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Kontingentflüchtlinge statt Asylbewerber

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Bürgermeister Ludwig Entfellner zollte  Adelheid Meirer  Respekt  für ihre Auszeichnung mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens und überreichte ihr einen Blumenstrauß. (Foto: vom Dorp)

Unterwössen – Mit einer neuen Art der Flüchtlingsunterbringung hatten sich die Gemeinderäte in Unterwössen zu befassen. Schließlich signalisierte das Gremium Unterstützung und Kooperation bei der Aufnahme von syrischen Flüchtlingsfamilien in einer festgelegten Zahl in einem Übergangswohnheim. Diese Kontingentflüchtlinge durchlaufen kein Asylverfahren, dürfen sofort arbeiten und haben bereits eine befristete Aufenthaltserlaubnis sowie Anspruch auf Sozialleistungen.


Bürgermeister Ludwig Entfellner lobte den »offenen und sachlichen Informationsaustausch« zwischen der Regierung von Oberbayern und dem Landratsamt mit der Gemeinde über eine mögliche Umnutzung eines Mehrfamilienhauses am Niederfeldweg in ein sogenanntes Übergangswohnheim. Dabei hatte sich die Gemeinde nach seinen Worten von Anfang an zu einer kooperativen Zusammenarbeit bereit erklärt.

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Flüchtlinge bereits seit Sommer in Deutschland

Allerdings hatte Geschäftsleiter Thomas Müllinger »für die Akzeptanz in der Bevölkerung« die Regierung noch um weitere Informationen gebeten. Danach handelt es sich bei den Flüchtlingen um syrische Familien, die auf Vorschlag des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen ausgewählt worden und auf Einladung der Bundesrepublik bereits im vergangenen Sommer nach Deutschland gekommen waren. Seither waren die Familien behelfsmäßig in einem Münchner Hotel untergebracht.

Aufgrund ihres besonderen Status unterscheiden sie sich von »normalen« Asylbewerbern. So haben sie bereits eine Aufenthaltsgenehmigung und dürfen sofort einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Der Aufenthaltstitel gilt zunächst für zwei Jahre, kann aber verlängert werden, solange in ihrem Heimatland noch Krieg ist.

Das Mehrfamilienhaus am Niederfeldweg hat zwölf Wohnungen mit einer Nutzfläche von rund 800 Quadratmetern. Die Mietzahlungen und die Möblierung übernimmt die Regierung von Oberbayern.

Mittelfristig keine weiteren Unterkünfte vorgesehen

Nachdem Geschäftsleiter Müllinger um die Sicherstellung einer ausreichenden Betreuung der kaum deutsch sprechenden Kontingentflüchtlinge gebeten hatte, hat die Regierung von Oberbayern zwei Halbtagesstellen für einen Hausmeister und eine Verwaltungsleitung für das Wohnheim zugesagt. Zuvor hatte Müllinger eine Unterstützung nach Kräften von Ehrenamtlichen im vorhandenen Helferkreis angeboten. In diesem Zusammenhang informierte der Geschäftsleiter das Gremium über die Aussage der Regierung, »dass mittelfristig in Unterwössen keine weiteren Unterkünfte vorgesehen sind«.

Laut Bürgermeister Entfellner hat die Regierung von Oberbayern das Mehrfamilienhaus für zehn Jahre mit der Option auf Verlängerung von Dr. Franz Hauk gemietet. Der Hauseigentümer, der mit etlichen Hilfsprojekten besonders in Afrika unterwegs ist, räumte zwar höhere Einnahmen als bei einer »normalen Vermietung« ein, betonte aber gleichzeitig, dass es ihm primär nicht ums Geld gehe. Deshalb wolle er mit den Mehreinnahmen die Fördervereine in Unterwössen unterstützen. Das neue Konzept der Kontingentflüchtlinge bewertete Hauk als »ausgereifter und durchdachter« als bei der ersten Flüchtlingsunterbringung in Oberwössen im Gasthof zur Post im vergangenen Jahr.

Auch bei allen Gemeinderäten war die Resonanz auf die Belegung des Übergangswohnheims positiv. Vor allem die angemessene Betreuung der Menschen vor Ort und die sofortige Möglichkeit der Arbeitsaufnahme wurde als sehr sinnvoll bewertet. »Wir wollen gute Gastgeber sein, die Menschen einbinden und vernünftig miteinander umgehen«, so das Fazit von Bürgermeister Entfellner.

Bürgermeister Entfellner dankte Adelheid Meirer

Außerdem sprach Entfellner im Rahmen der Sitzung Adelheid Meirer Dank und Anerkennung aus. Die Gründerin des »Unterwössner Regenbogens« hatte die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für ihre außergewöhnliche Lebensleistung im Einsatz für Dritte von Jung bis Alt erhalten. bvd

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