weather-image
20°

»Krieg in aller Welt ist die traurige Realität«

5.0
5.0
Bildtext einblenden
81 Fahnenabordnungen aus dem gesamten Chiemgau zogen auf der Kampenwand zur Kriegerkapelle »Maria – Königin des Friedens« oberhalb der Steinlingalm. Sie erfüllten damit ihre seit über sechs Jahrzehnten selbst gesetzte Kameradenpflicht gegenüber den Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege. (Foto: Rehberg)

Aschau – »So ähnlich wie ich euch heute an diesem Ort unter dem Gipfelkreuz der Kampenwand sehe, muss auch Jesus die vielen Männer, Frauen und Kinder gesehen haben, als er seine Bergpredigt hielt«, so Dekan Josef Reindl aus Amerang, der den Gedenkgottesdienst für die Gefallenen des Chiemgaus auf der Kampenwand zelebrierte. Er unterbrach extra seinen Urlaub, um diesen Gottesdienst feiern zu können.


»Der Zweite Weltkrieg ist für uns alle weit weg, aber der ersehnte Frieden ist nicht eingekehrt – Krieg in aller Welt ist die traurige Realität. Krieg ist keine Sache der Vergangenheit, Nationalismus und falsch verstandene Religiosität fachen immer neue Konflikte an, Flucht und Vertreibung sind allgegenwärtig und sind für uns jeden Tag greifbar. Wir müssen uns dieser Herausforderung täglich stellen«.

Anzeige

Bürgermeister Augustin Voit aus Amerang erinnerte an die Opfer der beiden großen Kriege des letzten Jahrhunderts, die auch nach 70 Friedensjahren in der Bevölkerung stets präsent seien. »Denken wir an unsere Menschen hier aus dem Chiemgau, aber auch an die vielen Menschen in den Kriegsgebieten in aller Welt, die bei uns jetzt Schutz und Zuflucht suchen«, so der Geistliche weiter. Ein besonderes Gedenken gelte einem der Schöpfer des Chiemgaukreuzes, Franz Schaffner aus Höslwang, und dem Ehrenvorsitzenden der IG Rosenheim, Günter Altmann.

Die Gemeinde Amerang richtete in diesem Jahr die 64. Gedenkveranstaltung zu Füßen des Kampenwandkreuzes aus. Die Heimkehrer aus den großen Kriegen des 20. Jahrhunderts sahen als erstes die heimischen Berge wieder. Als äußeres Zeichen des Zusammenhalts und des Erinnerns bauten sie das Gipfelkreuz auf den Ostgipfel der Kampenwand, des markantesten Berges im Chiemgau.

Am 26. August 1951 wurde es eingeweiht. Seitdem ist der Gedenktag auf den letzten Sonntag im August festgelegt. Das »Chiemgaukreuz« ist mit zwölf Meter Höhe und 54 Zentnern Gewicht das größte eiserne Gipfelkreuz in den Bayerischen Alpen. Bronzene Gedenktafeln erinnern an die Gefallenen und Vermissten von 58 Gemeinden rund um den Chiemsee aus den Landkreisen Traunstein und Rosenheim.

Zum 64. Mal trafen sich die Veteranen- und Traditions- vereine aus dem Chiemgau zur Gedenkmesse für die gefallenen und vermissten Soldaten der Region. Die Gedenkwallfahrt ist noch nie ausgefallen und wurde bei jedem Wetter durchgeführt: zum ersten Mal nach sieben kalten und windigen Jahren begrüßte die strahlende Sonne die zahllosen Gottesdienstbesucher am Berg. 81 Fahnenabordnungen aus dem gesamten Chiemgau fanden sich an der Kriegerkapelle »Maria – Königin des Friedens« oberhalb der Steinlingalm ein. Sie erfüllten damit ihre seit über sechs Jahrzehnten selbst gesetzte Kameradenpflicht gegenüber den Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege. Dazu kamen zahlreiche Ehrengäste aus der Politik und von den Verbänden.

Gemeinsam legten die beiden Vorsitzenden der Dachverbände der Veteranenvereine aus Rosenheim und Traunstein, Pius Graf und Michael Bernauer, einen Kranz zum Gedenken an die Gefallenen des Chiemgaus nieder. Musikalisch wurde der Gedenkgottesdienst von der Ameranger Dorfmusik und den Aschauer Alphörnern umrahmt. Die Gebirgsschützenkompanie Aschau unter der Führung von Hauptmann Hubert Stein schoss den Ehrensalut. reh