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Kontaktbeschränkungen führen zu psychischen Belastungen

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In der Beratungsstelle des Kinderschutzbunds
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Foto: Monika Skolimowska/dpa/Symbolbild

In »normalen« Zeiten betreiben die Familienstützpunkte im Landkreis Traunstein Familienbildung und -beratung in Präsenzform. Zur Angebotspalette gehören etwa Vorträge zu erzieherischen Themen, offene Eltern-Kind-Treffs, Elternfrühstücke und erlebnispädagogische Veranstaltungen. Doch derartiges ist in »unnormalen Zeiten« wie der gegenwärtigen Corona-Pandemie nicht möglich. Derzeit halten die Stützpunkte in Trostberg, Traunreut, Tittmoning, Traunstein, Übersee und Ruhpolding den Kontakt zu »ihren« Familien vor allem online oder telefonisch.


Der Landkreis Traunstein ist in sechs Sozialräume aufgeteilt. In jedem dieser Gebiete gibt ein Familienstützpunkt Hilfestellungen. Die sechs Stationen sind in unterschiedlicher Trägerschaft, in Traunstein zum Beispiel ist die Caritas der Betreiber. Förderungen erhalten die Familienstützpunkte vom Freistaat Bayern und vom Landkreis Traunstein.

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Finanzielle Probleme in manchen Familien

Das für Ende 2020 geplante Jahrestreffen haben die Verantwortlichen der Familienstützpunkte im Landkreis Traunstein Corona-bedingt als Videokonferenz durchführen müssen. Im Austausch untereinander habe sich gezeigt – wie Laura Lockfisch von der Abteilung Presse und Kommunikation im Landratsamt die Ergebnisse zusammenfasst –, dass man an den einzelnen Standorten ähnliche Erfahrungen sammelte: Manche Familien, die sich an die Familienstützpunkte wendeten, hätten mit finanziellen Problemen zu kämpfen – etwa wegen Kurzarbeit oder Jobverlust. Außerdem seien insbesondere bei Jugendlichen psychische Belastungen infolge der Kontaktbeschränkungen spürbar. Daher sei es erforderlich, gut erreichbar zu bleiben.

Eine wichtige Informationsquelle ist weiterhin die Internetseite der Familienstützpunkte im Landkreis. Auf der Homepage kann man außer den Kontaktdaten der Familienstützpunkte auch Links zu Beratungs- und Hilfsangeboten für Menschen in Notsituationen und ebenso Tipps für ein gelingendes Familienleben im Lockdown finden. Je nach Jahreszeit werden die Spiel- und Bastelideen für die Corona-Zeit aktualisiert. Seit kurzem steht das Thema »Winter und Fasching« auf dem Programm.

Um »passgenau« auf die Bedürfnisse von Familien im Landkreis antworten zu können, starten die Familienstützpunkte zusammen mit den präventiven Diensten des Jugendamts eine E-Mail-Aktion: Wer Fragen zur Erziehung oder Familienleben   hat,    kann sich an familien@traunstein.bayern wenden. Alle E-Mails werden von pädagogischen Fachkräften beantwortet. Und auf Wunsch findet eine Weitervermittlung zu spezialisierten Beratungs- und Hilfseinrichtungen statt. Die Koordinierungsstelle des Familienstützpunkts ist auch telefonisch unter 0861/ 58-257 erreichbar.

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Dr. Alexander Lohmeier, der Leiter der Erziehungsberatung im Landkreis Traunstein, sagt, Eltern seien in Sorge, dass ihre Kinder aufgrund der sozialen Einschränkungen, die durch die Corona-Pandemie bedingt sind, in der Entwicklung ihrer Sozialkompetenz gefährdet sind.

Kinder in der Entwicklung beeinträchtigt

Mit den Familienstützpunkten arbeiten die Beratungsstellen für Eltern, Kinder und Jugendliche zusammen. Im Auftrag des Landkreises Traunstein betreibt der Caritasverband München und Freising die Erziehungsberatung. Der Wohlfahrtsverband hilft an vier Standorten im Landkreis: in der Hauptstelle Traunstein sowie in den Außenstellen Trostberg, Traunreut und Grassau.

In der Erziehungsberatung sammelt man in Corona-Zeiten ähnliche Erfahrungen wie in der Familienhilfe. Laut Dr. Alexander Lohmeier, dem Leiter der Erziehungsberatung im Landkreis Traunstein, sorgen sich Eltern, dass ihre Kinder aufgrund der sozialen Einschränkungen in der Entwicklung ihrer Sozialkompetenz gefährdet sind. Seinen Angaben zufolge beobachten sie auch Rivalität und Streit unter Geschwistern, die sich nicht mehr so einfach aus dem Weg gehen können.

Jugendliche hätten es anfangs oft noch ganz »spannend« gefunden, mit Homeschooling und Online-Gaming zuhause zu bleiben, so Lohmeier weiter. Doch mittlerweile seien sie angeödet. Laut dem Leiter der Erziehungsberatung leiden sie am meisten unter den Ausgangsbeschränkungen und dem Verbot, sich in der Gruppe zu treffen. Hilfskonstrukte wie Onlinepartys und soziale Medien könnten einen persönlichen Kontakt nicht auf Dauer ersetzen. »Zu uns kommen viele Jugendliche mit depressiven Verhaltensmustern, die Gefahr laufen, total abzuschalten und sich passiv den Medien hinzugeben.«

Medienkonsum zu begrenzen ist schwierig

Dass die Mediennutzung in Corona-Zeiten zunimmt, lässt sich laut Dr. Lohmeier nicht vermeiden. Im Lockdown setze man ganz bewusst und stimmiger Weise auf die digitale Ersatzbeziehung. Für frustrierte und selbst genervte Eltern sei es dann sehr schwierig, den Medienkonsum der Kinder zu begrenzen. »Ich glaube, erst nach der Pandemie gibt es viel aufzuarbeiten, was die 'Normalisierung' des Medienkonsums betrifft«, so Lohmeier. »Da werden Eltern sicher auch professionelle Hilfe durch die Erziehungsberatung oder die Jugendsuchtberatung der Caritas benötigen.«

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