weather-image
15°

Konrad Blank folgt Ernst Biermaier

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Ernst Biermaier (rechts) hat nach 16 Jahren sein Mandat bei den Freien Wählern im Traunreuter Stadtrat niedergelegt. Sein Nachfolger ist Konrad Blank. Der 57-Jährige übernimmt auch das Wirtschaftsreferat. (Foto: Rasch)

Traunreut – Nach 16 Jahren im Stadtrat hat Ernst Biermaier (FW) sein Mandat niedergelegt. In der jüngsten Stadtratssitzung wurde der 71-Jährige verabschiedet.


Als sein Nachfolger wurde Konrad Blank vereidigt. Der 57-jährige Metzgermeister wohnt in Traunreut und hat drei erwachsene Kinder. »Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit«, sagte der neue Stadtrat.

Anzeige

Bürgermeister Klaus Ritter würdigte das Engagement Biermaiers, der seit Beginn der laufenden Legislaturperiode auch Wirtschaftsreferent war. Dieses Referat übernimmt jetzt sein Nachfolger. Biermaier habe in den vergangenen 16 Jahren hohen und engagierten Einsatz bewiesen, lobte Ritter. Vor allem im Bereich einer wirtschaftlich orientierten Stadtentwicklung und zuletzt bei der Umsetzung eines Firmenleitsystems für die Industrie und den Handel.

Als Dank und Anerkennung überreichte ihm der Bürgermeister eine Ehrenurkunde und ein kleines Geschenk. Interessant, inhaltsreich und intensiv sei die Stadtratstätigkeit gewesen, sagte Biermaier. Zum Wohle der Stadt wünsche er dem Stadtrat eine weiterhin vertrauensvolle Zusammenarbeit. »Traunreut entwickelt sich weiter und gewinnt als Einkaufs-, Industrie- und Kulturstadt immer mehr an Bedeutung und an positivem Image.«

Biermaier blickt auf eine bewegte Zeit im Stadtrat zurück, in die unter anderem sein Austritt aus der CSU, die Gründung der neuen Gruppierung ABU und schließlich der Eintritt in die FW fiel.

Schon früh gesellschaftlich engagiert

Das gesellschaftliche Engagement des gebürtigen Traunsteiners hatte deutlich früher begonnen. Von 1966 bis 1971 war er Bezirksvorsitzender der Kolpingfamilien Rupertiwinkel, 1975 bis 1978 Vorsitzender der Jungen Union Traunstein und 1983 bis 1992 Elternbeiratsvorsitzender an der Volksschule St. Georgen, ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht München von 1990 bis 2003 und Beisitzer der IHK Traunstein von 1991 bis 2002.

Mit dem Ausscheiden von Hans Kneffel 2001 aus dem Traunreuter Stadtrat folgte Biermaier dann dem Ruf in die Stadtpolitik. Er war damals eigentlich beruflich stark gefordert als Geschäftsführer der Firma SCA in Traunreut sowie Verantwortlicher für bis zu acht weitere Standorte des Unternehmens. Im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt erinnerte er sich an die »anstrengende Zeit«: »Ich war damals laufend in Deutschland und Europa unterwegs, entsprechend schwierig war die Koordination der Termine.

In der Märzsitzung 2001 saß er schließlich erstmals für die CSU im Traunreuter Sitzungssaal und musste schnell lernen, dass dort die sprichwörtlichen dicken Bretter zu bohren waren: »Vom Geschäftsleben war ich gewohnt, schnelle Entscheidungen zu treffen. Im Stadtrat aber wird lang und breit alles wiedergekaut.«

Kaum war er zwei Monate im Gremium, stand dann die erste große Richtungsänderung an: Der von ihm und vielen anderen CSU-Stadträten favorisierte Bürgermeisterkandidat Michael Mollner verlor die parteiinterne Kandidatenkür gegen Franz Parzinger. Die Folge: Zehn von 14 CSU-Stadträten traten aus der Partei aus und gründeten die Aktive Bürger Union, die Michael Mollner zum Bürgermeisterkandidaten ausrief. Für Biermaier, der den zehn »Abtrünnigen« angehörte, und seine Mitstreiter wurden die lokalpolitischen Termine immer mehr: »Wir trafen uns dreimal die Woche, um die neue Gruppierung auf die Beine zu stellen.« Zudem nagten die langen Diskussionen an seinem Geduldsfaden.

ABU schloss sich 2009 den Freien Wählern an

Nachdem er 2008 in den beruflichen Ruhestand gegangen war, folgte 2009 politisch der nächste Richtungswechsel, die ABU schloss sich den Freien Wählern an: »Dafür gab es zwei Gründe: Zum einen die Einwohnerstruktur Traunreuts, denn bis heute ziehen per anno 1000 Leute aus Traunreut weg und wieder zu. Diesen jeweils zu erklären, wer die ABU ist, ist nicht machbar. Zudem hatten wir auf Kreisebene schon gut mit den Freien Wählern zusammengearbeitet, deshalb ist das so gewachsen. Daraus ist dann eine Erfolgsgeschichte geworden, denn nach fünf Jahren stellte die FW mit Klaus Ritter den Traunreuter Bürgermeister und hat großes Vertrauen in der Bevölkerung gewonnen.«

Biermaier, der von April 2003 bis Mai 2012 Vorsitzender von ABU und dann der Freien Wähler war, wurde im Mai 2014 Fraktionsvorsitzender der FW im Stadtrat und neuer Wirtschaftsreferent. Im Rückblick sieht er unter anderem das k1 als großen Imagegewinn für Traunreut, den Rathausplatz hätten sich die Freien Wähler anders vorgestellt, als die nun anstehende Pflasterung, die Rathauserweiterung sei notwendig und richtig gewesen, der neue Bauhof reiche hoffentlich für die kommenden 50 Jahre und die neuen Kindertagesstätten seien wichtig. Gleichzeitig würden die neuen Kindergärten und Krippen aber auch die Personalkosten für die Stadt in die Höhe treiben, es müssten also wieder einmal die Kommunen die Folgekosten tragen, die nach dem Konnexitätsprinzip eigentlich der Staat leisten müsste.

Als wichtige Errungenschaften zählt Biermaier unter anderem zudem das neue Baugebiet Stocket, die neuen Gewerbegebiete, das Einkaufszentrum im Munapark und die Beschlüsse zur Osttangente auf. Mit der Einstellung des Stadtmanagers werde eine Herzensangelegenheit seiner Gruppierung erfüllt. Er bleibt auch bei der Ansicht, dass die Verlagerung der Stadtbücherei ins Trauna-Center richtig sei, weil die Stadt hier an der Aufwertung des Centers und geplanten Neugestaltung der Kantstraße aktiv mitgestalten könne. Ebenso ist er nach wie vor davon überzeugt, dass die Abschaffung der Ausbaubeitragssatzung richtig war, weil sie nicht in ganz Bayern angewendet werden muss: »Aber das Thema ist jetzt abgeschlossen und damit sollten die Diskussionen beendet sein.«

Weniger reden, schneller entscheiden

Apropos Diskussion: In seinen Augen sollte der Stadtrat weniger diskutieren und schneller entscheiden. »Mir fehlt dort das Tempo. Im Prinzip wollen wir alle die Stadt nach vorne bringen. Was wir brauchen, ist alles, was Traunreut attraktiver macht. Deshalb müssen wir die Zeit nutzen, in der Geld vorhanden ist. Es kommen auch wieder sieben magere Jahre. Die Wege der einzelnen Fraktionen können unterschiedlich, aber das Ziel muss dasselbe sein.« ga

Mehr aus der Stadt Traunstein
Einstellungen