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Kreistag beschließt mehr Sozialberatung für Asylbewerber

Traunstein. Besondere Anerkennung zollten gestern im Kreisausschuss zum Thema »Asylbewerber« alle Redner den vielen ehrenamtlichen Helfern, die sich seit Jahren in den Gemeinschaftsunterkünften Grassau und Engelsberg um Flüchtlinge kümmern. Dort stehen den Asylbewerbern seit Oktober 2013 zusätzlich Sozialberater zur Seite.

Auch in kleinen Unterkünften sollen Profis ans Werk gehen

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Anders sieht es in den kleineren, dezentralen Unterkünften aus. Auch dort sollen künftig verstärkt »Profis« ans Werk gehen. Der Kreisausschuss gab gestern als »freiwillige Leistung« einstimmig 40 000 Euro für Sach- und Verwaltungskosten der Asylsozialberatungsstelle des Diakonischen Werks Traunstein für drei zusätzliche Stellen frei. Aktuell existieren lediglich 1,5 Stellen, davon je eine halbe für Grassau und Engelsberg.

»Der Zustrom an Asylbewerbern ist ungebrochen. Ihre Unterbringung, Versorgung und Integration stellen alle beteiligten Akteure, aber auch die Bevölkerung vor große Herausforderungen«, betonte Landrat Hermann Steinmaßl. Ende Januar 2014 befanden sich 463 erwachsene Flüchtlinge im Landkreis Traunstein – davon 226 in den Gemeinschaftsunterkünften in Engelsberg (98), Inzell (26) und Grassau (102 Personen). 237 Männer und Frauen lebten dezentral untergebracht, in Traunstein (18), Traunreut (14), Schnaitsee (12), Ruhpolding (75), Bergen (49), Inzell (20), Marquartstein (16) und Unterwössen (32 Personen). Mit etwa 750 zugewiesenen Asylbewerbern sei bis Ende 2014 zu rechnen.

Sie bedürften der Betreuung, um sich in dem für sie fremden Lebens- und Kulturkreis zurecht zu finden, hob Steinmaßl heraus. Vor allem im Norden des Landkreises seien weitere Unterkünfte erforderlich. Deshalb habe er die Bürgermeister angeschrieben, so der Landrat.

Robert Münderlein vom Diakonischen Werk Traunstein berichtete, bereits jetzt könne der große Beratungsbedarf nicht immer gedeckt werden. Die Asylbewerber seien zum Beispiel nicht über Gesetze in Deutschland informiert, hätten keine deutschen Sprachkenntnisse oder kämen mit falschen Erwartungen. Viele Menschen hätten traumatische Erlebnisse, Ängste und Schwierigkeiten auf der Flucht hinter sich.

»Die größte Hürde ist immer die Kommunikation.« Ziel der Sozialberatung sei, die Menschen in ihrem Leben innerhalb der Einrichtung und außerhalb zu stützen. Die Sozialberater könnten viele Dinge, zum Beispiel mit dem Landratsamt und anderen Behörden, telefonisch klären oder Sachleistungen koordinieren. Münderlein hob heraus: »Für den Landkreis sind die 40 000 Euro eine freiwillige Leistung. Zuständig wären eigentlich der Freistaat Bayern und der Bund.«

Deutliche Kritik an Land und Bund geäußert

Dieser Feststellung schlossen sich gestern mehrere Kreisräte an, ebenso dem Dank Münderleins an die ehrenamtlichen Helfer. Kritik an Land und Bund übte unter anderem Vizelandrat Josef Konhäuser, SPD: »Es geht nicht, die Leute in Pensionen abzusetzen und sie dann allein zu lassen. Wir kriegen die Aufgaben einfach aufs Auge gedrückt.«

Sepp Hohlweger, Bündnis 90/Die Grünen, begrüßte die Vernetzung der Aufgaben. Sozialberater könnten auch Konflikte besser bereinigen. Den Flüchtlingen zu helfen, forderte Heinz Wallner, Bayernpartei: »Das gehört zum christlichen Wertebild.«

Aus seiner Erfahrung als Arzt, der in Unterkünfte gerufen werde, informierte Dr. Lothar Seissiger, FW/UW: »Die Ausrüstung der Leute, etwa mit Winterkleidung, ist hervorragend. Deutsche Sprachkenntnisse gehören aber ebenfalls zur Konfliktlösung. Bei Untersuchungen habe ich oft ein extremes Problem. ‚Aua’ verstehe ich, sonst nichts.« Wie andere forderte er Geld vom Staat: »Wenn wir es nicht kriegen, sollten wir die Schrauben anziehen.«

Karl Schleid, CSU, ging weiter: »Wir sollten dem Bund symbolisch eine Rechnung für diese freiwillige Leistung schicken.«

Zum Thema »Übersetzungen« verwies Karl Kaditzky, CSU, auf Münderleins Vortrag: »Demnach klappt es in der Regel mit Englisch, Französisch und ein bisschen Radebrechen.« Franz Parzinger, CSU, vermisste »offiziell geförderte Sprachkurse«.

Für ehrenamtlich Tätige regte Helmut Kauer, ÖDP, an, sie mit der Ehrenamtskarte zu bedenken. Das sei einfach, entgegnete der Landrat. Nicht nur Vereine könnten ehrenamtliches Engagement bestätigen, auch Bürgermeister.

Der Vorsitzende des Diakonischen Werks Traunstein, Thomas Zugehör, zeigte sich dankbar für die Diskussion und die positive Entscheidung des Kreisausschusses. Sein Verband habe die Asylsozialarbeit des Landkreises übernommen: »Wir waren nicht sicher, ob das richtig war. Angesichts dieser Diskussion bin ich froh darüber.« kd