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Komplette Säuberung des Chiemsees von Plastikmüll gefordert

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Traunstein – Bei ihrer gemeinsamen Fraktionssitzung befassten sich Freie Wähler und Bayernpartei mit Gewässern im Landkreis Traunstein. Susanne Trautwein und Fachbereichsleiter Dr. Martin Burger vom Wasserwirtschaftsamt klärten über Mikroplastik in Gewässern und die Gewässergüte im Landkreis auf. Ergänzend ließ Kreisrat Heinz Wallner sein Wissen als Chiemsee-Berufsfischer einfließen.


Erforschung von Mikroplastik noch ganz am Anfang

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Dr. Burger verdeutlichte, dass man bei der Erforschung von Mikroplastik in Binnengewässern noch ganz am Anfang stehe. Die unter fünf Millimeter großen Plastikteilchen seien bei einer Studie der Universität Bayreuth und des Landesamts für Umwelt in unterschiedlichen Mengen in allen oberbayerischen Gewässern gefunden worden. Im Chiemsee sind es 0,1 Teilchen je Quadratmeter. Hauptproblem sei chemisch zersetzter Plastikmüll. Die Risikobewertung stehe noch aus, noch seien keine Grenzwerte festgelegt. Selbst die Untersuchungsmethoden stünden noch ganz am Anfang: Die Teilchen würden visuell gezählt, was sehr zeitaufwendig sei. Eine spektroskopische Methode werde erst entwickelt. »Was das Mikroplastik für das Ökosystem bedeutet und ob es gefährlich ist, ist noch nicht abschließend erforscht«.

FW und BP sehen dennoch bereits dringenden Handlungsbedarf bei der Reinigung des Chiemsees. »Vor allem beim Hochwasser 2013 gab es einen massiven Eintrag von Kunststoffmüll«, erklärte Thomas Kamm, Bürgermeister von Siegsdorf. Alfons Baumgartner von der BP stellte klar: »Plastik ist ja aus Öl hergestellt, das kann nicht gesund sein.« Der Waginger Bürgermeister Herbert Häusl stimmte zu: »Schon der gesunde Menschenverstand sagt, dass Mikroplastik gesundheitliche Probleme verursachen kann.« Man solle die Gewässer schnell von großen Plastikteilen befreien, bevor sie sich zu Mikroplastik zersetzen und die Reinigung am Ende noch viel teurer sei.

Stellvertretender Landrat Andreas Danzer forderte, auch über Strände und touristische Gebiete hinaus alle Uferbereiche am Chiemsee regelmäßig zu säubern. Besonderer Brennpunkt sei die Hirschauer Bucht: »Ich habe den Eindruck, dass die dort nach massivem Druck erfolgte Reinigung nur zur Beruhigung der Öffentlichkeit erfolgt ist. Das war nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.« In der Kernzone und an deren Rand liege noch tonnenweise Müll: »Ich verstehe das nicht! Eine seeseitige Reinigung wäre hier ohne große Störung der Vögel leicht möglich!« Es müsse doch im Interesse des Naturschutzes sein, den Müll überall zu entfernen.

Heinz Wallner stimmte zu und betonte, dass man mit zehn Tagen alle zwei Jahre schon viel bewegen könne. Dr. Burger betonte daraufhin, für das Naturschutzgebiet mit Begehungsverbot sei die Naturschutzbehörde zuständig.

Beide Fraktionen waren sich einig, ihre politische Kraft für eine gründliche Reinigung der Gewässer von Plastikmüll einzusetzen – auch wenn dies sicher nicht ohne ehrenamtliches Engagement vonstattengehen könne, wie Kamm betonte.

Waginger See und zehn Flüsse verfehlen guten Zustand

Dann berichtete Susanne Trautwein über die Gewässergüte im Landkreis. Anhand alter Karten aus den 50er- und 70er-Jahren verdeutlichte sie zunächst, dass Flüsse und Seen damals teilweise hoch belastet und die Verhältnisse deutlich schwieriger gewesen seien. Seit im Jahr 2000 die Europäische Wasserrahmenrichtlinie in Kraft getreten sei, erfolge die Bewertung des ökologischen Zustands in fünf Stufen von »sehr gut« bis »schlecht«.

Von den vier Seen im Landkreis Traunstein, die größer als 50 Hektar sind, verfehle nur der Waginger See den guten Zustand wegen der erhöhten Nährstoffbelastung. Doch seien Maßnahmen ergriffen worden, um die Nährstoffeinträge zu reduzieren, beispielsweise durch Beratung der Landwirte. Häusl beklagte, die Kommunalpolitik sei hier im Regen stehen gelassen worden. Die See-Gemeinden hätten 2010 das kommunale Seenbündnis gegründet. Verbesserungen seien nur durch intensivste Verhandlungen mit dem Landwirtschaftsministerium erreicht worden. »Warum mussten wir als Bürgermeister das in die Wege leiten, und nicht das Amt?«, fragte er. Allerdings sei man auf einem guten Weg: 2014 sei im Hinblick auf den Phosphorgehalt das zweitbeste Jahr für den Waginger See in den letzten 30 Jahren gewesen.

Trautwein führte weiter aus, dass von den 23 Flüssen im Landkreis zehn den guten Zustand verfehlt hätten, was das Bewertungskriterium »Fische« betreffe. Oft versperrten Wehre ihnen den Weg zum Laichplatz. Um den Fischreichtum zu fördern, habe man Struktur und Durchgängigkeit zu verbessern begonnen. Als Beispiele nannte sie an der Traun den Rückbau des Traunsteiner Wehrs, die Fischaufstiegsanlage am Seiboldsdorfer Wehr oder die Beseitigung der Uferverbauung auf Höhe des Schwimmbads.

Siegsdorfer Projekt scheiterte am Wasserwirtschaftsamt

Thomas Kamm zeigte sich erschrocken von den negativen Bewertungen für Rote und Weiße Traun sowie Traun. »Ich habe gelernt, dass der Fluss eines der besten Gewässer für Fliegenfischen in Europa ist.« Er kritisierte, die Gemeinde Siegsdorf habe mit einem Wehrbesitzer Maßnahmen zur Strukturverbesserung und zum Hochwasserschutz umsetzen wollen, das Vorhaben sei aber am Geld und der Priorisierung gescheitert: »Das Wasserwirtschaftsamt hat nichts bewilligt!« Trautwein entgegnete, dass die Regierung von Oberbayern die Vorgaben für die Priorisierung von Maßnahmen setze. fb