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»Konflikte sind wieder näher an uns herangerückt«

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Ein besonderer Hingucker waren die Mitglieder des Krieger- und Soldatenvereins Otting aus dem Donauries mit ihren Ehrendamen – sie pflegen seit kurzem freundschaftliche Verbindungen mit den Ottingern aus dem Chiemgau. (Foto: Buthke)

Waging am See. Mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Stephanus und einer Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal gedachte die Krieger- und Soldatenkameradschaft Otting bei ihrem Jahrtag der gefallenen, vermissten und verstorbenen Mitglieder. Allererste Aufgabe eines Christen sei es, Frieden zu schaffen, hatte Pater Bernhard Lemmertinger zuvor beim Gedenkgottesdienst gemahnt.


Nach dem Totengedenken am Kriegerdenkmal, bei dem sich die Fahnen zum Lied vom »Guten Kameraden« senkten, zogen die Teilnehmer mit elf Fahnenabordnungen und der Musikkapelle Otting unter der Leitung von Josef Schreckenbauer an der Spitze zum Oberwirt, wo der Kriegerjahrtag in geselliger Runde ausklang. Vorstand Fritz Mayer begrüßte dabei die Krieger- und Soldatenkameradschaften aus Kammer (Patenverein), Traunwalchen und Waging sowie die Ortsvereine.

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Sein besonderer Gruß galt dem Krieger- und Soldatenverein Otting im Donauries mit ihrem Vorstand Arthur Müller, mit dem die Ottinger seit kurzer Zeit freundschaftliche Verbindungen pflegen. So waren die Ottinger aus dem Chiemgau zum Beispiel heuer beim 125. Jubiläum der Ottinger aus dem Donauries mit dabei. Bei ihrem Gegenbesuch hatten die schwäbischen Ottinger jetzt sogar ihren Bürgermeister Johann Bernreuther mitgebracht. Mayer freute sich, dass die Ottinger so zahlreich gekommen waren und regte eine Ortspatenschaft zwischen den Gemeinden Otting und Waging an.

Der Dritte Bürgermeister Christian Reiter meinte, der Kriegerjahrtag sei eine gute Sache, damit sich die Leute an all die wahren Begebenheiten, Schicksale und vor allem an die dahinter stehenden Menschen erinnerten und diese nicht in Vergessenheit gerieten.

»Wer begreift, was Krieg und Gewalt bedeuten, wird die Welt danach mit anderen Augen sehen«, betonte Reiter, denn er werde erkennen, dass sein Leben in unserem Land, das in Frieden lebe und die Menschenrechte wahre, ein Geschenk sei, das freilich eine Verpflichtung enthalte. »Denn ein Leben in Frieden und Freiheit ist nicht selbstverständlich und muss immer wieder von Neuem erarbeitet werden, gestern, heute und morgen«, sagte Reiter. Europa habe aus den Erfahrungen von Krieg und Gewalt Konsequenzen gezogen und eine lange Friedenszeit erlebt, weil es sich um Versöhnung und Annäherung bemüht habe.

Seit 1945 sei jedoch kaum ein Jahr vergangen, in dem nicht irgendwo auf der Welt Kriege und Kämpfe stattfänden oder Einzelne und Angehörige bestimmter Religionen unter einer Diktatur oder Gewaltausbrüchen litten. »Frieden, Freiheit und die Wahrung der Menschenrechte, das war und ist für viele kein selbstverständlicher Alltag, sondern ein oft unerreichbar scheinender Traum«, so der Dritte Bürgermeister.

Die Konflikte hätten sich verändert. Kriege zwischen Staaten seien von Bürgerkriegen abgelöst worden. Als neue weltweite Bedrohung sei der internationale Terrorismus hinzugetreten. »Doch diese Konflikte sind wieder näher an uns herangerückt. Deutsche Soldaten werden in Kampfgebiete geschickt, von denen leider schon zu viele gestorben oder schwer verletzt worden sind.«

Deshalb gedenke man an diesem Jahrtag der Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft, Flucht und Vertreibung sowie Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Man trauere um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, von Terrorismus und politischer Verfolgung sowie sinnloser Gewalt, die bei uns Schutz suchten. »Nicht zuletzt trauern wir mit den Müttern und mit allen, die Leid tragen, um die Toten«, schloss Reiter. Bjr