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Kommunen bei Kitas auf dem richtigen Weg

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Stark erhöht hat sich der Bedarf an Krippenplätzen für unter Dreijährige. Ab 1. August ist der Rechtsanspruch für Kinder ab einem Jahr gesetzlich festgeschrieben

Kindertagesstätten gewinnen immer mehr an Bedeutung. Das war eine zentrale Aussage von Landrat Hermann Steinmaßl in der jüngsten Sitzung des Kreisjugendhilfeausschusses. Kindergärten würden seit langer Zeit beständig gut besucht, im Jahr vor der Einschulung zu fast 100 Prozent. Stark erhöht habe sich der Bedarf an Krippenplätzen für unter Dreijährige – wegen der steigenden Zahl Alleinerziehender, durch die stärkere Akzeptanz der außerhäuslichen Kinderbetreuung, die steigende Zahl an Doppelverdienern, aber auch durch den Rechtsanspruch auf Besuch einer Kita. Ab 1. August sei der Rechtsanspruch für Kinder ab einem Jahr gesetzlich festgeschrieben und könne erfüllt werden durch einen Platz in einer Kita oder in der Kindertagespflege bei einer Tagesmutter.


Fragebogenaktion wurde durchgeführt

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Bisher habe es für Kinder unter drei Jahren nur unter bestimmten Voraussetzungen einen Rechtsanspruch gegeben, zum Beispiel wegen Erwerbstätigkeit beider Eltern oder aus pädagogischen Gründen. Die Kommunen im Landkreis Traunstein hätten viel Geld in den Ausbau der Kinderbetreuung gesteckt. Heuer würden noch viele Einrichtungen, vor allem Kinderkrippen, fertig. Dabei habe sich der Landkreis nicht am bundesweiten Durchschnitt orientiert, sondern am tatsächlichen Bedarf. »Der Bedarf in München oder Berlin sieht einfach anders aus als bei uns.« Einzelheiten lieferte Herbert Tekles von der Gesellschaft für demografische und soziale Planungen.

Ergebnisse aus den Bereichen »Jugendarbeit« und »Hilfen zur Erziehung« stellte Dr. Tekles bereits vor (wir berichteten). Jetzt ging es um die Krippen. Eine Fragebogenaktion in den 96 Kindertagesstätten im Landkreis habe gezeigt, dass der Bedarf an Tagesangeboten gestiegen sei – trotz rückläufiger Kinderzahlen. Die meisten der rund 5000 Kinder unter sechs Jahren gingen in Kindergärten.

Für Kinder zwischen ein und drei Jahren – 2012 gab es rund 2800 von ihnen – herrsche enormer Bedarf an entsprechenden Plätzen. »Bisher existieren für diese Altersgruppe 600 Plätze. Der Bedarf wird in den nächsten Jahren auf über 1000 Plätze ansteigen.« Die Kommunen im Landkreis seien »auf dem richtigen Weg«. Zur Qualität von Kitas vergaben Eltern im Schnitt die Note 1,7. »Das ist ziemlich gut.« Auch das pädagogische Konzept habe gute Bewertungen erhalten.

Seit 2005 gibt es das Bayerische Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz, das zum 1. Januar geändert wurde. Ein Beispiel ist die Vorgehensweise in Sachen »Kinderschutz«, wie Dagmar König von der Kindertagesstättenaufsicht am Kreisjugendamt informierte. Neu sei auch die Regelung zu »Gastkindern«: »Eltern können frei entscheiden, in welcher Gemeinde sie ihr Kind betreuen lassen.« Zur finanziellen Entlastung der Eltern sei ein Zuschuss – des Staates an die Gemeinden zur Weiterleitung an den jeweiligen Kita-Träger – für das letzte Kindergartenjahr vor der Einschulung eingeführt worden.

In der Diskussion wurde mehrfach die geringe Bezahlung von Tagesmüttern kritisiert. Das sei wohl ein Grund dafür, dass sich zu wenig Frauen für diese besonders für den ländlichen Raum sehr bedeutsame Aufgabe zur Verfügung stellen, hieß es. Der erste Landkreis, der Tagesmütter installiert habe, sei Traunstein gewesen, erinnerte Landrat Hermann Steinmaßl. Idee sei, »dass Kinder dort betreut werden, wo schon Kinder leben«.

»Es geht um die Entwicklung von Kindern«

Durch den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz habe sich die Situation verändert. Immer mehr Kinder würden in professionelle Betreuung gegeben. Hausärztin Sabine Gräfin von Silva-Tarouca aus Übersee als Vertreterin des Kinderschutzbunds erhob Bedenken, zu kleine Kinder in Kitas zu geben. Ein Kompromiss müsse gefunden werden, der das Wohl der Kinder berücksichtige. Es gehe »nicht nur um Aufbewahrung, sondern um die Entwicklung von Kindern«. Der Landrat unterstützte »jedes Wort«.

Mit einem nur sehr kurzen Zwischenbericht ging Florian Amann vom Landratsamt auf ein Lieblingsprojekt des Landrats ein – die Aktion »Jedes Kind in einen Verein«. Erste Besprechungen mit den Bürgermeistern hätten bereits stattgefunden. Letzter Tagesordnungspunkt war ein Zuschuss an das Caritas-Zentrum Traunstein für die Erziehungs-, Jugend- und Elternberatung. Seit 2005 gleicht der Landkreis gekürzte staatliche Mittel durch einen Kreiszuschuss aus. Einstimmig und ohne Diskussion bewilligte der Ausschuss gestern für die Jahre 2012 und 2013 jeweils 5476 Euro, insgesamt also 10 952 Euro. kd