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Kühe suchen, Käse machen und Kuchen backen

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Sophie Frank und Anna Wurm (links) verbringen einen Sommer auf der Alm. Dort machen sie auch ihren Käse selbst. (Foto: Limmer)

Reit im Winkl. Seit Anfang Juni sind Sophie Frank und Anna Wurm auf der Finsterbachalm. Die beiden haben sich mittlerweile recht gut auf ihrem »Kaser« auf der Winkelmoos eingerichtet. Aber wer nun glaubt, dass die beiden 22-jährigen Trostbergerinnen auf 1400 Meter Höhe ihren Urlaub verbringen, hat sich getäuscht. Denn auf der Finsterbachalm, die im Besitz von Grete und Valentin Hechenbichler aus Ruhpolding ist, heißt es jeden Tag zeitig aufstehen, denn die Arbeit ruft.


Sophie Frank, gelernte Metzgereifachverkäuferin, und ihre Freundin Anna Wurm, gelernte Friseurin, wollten einfach mal dem Alltag entfliehen und etwas komplett anderes machen, wie sie erzählen. Beide hatten zuvor mit der Landwirtschaft nicht wirklich was am Hut. Doch als sie das Angebot erhielten, einen Almsommer zu erleben, haben sie nicht gezögert und sind bei befreundeten Landwirten in die »Lehre« gegangen. 22 Kälber gilt es, auf der Finsterbachalm zu versorgen. Außerdem müssen sie sechs Milchkühe zwei Mal täglich melken. »Einmal haben wir zweieinhalb Stunden bei strömendem Regen unsere sechs vierbeinigen Damen gesucht, die einen Unterstand im Wald, nahe des Dürnsteingrates gefunden haben«, erzählt Sophie Frank.

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Das Käsen haben die beiden bei Käsemeister Anderl Gruber aus Reichertsheim gelernt. Drei verschiedene Käse können sie – streng nach Anleitung, Rezept und unter Einhaltung strengster hygienischer Bedingungen – herstellen. »Es kommt immer aufs Wetter drauf an. Manchmal brauchst ein wenig länger, bis die Masse gestockt ist. Je feiner dann der Bruch ist, umso fester der Schnittkäse«, so die Erfahrungen von Anna Wurm. Im Keller werden die Laibe eingelagert und täglich liebevoll gepflegt.

Für die Wandersleute, die jeden Tag einen großen Hunger mitbringen, sorgen die Trostbergerinnen natürlich auch. Es gibt eine große Auswahl an selbstgebackenen Kuchen. Und für »danach« haben sie den Erdbeerlimes und Zwetschgenlikör aus der eigenen Produktion bereit.

Einsam sind sie nicht, betonen sie. »Es kommen viele Bekannte und Freunde vorbei, die uns auf dem Laufenden halten.« Planen können Anna und Sophie nur wenig. Jeder Tag bringe so seine Überraschungen. »Das Zeitgefühl ist hier ganz anders«, berichtet Sophie Frank. »Hier kann man Stress abbauen. Die Arbeit ist hart, aber wir machen sie gerne. Es herrscht kein Druck, das tut gut.« Ihre Streifzüge durch ihr »Revier« von ihrer Alm bis fast hinauf aufs Dürnbachhorn gleicht einem Sportprogramm, das im Fitnessstudio nur schwer erhältlich ist. Doch gibt es längst nicht mehr den Muskelkater wie zu Beginn ihrer Almsaison.

Auf eine warme Dusche nach der Arbeit brauchen die beiden nicht zu verzichten. Die hauseigene Gastherme ermöglicht diesen Luxus. Auch sonst sind die beiden nicht von der Außenwelt abgeschnitten. Die Freunde und Familien der beiden bringen regelmäßig die Heimatzeitung mit auf die Alm, damit die beiden immer auf dem neuesten Stand sind.

Ende September ist dann die Almzeit zu Ende. Die Rinder werden feierlich nach Hause getrieben. Doch bis dahin freuen sich Sophie Frank und Anna Wurm auf jeden Besuch – dies haben sie auch an die Gattertür zu ihrer Alm geschrieben. Tine Limmer