weather-image
18°

Kreativ zurück in den Alltag

0.0
0.0
Bildtext einblenden
In der Kreativgruppe der Tagesstätte gestalten die Teilnehmer unter Anleitung die unterschiedlichsten kleinen Kunstwerke. Ein Teil davon wird ab Mittwoch in der Jubiläumsausstellung zu sehen sein. (Foto: STE)

Traunreut. Im Oktober 1998 eröffnete in der Kantstraße die Tagesstätte für psychisch kranke und seelisch behinderte Menschen. Die Tagesstätte ist ein Teilbereich der sozialtherapeutischen Einrichtungen (STE) der AWO und bietet den Klienten aus dem nördlichen Landkreis Traunstein ein niedrigschwelliges Hilfsangebot. Am kommenden Mittwoch lädt die Tagesstätte anlässlich des 15-jährigen Jubiläums zu einem kleinen Fest ein.


Die Tagesstätte steht psychisch Erkrankten offen, die beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt noch weiterführende sozialpädagogische Unterstützung in Anspruch nehmen wollen, die selbstständig wohnen aber nicht arbeitsfähig sind und für die eine stationäre Betreuung nicht in Frage kommt.

Anzeige

Anlaufpunkt für alle Klienten ist das Café-Bistro Oase in der Kantstraße. Neben dem Café, in dem auch die Möglichkeit eines Arbeitstrainings gegeben ist, gibt es ein umfangreiches Gruppen- und Kursangebot. Je nach Vorliebe und Begabung können die Klienten hier künstlerisch kreativ sein, eine Fremdsprache erlernen, sich sportlich betätigen, gemeinsam spielen oder sich einfach nur entspannen.

Für viele regelmäßige Besucher der Tagesstätte ist es wichtig, eine feste Tagesstruktur zu erhalten. »Daheim fällt mir die Decke auf den Kopf, aber hier ist immer was los«, erklärt ein Klient, der seit mehr als zehn Jahren in die Tagesstätte kommt. Hier könne er einfach nur in Ruhe einen Kaffee trinken, jemanden finden zum Kartenspielen oder auch stundenweise mitarbeiten, was er regelmäßig tue.

Oft haben diese Menschen durch eine Erkrankung ihre Arbeit verloren und nicht selten auch den Freundeskreis, weiß Sozialpädagogin Karin Lorenz-Hallé aus Erfahrung. In der Tagesstätte finden sie Ihresgleichen, können sich bei Bedarf an die Sozialpädagogen wenden und mit Hilfe des Arbeitstrainings langsam wieder an eine regelmäßige Arbeit herangeführt werden.

Seit Öffnung der Tagesstätte in Traunreut sei der Zulauf ziemlich rasch angestiegen. Aus den anfangs 15 Klienten seien immer mehr geworden, die zu treuen Besuchern über Jahre wurden. Ein spürbarer Erfolg aus den 15 Jahren ist laut Karin Lorenz-Hallé die Tatsache, dass diejenigen, die über einen längeren Zeitraum kommen, deutlich stabiler wurden. Ohne die Begegnungen in der Tagesstätte würden manche psychisch Erkrankten zuhause vereinsamen, hätten nicht den Aufschwung, nach draußen zu gehen und etwas zu unternehmen.

Zum 15-jährigen Jubiläum feiert die Tagesstätte Montag und Dienstag intern mit Klienten und Ehemaligen. Eine öffentliche Vernissage gibt es am Mittwoch um 18 Uhr. Dabei werden Bilder, Skulpturen und andere Werke gezeigt, die im Rahmen der Kursangebote entstanden sind. Oft entdeckten nämlich die Erkrankten gerade in dieser Situation ihre kreative Ader, stellten fest, dass sie trotz Erkrankung auch Talente haben und etwas schaffen können. Ab 20 Uhr spielt am Mittwochabend dann die Gruppe »Luckys« zur Jubiläumsfeier und zum Tanz auf. mix