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Krippenbauer Konrad Brunner über die Schulter geschaut

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Konrad Brunner beim Reparieren einer Krippenfigur in seiner Werkstatt. Hier im Keller seines Hauses an der Lindenstraße werkelt der passionierte Krippenbauer am liebsten allein. Für unsere Adventsserie öffnete er jedoch die Tür und gewährte Einblick in sein Reich der Fantasie.
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Landschaften und Häuser mit viel Liebe zum Detail sind das Markenzeichen der Krippen von Konrad Brunner.

Traunstein. »Hier herunter bin ich am liebsten allein. Da kann ich keinen brauchen«, sagt Konrad Brunner und werkelt mit einer Klebepistole an einer selbst gebastelten Krippenfigur, deren rechtes Bein abgebrochen ist. In letzter Zeit steigt er die Stiegen zum Keller seines Hauses an der Lindenstraße in Traunstein aber meist nur noch hinunter, um Reparaturarbeiten zu erledigen. Seit er im Ruhestand ist, hat er rund 40 Krippenlandschaften gebaut und dafür pro Objekt bis zu 600 Stunden aufgewendet. Seit drei Jahren hat er sich an keine neue Krippe mehr herangewagt – nicht, weil er keine Ideen mehr hätte, sondern weil in seinem Reihenhäuschen einfach kein Platz mehr war.


Heuer aber konnte Brunner 15 Krippen auslagern. Sie werden die nächsten 15 Jahre in einer Dauerausstellung im Schusterhof auf dem Schellenberg bei Bergen zu sehen sein. Im Keller ist wieder Platz und den rüstigen Pensionisten juckt es bestimmt wieder in den Fingern, auch wenn er es nicht direkt zugibt.

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Brunner stammt aus einem Bauernhof in Schwindegg im Landkreis Mühldorf und kam vor 50 Jahren nach Traunstein, wo er zuletzt stellvertretender Leiter der Kriminalpolizei war. Als er krankheitsbedingt in den Ruhestand verabschiedet wurde, suchte er nach einer Beschäftigung. Zuerst waren es Videofilme, die er in seiner Freizeit drehte. Dann erinnerte er sich eines Tages an seine Kindheit vor dem Krieg, als er und seine Brüder die Eltern im Advent immer wieder mit der Frage nervten, wann sie denn endlich die Krippe aufstellen dürfen. Und so kam es, dass sich der Vater von drei Töchtern daran machte, es selbst mit dem Krippenbauen zu versuchen.

Als Bauerssohn hatte er das handwerkliche Geschick und zeigt stolz auf das Mobiliar in seinem gemütlichen Haus, das er zum größten Teil selbst geschreinert hat. Bereits bei seiner ersten Krippe war ihm klar, sie sollte urig-alt aussehen. Dem blieb er bei allen weiteren treu. Keine gehobelten Brettchen, sondern Schwemmholz vom Chiemsee oder verwitterte Bretter von zusammengefallenen Torfhütten sind das Material, aus dem seine Krippengebäude sind. Auch Lack und Farbe braucht er nicht für seine Minibauwerke.

Gleich bei der ersten Krippe gab es damals, 1990, ein Problem: die Figuren. »Beim Holzschnitzer hätte eine um die 50 Mark gekostet; mindestens zehn hätte ich gebraucht – zu teuer«, erzählt Brunner. Da traf es sich gut, dass er in einer Krippenausstellung in Salzburg Figuren aus Ton gesehen und abfotografiert hatte. Im Dentallabor Aichhorn beschaffte er sich Ton, aus dem er seine ersten Figuren modellierte – mit einem alten Küchenmesser und Zahnstocher als Werkzeuge. Dutzende Male habe er die Lehmkugel wieder zusammengebaazt, bis er es irgendwann einmal schaffte, ihr ein menschenähnliches Antlitz zu geben (»aber eher wie ein Neandertaler«, fügt er scherzhaft an).

1991 las er dann im damaligen Traunsteiner Tagblatt von einer Krippenausstellung, die in der Städtischen Galerie stattfinden sollte. Hier stellte er seine erste Krippe aus und bekam so viel Zuspruch, dass er sich den Bau einer weiteren vornahm. Dabei blieb es aber nicht. »Ein Pfarrer wollte mir die Krippe in der Galerie gleich abkaufen; der Pfarrgemeinderat hat ihm aber das Geld nicht bewilligt«, erinnert sich Brunner.

Zwei Jahre später bei der nächsten Krippenausstellung steuerte Brunner zwei Exponate bei. Weil die Stadt Traunstein dem Verein für Krippen und religiöse Volkskunst die Galerie kostenlos zur Verfügung stellte, revanchierte sich Brunner damit, die Stadtkrippe zu renovieren. Die wurde Jahr für Jahr während des Christkindlmarktes auf dem Traunsteiner Stadtplatz ausgestellt. Brunner bekam zufällig mit, wie zwei Mädchen vor dieser Krippe standen und das eine zum anderen sagte: »Da ist ja jedes Jahr das gleiche drin.« Die Kinder hatten nicht unrecht, dachte sich Brunner: Ein winziges Häusl und ein paar wenige Figuren – mehr war nicht drin in der Krippe.

In Absprache mit den Verantwortlichen der Stadt, Toni Eckart und Manfred Bulka, stellte er 1994 zwei seiner Krippen in den Stand. Die zwei Mädchen hatten seinen Ehrgeiz geweckt und seither baute er jährlich zwei neue Krippen. Er verfeinerte die Technik kreierte für seine Tonfiguren Gewänder und schaffte es bald, dass seine »Neandertaler« im Lauf zu hübschen Figuren mutierten.

Brunners Krippen sind so schön und mit so vielen liebevollen Details ausgestattet, dass sie weit über die Grenzen Traunsteins hinaus gefragt sind. Sie wurden schon im Carolino Augusteum in Salzburg gezeigt, in Linz, in Italien, in Südfrankreich und in Traunsteins englischer Partnerstadt Haywards Heath. Jedes der kleinen Kunstwerke zeigt eine andere Landschaft. Die Anregungen hat sich Brunner bei seinen Reisen mit dem Wohnwagen quer durch Europa geholt. Einmal ist die Puszta Schauplatz für das Geschehen um die Heilige Nacht, einmal Ostfriesland oder der Schwarzwald, ein anderes Mal eine Torfhütte im Moor.

Wie eingangs schon gesagt: Die Tür zu Brunners Werkstatt bleibt für Außenstehende verschlossen. Wer seine Kunstwerke bewundern will, kann das am besten in der Dauerausstellung im Schusterhof auf dem Schellenberg bei Bergen, wo neben den Kunstwerken aus der Lindenstraße in Traunstein auch einige andere Krippen ausgestellt werden. Klaus Oberkandler