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Kritische Worte zur Forstpolitik beim Vinzenzitag

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In der Generalversammlung des Holzknecht-Vinzenzivereins Ruhpolding ernannten Vereinsvorsitzender Georg Bichler (rechts) und Sepp Egger (links) Karl Schauderna, Franz Holzner und Adam Reiter (von links) zu Ehrenmitgliedern. (Foto: Burghartswieser)

Ruhpolding. Der im Jahre 1619 gegründete Holzknechtverein Ruhpolding, auch Vinzenziverein genannt, feierte zu Ehren seines Schutzpatrons den Vinzenzitag. In der Generalversammlung fand Vorstand Georg Bichler deutliche Worte zur Forstpolitik. Trotz errungener Erfolge seien noch weitere Verbesserungen für die Waldfacharbeiter erforderlich.


Zunächst fand in der Pfarrkirche St. Georg der Dankgottesdienst statt, zelebriert von Pfarrer Otto Stangl und musikalisch umrahmt von der Rauschberger Musikkapelle. Beim Kirchenzug wurde am Holzknechtdenkmal ein Latschengesteck zu Ehren der verunglückten und verstorbenen Holzknechte niedergelegt.

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Zu Beginn der Generalversammlung im Hotel Zur Post ließ Georg Bichler, das abgelaufene Jahr noch einmal Revue passieren. Der Verein habe sich an den kirchlichen und gesellschaftlichen Veranstaltungen beteiligt und die freundschaftlichen Verbindungen zum Köhlerverein Neukirchen gepflegt. Er hob besonders den Bergadvent im Holzknechtmuseum hervor, bei dem man für die gute Bewirtung der Besucher gesorgt habe.

Bichler betonte, dass man sich auch nach der Umwandlung des Holzknechtmuseumsvereins in einen Förderverein weiterhin im Holzknechtmuseum engagieren wolle.

Kritische Worte fand Bichler zu forstpolitischen Angelegenheiten. Er könne zwar mit Freude berichten, dass die von ihm geforderte Altersteilzeit ab 55 Jahren für Waldarbeiter wieder in einen sozialen Dialog eingetreten sei. »Mir scheint allerdings, dass der Preis zu diesem Beschluss relativ hoch ist, denn wir müssen bayernweit 150 sozialpflichtige Arbeitsplätze bei den Staatsforsten abtreten«.

Ein weiterer Erfolg sei, dass »uns ein Lehrling in Aussicht gestellt wird, wofür ich schon seit zehn Jahren kämpfe«. Seine Lehrzeit müsse er allerdings in Bad Tölz absolvieren, von Seiten der Zentrale sei aber die anschließende Übernahme im Forstbetrieb Ruhpolding bestätigt worden. In diesem Zusammenhang forderte er die verantwortlichen Vorgesetzten auf zu überlegen, die schon früher für »teures Geld in Ruhpolding ausgebildeten Lehrlinge wieder für den Forstbetrieb zu gewinnen«. In einem weiteren Appell forderte Bichler die Gewerkschaft vehement auf, sich baldmöglichst um die Gestellung des Werkzeuges und der Motorsägen einzusetzen. »Im Falle eines Preisrückganges der Holzsortimente würde man wahrscheinlich dieses Thema wieder rasch beenden«. In Sachen Energiepolitik würde sich der Vorsitzende von den Politikern zudem wünschen, mehr auf die heimische Wasserkraft zu setzen, statt »Steuergelder in teure Stromleitungen von Nord nach Süd zu investieren«.

Der Leiter des Forstbetriebes Ruhpolding, Paul Höglmüller, ging auf die Arbeit des Forstbetriebes ein, der nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch innerhalb der Bayerischen Staatsforsten besonderes Ansehen genieße. Dies sei auch dem Engagement und dem Selbstverständnis der Waldfacharbeiter und Förster zu verdanken. Besonders froh sei er, dass in den vergangenen acht Jahren kein einziger Arbeitsunfall zu verzeichnen sei, der bei den Mitarbeitern bleibende Schäden hinterlassen habe.

Dem verregneten Sommer sei es zu verdanken, dass nahezu keine Schäden durch Borkenkäfer zu verzeichnen sind. Weiters sagte er: »Bergholz ist gefragt wie schon lange nicht mehr. Holz ist der Rohstoff der Zukunft«. Darum sei dieser Rohstoff nicht nur in Bayern knapp. Ein weiterer Schwerpunkt sei die Erschließung fichtenreicher Bestände mit dem Ziel gewesen, dort durch waldbauliche Eingriffe und Verjüngung hin zum Bergmischwald, das Schadensrisiko zu senken.

Die Forstbetriebe Ruhpolding und St. Martin bei Lofer lehnen den Ausbau des Skigebietes Heutal zur Anbindung des Dürrnbachhorns kategorisch ab. Weiters bestätigte Höglmüller, zentrales Ziel bleibe der Berg- und Schutzwald. Darum seine Forderung: »Wenn wir den Karren nicht an die Wand fahren wollen, muss der Bayerische Staatsforst Waldfacharbeiter einstellen«, denn das Durchschnittsalter liege bereits bei über 49 Jahren.

Bürgermeister Claus Pichler überbrachte den Dank der Gemeinde für die Aktivitäten des Holzknechtvereins und äußerte den Wunsch, dass dieser den Nachwuchs bekomme, der den Stolz der Holzknechte weiterträgt.

Nach dem Bericht des Schriftführers und dem Kassenbericht standen Ehrungen auf der Tagesordnung. Dabei wurden Franz Holzner, Adam Reiter und Karl Schauderna zu Ehrenmitgliedern ernannt. Sie erhielten aus der Hand des Vorsitzenden und seines Stellvertreters, Sepp Egger, die Ehrennadel mit Urkunde des Holzknechtvereins.

Bei der abschließenden Aussprache ging es zu forstpolitischen Themen noch einmal richtig zur Sache. Anderl Hofmann sagte, für ihn sei es nicht nachvollziehbar, warum die Staatsforsten von 80 Millionen Euro Gewinn nicht in die Nachhaltigkeit des Waldarbeiterbestandes investieren. »Wenn davon 30 Millionen in die Forstbetriebe für Forstwirte eingesetzt würden, könnte man sich Subunternehmer mit schlecht ausgerüsteten ausländischen Arbeitern, die für 3,50 Euro pro Stunde arbeiten müssen, sparen«.

Abschließend appellierte auch er für die bessere Nutzung der Wasserkraft, denn »Windräder in unserer Heimat brauchen wir nicht«. Einen schönen Ausklang fand der Vinzenzitag schließlich mit einem gemütlichen Beisammensein, das vom »Bergkristall- Echo« musikalisch umrahmt wurde. hab