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Kritik am Abschussplan der Unteren Jagdbehörde

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Traunreut – Dass zur Jagd mehr gehört, als das Aufspüren und Erlegen von Tieren, weiß Jagdpächter und Waldbesitzer Franz Wolfertstetter seit seiner frühesten Jugend. Für einen Jäger sei es etwa sehr wichtig, dass er die Zusammenhänge der Natur erkennt, sagt er. Denn Jäger kümmern sich auch um Wildlebensräume in ihren Revieren und tragen somit zum aktiven Naturschutz mit bei. Dem passionierten Jäger aus Oderberg ist auch nicht entgangen, dass sich der Wald insgesamt in den vergangenen 20 Jahren beachtlich erholt hat. Deshalb ist für ihn nicht nachzuvollziehen, dass die Untere Jagdbehörde am Landratsamt den Abschussplan für Rehwild im Traunwalchner Revier I erhöhen möchte. »Die Erhöhung des Abschussplans grenzt an Schädlingsbekämpfung und Ausrottung des Rehwilds«, kritisiert der Jagdpächter.


Hat das Rehwild in unserer Gesellschaft keinen Platz mehr? Wird der Jäger dazu gezwungen, ein jedes in Schussnähe stehendes Stück Rehwild zu erlegen? Das sind Fragen, die sich der 76-Jährige stellt. Die Jägerschaft habe nicht nur die Eigenverantwortung für den Wald. »Wir haben es auch für das Wild«, betont Wolfertstetter. In seinem 370 Hektar großen Revier sei der in den vergangenen Jahren seitens des Landratsamts ohnehin stetig erhöhte Abschussplan immer erfüllt worden. »Amoi muass g'langa«, findet er darum.

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Behörde stützt sich auf Verbissgutachten

Der Vorschlag des Vorstands der Jagdgenossenschaft Traunwalchen, Johann Wimmer, den Abschuss des Dreijahresplans in seinem Revier nicht zu erhöhen, sei von den Behördenvertretern bei einer Waldbegehung aber nicht akzeptiert worden, beklagt Wolfertstetter. Die Untere Jagdbehörde stütze sich dabei auf das jüngste Verbissgutachten. Bei der Begehung sei man zu dem Entschluss gekommen, den Abschuss erneut zu erhöhen. »Uns sind die Hände gebunden. Wir haben keine Chance, uns dagegen zu wehren«, bedauert Wolfertstetter.

Auf Nachfrage teilte der Pressesprecher des Landratsamts Traunstein, Roman Schneider, schriftlich mit, dass die Untere Jagdbehörde derzeit im Zuge der Rehwild-Abschussplanung für den Dreijahreszeitraum 2016 bis 2019 Gutachten des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Traunstein zur Verbisssituation in den einzelnen Jagdgenossenschaften einhole. Insgesamt 201 Jagdgenossenschaften im Landkreis Traunstein seien aufgefordert worden, Abschussplanvorschläge einzureichen.

Sofern der Abschussplanvorschlag nicht der Abschussempfehlung aus dem Verbissgutachten entspreche, erfolge eine amtliche Waldbegehung mit dem Jagdbeirat und einem Vertreter des Landratsamts, dem Jagdberater vom AELF Traunstein, dem Jagdpächter und dem Jagdvorsteher. Das Landratsamt führe derzeit für 21 Reviere amtliche Waldbegehungen durch. Zum weit überwiegenden Teil seien bislang dabei einvernehmliche Lösungen erzielt worden.

Weiter heißt es in der Presseerklärung: »Enthält die revierbezogene Einzelaussage des AELF die Empfehlung 'Abschuss erhöhen', so soll die Erhöhung sich im Bereich von 10 bis 20 Prozent gegenüber dem bisherigen Ist-Abschuss bewegen.« Ein besonderes Augenmerk liege auf solchen Jagdgenossenschaften, bei denen bereits mehrfach hintereinander eine erhöhte Verbissbelastung festgestellt worden sei. Zwar habe sich der Zustand in dem Revier insgesamt gegenüber 2012 gebessert. »Dennoch sind weiterhin Entmischungsprozesse bei Tanne, gebremste Höhenentwicklung und Qualitätseinbußen bei Edellaubhölzer und sonstigen Laubhölzern festzustellen. Verbiss zu hoch«, heißt es im Verbissgutachten.

Verbissbelastung war viermal hintereinander zu hoch

Die Jagdgenossenschaft Traunwalchen I habe in ihrem Vorschlag die üblicherweise geforderte Abschusserhöhung unterschritten, so das Landratsamt. Die Verbissbelastung sei viermal hintereinander zu hoch gewesen. Daher sei eine amtliche Waldbegehung durchgeführt worden. Aufgrund der vorgefundenen Verbisssituation sei man zu einem einstimmigen Ergebnis gelangt, eine Erhöhung des bisherigen Abschusses von 97 Stück aus dem Dreijahreszeitraum 2013 bis 2016 auf 105 vorzunehmen. Außerdem sei die Vorgabe aufgenommen worden, dass der bisherige Abschuss nicht unterschritten werden dürfe.

Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte Wolfertstetter, dass die Jagd schwieriger geworden sei. Das Reh sei zum Nachttier geworden. Ständige Störungen und Gefahren, denen das Rehwild ausgesetzt sei, etwa durch die Verfolgung eines Hundes, führten zu mehr Energieverbrauch. Dieser erhöhte Energieverbrauch müsse durch Nahrungsaufnahme ausgeglichen werden, was im Wald zu mehr Verbissschäden führe.

Durch sein naschhaftes Äsungsverhalten ist das Rehwild in die Kritik geraten. Durch das Fressen der Triebe von Bäumen und Sträuchern kann das Pflanzenwachstum eingeschränkt werden. Besonders wenn es sich um Wipfeltriebe handelt. Dafür den Jäger verantwortlich zu machen, weist der Jagdpächter zurück: »Man kann nicht den Jäger als Sündenbock hinstellen, wenn bei dem einen oder anderen Waldbesitzer der Wald nicht so richtig aufwächst.«

Als Waldbesitzer verfolgt Wolfertstetter auch die Diskussion um einen standortgerechten Waldumbau. Dieser lasse sich seiner Einschätzung nach nicht kurzfristig, sondern frühestens in einer Baumgeneration verwirklichen. So sollen aufgrund der klimatischen Erwärmung nur noch Tannen und Laubholz gepflanzt werden, weil die Fichte angeblich den Anforderungen der Klimaerwärmung nicht standhalte. Weil Hitze Schädlinge für alle Bäume begünstigt, sollte der Waldbesitzer seiner Meinung nach immer selbst entscheiden, was er anpflanzen möchte. ga