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Kritik an Personalentscheidung von Touristikern und Grünen

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Heftiger Gegenwind für Landrat Hermann Steinmaßl: Die Grünen sowie der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (BHG) kritisieren die Personalentscheidung hinsichtlich der neuen Führung des Chiemgau-Tourismus. Wie berichtet, wurde Stephan Semmelmayr als neuer Geschäftsführer des Chiemgau-Tourismusverbandes ernannt – offensichtlich ohne eine Stellenausschreibung. Der derzeitige Geschäftsführer Michael Lücke will seinen Vertrag nicht verlängern.


»Ohne ernsthafte Ausschreibung«

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Geharnischt ist vor allem die Reaktion der beiden Vorsitzenden des BHG in den Landkreisen Traunstein und Rosenheim, Peter Stocker und Franz Bergmüller. Mit Erstaunen, so erklärt Stocker, haben die Leistungsträger im Tourismus des Chiemgaus zur Kenntnis nehmen müssen, dass Landrat Steinmaßl, der im nebenstehenden Kasten Stellung bezieht, im Alleingang einen neuen Geschäftsführer des Chiemgau-Tourismus gekürt hat; »ohne ernsthafte Ausschreibung; lediglich mit dem Abnicken der von ihm abhängigen Bürgermeister im Vorstand des Chiemgau-Tourismus.«

Stocker legt nach: »Wahrscheinlich wollte er als eine seiner letzten touristischen Amtshandlungen bevor er selbst abtritt seinen Fehler bei der Auswahl des vorherigen Geschäftsführers korrigieren.« Die Mitglieder des BHG seien unangenehm überrascht, dass ihre Forderung, den Geschäftsführerwechsel zu nutzen, um endlich die schon lange geplante Fusion zwischen den Tourismusorganisationen Chiemgau Tourismus und Chiemsee Alpenland zu einer schlagkräftigen Destination voranzutreiben, ignoriert wurde. »Statt das Gesprächsangebot der Leistungsträger aufzugreifen, wurden wir vor vollendete Tatsachen gestellt; als wäre der Umstand, Landrat zu sein, gleichzeitig der Ausweis allerhöchster touristischer Kompetenz«, kritisiert Stocker.

Man kenne Semmelmayr nicht näher und könne nur hoffen, dass er in der Lage ist, »den Spagat zwischen dem kommunalen touristischen Korsett und den Vorstellungen der Leistungsträger im Tourismus zu bewältigen«. Der BHG hoffe zudem, dass die Zusammenarbeit mit dem Verband Chiemsee Alpenland auf eine neue und ehrliche Basis gestellt werde und die touristisch notwendige Fusion der zwei Verbände zur Destination Chiemgau Chiemsee Alpenland mit Nachdruck auch vom künftigen Geschäftsführer betrieben werde.

Verwundert ist man auch bei der Kreistagsfraktion von Bündnis 90 /  Die Grünen über die Art und Weise der Neubesetzung der Geschäftsführerposition. Die Fraktion habe gehofft, dass zunächst die Stärken und Schwächen der bisherigen Arbeit analysiert würden und erst danach über eine öffentliche Stellenausschreibung eine geeignete Person gefunden wird, die die inhaltlichen Vorgaben erfüllt, heißt es in einer Stellungnahme der Grünen, die der Redaktion vorliegt..

Gemeinsame GmbH hätte gegründet werden sollen

Wie der Vertreter der Grünen in der Vorstandschaft des Chiemgau-Tourismusverbandes, Willi Geistanger betonte, sei man mit der bisherigen inhaltlichen Arbeit der Geschäftsstelle zufrieden gewesen. Insbesondere die Schwerpunkte Radfahren, Wandern, Kultur und Gesundheitstourismus fanden Zustimmung.

Für Überraschung sorgte, wie Fraktionsvorsitzender Sepp Hohlweger betonte, dass offensichtlich der neue Geschäftsführer des Chiemgau-Tourismusverbandes, Stephan Semmelmayr, ohne eine Stellenausschreibung bestellt wurde. Bei einer so wichtigen Personalentscheidung sollte eine öffentliche Ausschreibung Standard sein. Das Vorgehen der Vorstandschaft kritisierte er als intransparent.

Kreisrat Hans Kern betonte, man hätte sich gewünscht, ähnlich wie bei der Fusion der Kreiskliniken Traunstein und Berchtesgadener Land, zunächst für die Tourismusverbände Chiemgau und Chiemsee Alpenland eine gemeinsame Management-GmbH zu gründen, um die Fusion der Verbände zu beschleunigen. Innerhalb der GmbH hätten die beiden Verbände im operativen Geschäft zunächst ihre Selbstständigkeit behalten können. Schritt für Schritt hätte man die Fusion einleiten können.