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Konflikte im direkten Kontakt lösen

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Die 62-jährige Heidi Heise, seit 1999 Leiterin der Fachstelle für »Täter-Opfer-Ausgleich« unter dem Dach des Diakonischen Werks Traunstein, ist neue Trägerin der »Medaille für Verdienste um die bayerische Justiz«. Landgerichtspräsident Dr. Rupert Stadler, Diakon Thomas Zugehör und Leitender Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese (von links) gratulierten der erfahrenen Mediatorin zu der hohen Auszeichnung. (Foto: Kretzmer)

Traunstein – Die Gründerin und Leiterin der Fachstelle für Täter-Opfer-Ausgleich unter dem Dach des Diakonischen Werks Traunstein, Heidi Heise, wurde von Bayerns Justizminister Winfried Bausback mit der »Medaille für Verdienste um die bayerische Justiz« ausgezeichnet. Leitender Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese, Landgerichtspräsident Dr. Rupert Stadler und Diakon Thomas Zugehör gratulierten der 62-Jährigen bei einer kleinen Feier im Justizzentrum Traunstein zu der hohen Ehrung.


Giese betonte: »Dem persönlichen Interesse, der Initiative und dem Engagement von Heidi Heise ist zu verdanken, dass die Fachstelle Anfang 1999 eingerichtet werden konnte. Von Beginn an hat Frau Heise den 1994 per Gesetz eingeführten Täter-Opfer-Ausgleich zu ihrer beruflichen Lebensaufgabe gemacht. Sie führt die Fachstelle bis heute gemeinsam mit einer Mitarbeiterin auf höchstem fachlichen Niveau.«

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Heidi Heise aus Seeon-Seebruck ist Pädagogin und Mediatorin im Strafrecht, wirkte darüber hinaus zweimal jeweils vier Jahre lang als Jugendschöffin beim Landgericht Traunstein. Nicht zuletzt aufgrund ihrer früheren Tätigkeit in der Jugendarbeit der Stadt Traunstein sei sie seit Langem als engagierte Persönlichkeit bekannt, würdigte Giese. In den 16 Jahren ihres Bestehens führte die für die Landkreise Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting und Mühldorf zuständige Fachstelle 3092 Verfahren durch, zumeist auf Initiative der Staatsanwaltschaft Traunstein. Im Jahr 2013 waren 200 Verfahren, davon 147 nach dem Erwachsenen- und 53 aus dem Jugendbereich, zu bewältigen. Schwerpunkt war der soziale Nahbereich.

Ziel eines Täter-Opfer-Ausgleichs ist nach Angaben von Frau Heise, zwischen dem Täter einer erheblichen Straftat und dem Opfer mit Hilfe eines neutralen Vermittlers einen Weg zum Frieden in Form einer schriftlichen Vereinbarung zu finden. Im Fall von außergerichtlichem Ausgleich und Versöhnung könne die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren sogar sanktionslos einstellen. Dazu Heidi Heise: »Im optimalen Fall übernimmt der Täter Verantwortung. Gleichzeitig wird das Opfer in seinen Bedürfnissen wahr und ernst genommen. Gemeinsam gefundene Lösungen führen im Idealfall zu dauerhafter Befriedung.« Die 62-Jährige dankte für das ihr und ihrer Arbeit entgegen gebrachte, allseitige Vertrauen.

Leitender Oberstaatsanwalt Giese betonte, Frau Heise gebe Tätern und Opfern die Möglichkeit, in direktem Kontakt Probleme fair zu lösen und schnelle Wiedergutmachung des Schadens zu erreichen. Heidi Heise habe zur Verankerung des Gefühls beigetragen, »dass das Strafrecht auch eine Befriedungsfunktion hat«. Im Vergleich zu anderen Landgerichtsbezirken in Bayern könne sich Traunstein mit den angegliederten Amtsgerichten in Sachen Täter-Opfer-Ausgleich durchaus sehen lassen, hob Präsident Dr. Rupert Stadler heraus. Wolfgang Giese schloss sich für die Anklagebehörde an. Gefragt nach dem Grund ihrer erfolgreichen Arbeit meinte Heise: »Eine Botschaft darf nicht von Mund zu Ohr gehen, sondern muss von Herz zu Herz gehen.« Das Nonverbale sei sehr wichtig. Das unterstützte Diakon Thomas Zugehör: »Man muss authentisch miteinander umgehen. Beziehung aufzunehmen, das ist eine Stärke von Frau Heise.« kd