weather-image
22°

Krankenpfleger gewürgt

0.0
0.0

Mit seiner Unterbringung in der Psychiatrie wegen gefährlicher Körperverletzung endete der Prozess gegen einen psychisch behinderten 60-jährigen Rosenheimer am Landgericht Traunstein. Das hatte auch Staatsanwalt Andreas Alscher beantragt. Verteidiger Andreas Michel aus Rosenheim wollte die Unterbringung zur Bewährung ausgesetzt wissen.


Als die Bank die Zinsen für sein Festgeldkonto senkte, regte sich der 60-Jährige derart auf, dass das Amtsgericht Rosenheim im April seine einstweilige Unterbringung in Gabersee veranlasste und ihm eine Betreuerin zur Seite stellte. Im Bezirksklinikum war der Mann aggressiv, desorientiert und verwirrt.

Anzeige

Nachdem er die vierte Nacht nicht geschlafen hatte, nahm er in den frühen Morgenstunden des 25. April einen 34-jährigen Pfleger minutenlang in den »Schwitzkasten«. Das Opfer erlitt ein Würgetrauma mit Einblutungen an Augen und Wangen, ein Würgemal am Hals und Hautrötungen. Irgendwie schaffte es der Krankenpfleger, den Notalarmknopf zu drücken. Ein Kollege befreite ihn. Eine Sachverständige attestierte dem 60-Jährigen ohne Behandlung erhebliche Wiederholungsgefahr und eine Gefahr für die Allgemeinheit.

»Sie haben Glück, dass der Pfleger noch lebt«, hob der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung heraus. Der Beschuldigte habe krankheitsbedingt nicht die Einsicht über sein Handeln gehabt. Deshalb habe die Kammer die Unterbringung bejaht. In der Vergangenheit sei er trotz seiner Medikamente aggressiv geworden – »wenn die Bankzinsen sinken oder seine Zigaretten weg sind.« Er sei freundlich und angepasst, wenn sein Wille erfüllt werde, ansonsten durchaus fordernd. Der Verteidiger habe angeregt, Depotmedikamente zu geben. Damit sei das Problem nicht gelöst. Eine Depotbehandlung brauche monatelanger Vorbereitung. Darauf sei der Beschuldigte nicht eingestellt. Wenn der Medikamentenspiegel stimme, könne man über Bewährung reden. kd