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Konzepte für neue Bestattungsformen vorgestellt

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Als weitere Bestattungsform für den Traunreuter Waldfriedhof schlägt das Planungsbüro einen durchgängigen Urnenhof sowie zwei Gemeinschaftsgrabanlagen und eine Baumbestattung vor. Die Anlage soll im Anschluss an den Friedhofsbauhof am Eingang Münchner Straße situiert werden. Sie könnte in einem ersten Bauabschnitt umgesetzt werden.

Traunreut – Die Friedhofskultur verändert sich auch in der Stadt Traunreut. Während die Sargbestattungen immer weniger werden, sind die Urnenbeisetzungen in den vergangenen Jahren gestiegen. Wobei auch hier die Bestattungen in den Gräbern stagnieren und der Wunsch nach Urnenkammern und alternativen Bestattungsmöglichkeiten steigt. Immer mehr Leute wünschen sich eine anonyme Grabstätte oder ein Grabmal ohne Namensschild in Form einer Natur- oder Baumbestattung. Entweder sie wollen die Angehörigen nicht mit der Grabpflege belasten oder sie haben keine Familie mehr. Die Folge davon ist, dass die Friedhöfe in einem gewissen Wettbewerb stehen.


Aus diesen Überlegungen heraus hat das Landschaftsarchitekturbüro Grandl aus Traunstein im Auftrag der Stadt Traunreut ein Konzept für die städtischen Friedhöfe Traunreut und St. Georgen erstellt. Dabei hat Martin Grandl nach seinen Aussagen allein für den Traunreuter Waldfriedhof zwölf verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten für pflegefreie und attraktive Grabflächen untersucht. Im Traunreuter Friedhof besteht dringender Handlungsbedarf, zumal die rund 200 Urnenplätze in den Urnenwänden komplett belegt sind. Im städtischen Gottesacker in St. Georgen, in dem es bislang keine Urnenstelen oder dergleichen gibt, sollen künftig ebenfalls Alternativen zu Erdbestattungen geschaffen werden. Für die beiden Maßnahmen wurden im Haushalt 320 000 Euro eingestellt.

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Abstriche sind notwendig

Eine Kostenschätzung des Planungsbüros gibt aber Aufschluss darüber, dass dieser Betrag bei weitem nicht ausreichen wird. In der Bauausschusssitzung, in der die Entwürfe vorgestellt wurden, war sich das Gremium einig, das vorgegebene Budget nicht zu überschreiten. Deshalb wurde der Planer damit beauftragt, bis zur nächsten Bauausschusssitzung ein neues Kostenangebot vorzulegen. Das bedeutet, dass der Planer Abstriche machen muss, um das vorgegebene Budget einhalten zu können.

Ermöglicht werden könne das nur, wenn in St. Georgen nur das Nötigste umgesetzt werde und in Traunreut als erste Maßnahme ein Urnenhof und Gemeinschaftsgrabanlagen mit Baumbestattungen realisiert würden, sagte Grandl am Rande der Sitzung dem Traunsteiner Tagblatt.

Für den Traunreuter Waldfriedhof schlägt das Architekturbüro nach dem Friedhofbauhof am Eingang Münchner Straße einen durchgängigen Urnenhof mit sechs Urnenwänden vor. Die Betonkörper mit Natursteinverbindung sollen sich gestalterisch den bereits vorhandenen Wänden anpassen. In den insgesamt 126 Kammern könnten jeweils vier Urnen beigesetzt werden. In der Mitte des Hofes sollen zwei kleine Gemeinschaftsgrabanlagen angelegt werden. Die angrenzenden Bäume würden sich für eine Baumbestattungsanlage eignen. Die Kosten für diese Anlage liegen bei 225 000 Euro. Ohne großen Aufwand wären nach Angaben von Diplomingenieurin Karen Scholz vom Planungsbüro durch den vorhandenen Baumbestand und Gehölz-Flächen weitere Naturbestattungen möglich. Diese und weitere gestalterische Maßnahmen, sollen zunächst aus Kostengründen aber nicht umgesetzt werden.

Auf dem Friedhof in St. Georgen, auf dem es bislang noch keine Urnenwände gibt, stünde nach Angaben von Scholz jede Menge Fläche zur Verfügung. Auch hier werden eine Baumbestattung und ein Urnenhof mit zwei größeren und zwei kleineren Urnenwänden mit 72 Kammern für jeweils vier Urnen für möglich gehalten. Der Entwurf, der jetzt ebenfalls überarbeitet wird und sich auf das Notwendigste beschränken soll, enthält unter anderem auch Ruhebänke und eine Brunnenanlage. Ein Urnenhof am Eingang des Friedhofes, in dessen Bereich auch eine Aussegnungshalle und eine WC-Anlage wünschenswert seien, könnte sofort umgesetzt werden, sagte Scholz. Wie wiederholt berichtet, wurde in der Bevölkerung mehrfach der Wunsch nach einer Aussegnungshalle laut. Vermisst wird auch eine WC-Anlage.

Ritter: Vorgegebenen Kostenrahmen einhalten

Hier hakte Bürgermeister Klaus Ritter mit Nachdruck ein: »Eine Aussegnungshalle ist im Moment überhaupt kein Thema«, betonte er und plädierte dafür, den vorgegebenen Kostenrahmen einzuhalten. Er rechnete vor, dass sich die geschätzten Kosten nach den vorliegenden Entwürfen pro Friedhof bei circa 225 000 Euro bewegen würden. Rechne man die Kosten für eine Aussegnungshalle dazu, sei man bei einer Million Euro. »Das ist nicht das Ziel. Es fuchst mich, dass wir so teuer werden.« Auch Paul Obermaier (FW) warnte davor, die Kosten aus dem Ruder laufen zu lassen. »Wir müssen überlegen, wie wir mit dem Budget zurecht kommen.« Eine klare Haltung bezog er zur Gestaltung in St. Georgen. Urnenbeisetzungen sollten schon ermöglicht werden. Es soll aber »möglichst grün bleiben und eine Urnenwand passt da nicht hin«, so Obermaier. Sepp Winkler (Bürgerliste) forderte grundsätzlich einen anderen Entwurf für St. Georgen. »Eine Planung, die zum Friedhof passt.« Er könnte sich zum Beispiel eine Gemeinschaftsgrabanlage vorstellen. Angesichts der Planungskosten schlug er vor, die Gestaltung in St. Georgen selber in die Hand zu nehmen, also die Stadtverwaltung damit zu beauftragen. Diese Aufgabe über die Verwaltung abzuwickeln, sei aber aus zeitlichen Gründen nicht möglich, hieß es.

Dass auf dem Friedhof in St. Georgen auch alternative Bestattungsformen gewünscht werden, wurde in einem Schreiben der Familie Erler zum Ausdruck gebracht. Es wäre schön, die Bestattungen um Urnenstelen oder Baumgräber zu erweitern, heißt es in dem Schreiben. Noch zu Lebzeiten eine Grabstätte zu pachten, wie von der Familie gewünscht, sehe die Traunreuter Friedhofsordnung nicht vor, sagte Ritter. Ein Beschluss wurde nicht gefasst. Deshalb wird der Entwurf auch nicht in der Stadtratssitzung am kommenden Donnerstag behandelt. Zunächst soll ein neues Kostenangebot abgewartet werden. ga