt, wird die Kühlenergie des acht Grad kalten Grundwassers sowohl an die zentrale Lüftungsanlage im Keller als auch an die Induktionsauslässe in den jeweiligen Arbeitsräumen des Gebäudes abgegeben. Über die Induktionsauslässe in den abgehängten Decken wird die notwendige Frischluft – bei Arbeitsräumen etwa 25 bis 30 Kubikmeter pro Stunde – je nach Witterung individuell gekühlt oder geheizt. Die Abführung der Abluft aus dem Gebäude erfolgt wiederum über die Lüftungsanlage im Keller. Die darin gespeicherte Energie wird hier mit einem hocheffizienten Wärmetauscher wieder zurückgewonnen und für die Vortemperierung der Zuluft verwendet.

Laut Hopf standen drei Kühl-Alternativen zur Debatte. Dies waren die konventionelle Kühlung mittels Kältekompressoren, die Nutzung der Fernwärme über eine Absorptions-Kältemaschine und als dritte Möglichkeit die Kühlung mittels Grundwasser. Im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsberechnung habe sich dann die Kühlung per Grundwasser als die wirtschaftlichste erwiesen, sodass sich die Stadt Traunreut letztlich für dieses System entschieden hat. Die Kosten für die Grundwasserkühlung außerhalb des Gebäudes belaufen sich auf rund 47 000 Euro. he