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Konzept soll mit Anliegern besprochen werden

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Traunreut – In der Diskussion um die Sanierung des Platzes am Württemberger Hof (wir berichteten) kamen in der Stadtratssitzung Zweifel auf, dass die Anlieger auch mitziehen werden. Die Neugestaltung des Platzes und der angrenzenden Eigentumsflächen soll laut einer vorliegenden Kostenschätzung über 340 000 Euro kosten. Etwa 55 Prozent der betroffenen Fläche befindet sich in Privatbesitz, der Rest in städtischer Hand. Fördermöglichkeiten werden nicht in Aussicht gestellt. Bevor der Stadtrat eine endgültige Entscheidung trifft, soll das Konzept zunächst noch einmal mit den betroffenen Grundstückseigentümern und Hausgemeinschaften besprochen werden.


»Mich stimmt es nicht besonders euphorisch«

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Eine konkrete Aussage, mit welchen Kosten die Grundstücksbesitzer anteilsmäßig rechnen müssen, konnte der Architekt Professor Sören Schöbel-Rutschmann auf Anfrage des Gremiums zum jetzigen Zeitpunkt nicht treffen. Den Eigentümern sei aber schon mal eine »Hausnummer« genannt worden, erklärte der Architekt, der das Konzept, das er bereits in der Bauausschusssitzung präsentierte, jetzt auch dem Gesamtgremium vorlegte. Mit einer Ausnahme hätten sich die Bürger aber relativ entspannt gezeigt, sagte er. Ernst Biermaier (FW) begrüßte es zwar, dass der Platz wieder belebt werden soll, hatte aber große Bedenken, dass die Eigentümer auch finanziell mitziehen werden. »Mich stimmt es nicht besonders euphorisch, dass die Eigentümer die Kosten auch mittragen werden und können«, sagte Biermaier. Als problematisch findet er auch den im Konzept berücksichtigten Sandkasten. »Die Hunde gehen hier ein und aus. Das ist ein riesiges Problem.«

Steffi Gampert (CSU) konterte und verteidigte die Hundebesitzer, die in der Regel die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner auch entsprechend entsorgen würden. »Hundekot sollte kein Ausschlusskriterium für einen Sandkasten sein«, forderte die Hundebesitzerin. Auch der Architekt warnte davor, alles in Frage zu stellen. »Von vorneherein auf Nummer sicher zu gehen, da bin ich dagegen.« Zur Platzpflege und den Folgekosten erklärte er auf Nachfrage von Dr. Michael Elsen (CSU), dass keine außergewöhnliche Pflege notwendig sein werde. »Es wird nicht teurer, als wenn man ihn jetzt pflegen würde.«

»Wo Plätze sind, sind auch Menschen da, die was liegen lassen«, erklärte Günther Dzial (SPD). Deshalb schlug er vor, zum Beispiel den Hausmeister des Württemberger Hofes für einen kleinen Obolus damit zu beauftragen, ein Auge auf den Platz zu werfen.

Projekt wird wohl nicht gefördert

»Etwas mit Wasser zu machen«, wie Martin Czepan (Grüne) vorschlug, hätte ebenfalls eine Beaufsichtigung durch die Stadt zur Folge, betonte der Architekt. Nicht berücksichtigt sei die Stadttechnik (Abwasser, Trinkwasser), die im Zuge einer Umgestaltung des Platzes ebenfalls mit untersucht werden sollte.

Mit einer Förderung des Projekts sei nicht zu rechnen. Wie es hieß, habe man keine konkreten Förderprogramme ausmachen können, die bei diesem Projekt greifen würden. Der Stadtrat verständigte sich letztendlich einstimmig darauf, zunächst nochmal das Gespräch mit den betroffenen Anliegern zu suchen und sich erst dann auf ein Konzept festzulegen. Sollten die Anlieger nicht mitspielen, sei es durchaus möglich, dass dann nur eine Reparatur des Platzes rauskomme, sagte Bürgermeister Klaus Ritter.

Wie der Architekt eingangs erwähnte, orientiere sich die Umgestaltung stark an der ursprünglichen Planung und der noch erstaunlich gut erhaltenen Qualität des Platzes. Die Bodenbetonplatten könnten zum Großteil wieder verwendet und der vorhandene Baumbestand lediglich ergänzt werden. Auch die vorhandenen Stelen, die um weitere Leuchtstelen ergänzt werden könnten, sollen erhalten bleiben. Durch die Einbeziehung der Privatflächen in die Sanierung würden auch die Geschäfte und Läden davon profitieren. Das Konzept, das auch Sitzmöglichkeiten, ein Schach- oder Backgammonfeld sowie eine Pergola und einen Sandspielplatz beinhaltet, sieht auch eine Freifläche für ein Café vor, das sich dort ansiedeln könnte. Hier könnte auf Anregung des Architekten beispielsweise auch mit verschiebbaren Elementen gearbeitet werden, um gleichzeitig eine Wartezone für die am Württemberger Hof ansässigen Praxen anzubieten. Um die Sorge des Gremiums auszuschließen, die Schachfiguren könnten zweckentfremdet oder gar gestohlen werden, setzt Sören-Rutschmann auf das Vertrauen der Anwohner.

Der Württemberger Hof im Nord-Osten von Traunreut galt einst als angesehener Hotel- und Gaststättenbetrieb. Beim Bau des Gebäudes durch eine Bauträgergesellschaft 1968 wurde auch ein ansprechender Platz als Ruhepol für die Gäste und Treffpunkt der Bewohner angelegt. An diesem Platz haben aber die Zeichen der Zeit genagt und seit Jahren wird über eine bauliche Verbesserung diskutiert. Zuletzt wurden 2013/2014 im städtischen Haushalt 20 000 Euro für erste Planungen und Vermessungsarbeiten eingestellt und das Planungsbüro Schöbel-Rutschmann mit einer Untersuchung der Möglichkeiten und einer Umplanung des Platzes beauftragt. Dabei hatte sich jedoch herausgestellt, dass eine Umgestaltung ohne die Einbeziehung der unmittelbar angrenzenden Flächen anderer Eigentümer wenig Sinn mache.

Bedenken, dass die Anlieger mitziehen

Im Laufe des vergangenen Jahres wurde die Vorentwurfsplanung von Schöbel-Rutschmann mit dem Stadtbauamt abgestimmt und soweit konkretisiert, um mit den Eigentümern und Hausverwaltungen das Gespräch zu suchen. In der Sitzung des Bauausschusses vergangener Woche wurde das Konzept gegen die Stimme von Bernhard Seitlinger (CSU) abgesegnet. Er habe deshalb dagegen gestimmt, weil er Bedenken hatte, dass die betroffenen Anlieger auch mitziehen werden, so Seitlinger. Dass diese Bedenken berechtigt waren, zeigte die Diskussion in der Stadtratssitzung. ga