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Kommunalunternehmen »Achental Tourismus« gegründet

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Es ist vollbracht: Die vier Bürgermeister (von links) Josef Loferer (Schleching), Ludwig Entfellner (Unterwössen), Hans Pertl (Staudach-Egerndach) und Andreas Scheck (Marquartstein) haben mit ihrem Berater Stefan Heinisch das Kommunalunternehmen »Achental Tourismus« gegründet. Das Votum der Räte in dieser gemeinsamen Gemeinderatssitzung war einstimmig. (Foto: T. Eder)

Staudach-Egerndach – Es ist vollbracht. Die Gemeinden Marquartstein, Schleching, Staudach-Egerndach und Unterwössen gehen touristisch einen gemeinsamen Weg.


Mit einem einstimmigen Votum aus allen vier Gemeinden wurde bei der gemeinsamen Gemeinderatssitzung im Gasthof Mühlwinkl das Kommunalunternehmen »Achental Tourismus« gegründet. »Heute schreiben wir Geschichte«, meinte Josef Loferer (Schleching) dazu.

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Die Frage nach der Zukunft im Tourismus kam bei einer Klausurtagung 2015 auf, erinnerte Andreas Scheck (Marquartstein) als Moderator. Gästestrukturen hätten sich verändert. Zudem kämpfe das Achental mit einem Vermieter-Nachwuchsproblem, da dieser Zusatzverdienst offenbar weniger interessant sei. Aber auch in den Gemeinden habe sich viel verändert.

360 000 Übernachtungen mit 21 Millionen Euro Umsatz

Übernahmen früher Fremdenverkehrsvereine Aufgaben wie Werbung, Vermittlung und Verschönerungen, falle nun der größte Teil der Aufgaben an die Gemeinde. Damit stiegen auch die Kosten. In den vier genannten Gemeinden wurden 360 000 Übernachtungen mit einem Umsatz von 21 Millionen Euro gezählt. »Damit ist der Tourismus immer noch der größte Wirtschaftsfaktor«, so Scheck. Angesichts dieser Bedeutung müsse man mehr Professionalität und Effektivität erreichen. Ziel sei es, Kräfte zu bündeln. In dieser gemeinsamen Sitzung werde der erste Schritt zu einem gemeinsamen Tourismusunternehmen gegangen.

Tourismusexperte Stefan Heinisch sprach von der Erkenntnis, dass die Digitalisierung Touristen immer mehr ins Internet dränge und so ein guter Inhalt der Webpräsens auch auf mobilen Geräten immer wichtiger werde. Die gute Nachricht sei, dass durch die Digitalisierung der Wunsch nach Begegnungen mit Menschen stärker werde. Da sah er viel Potenzial für das Achental. Die Gründung eines Achental Tourismus werde angestrebt, weil der Chiemgau Tourismus zu groß und die einzelnen Gemeinden für Gestaltungsmöglichkeiten zu klein seien. Zudem sollen die Wertschöpfung über 21 Millionen Euro hinausgehen und Gäste animiert werden, länger zu bleiben.

Heinisch sagte, dass keine Marke aufgebaut, sondern Erlebnisräume gestaltet werden sollten. Er riet den vier Gemeinden, gleiche Kurtaxen zu erheben, um »gemeinsame Spielregeln« aufzustellen. Zudem könnten auch weitere Gemeinden aufgenommen werden. Ziel sei es, noch in diesem Jahr zu beginnen und die Position des Geschäftsführers zum 1.   September auszuschreiben. Sitz des Unternehmens werde Unterwössen sein. In den Gemeinden sollten aber Info-Punkte erhalten werden.

Auf die Frage von Martina Gaukler (Staudach-Egerndach) erklärte Heinisch, dass es für die Verkehrsbüros eine Bestandsgarantie gebe. Wichtig sei es als Team zu denken. Folglich werde im ehemaligen Hallenbad Unterwössen eine Zentrale entstehen. Barthl Irlinger (Unterwössen) sprach von einer Signalwirkung, um zu zeigen, dass die Gemeinden investieren. Damit sollten auch der Rückgang der Bettenzahl gestoppt und neue Vermieter gewonnen werden. Die Servicestationen in den Gemeinden würden weiter gebraucht.

Sonntag: »Grassau fehlt als Partner«

Ihr fehle Grassau als Partner, erklärte Sandra Sonntag (Unterwössen). Auch ein Kontrollorgan konnte sie nicht erkennen. Laut Heinisch gebe es einen »Masterplan« und auch ein »Controlling«. Scheck fügte hinzu, dass 2015 Grassau auch gefragt wurde.

Schließlich wurde der Entwurf der Unternehmenssatzung im Detail von den Verwaltungsgeschäftsleitern der Gemeinden vorgestellt: Christine Zaiser (Schleching) und Florian Stephan (Marquartstein, Staudach-Egerndach). Zur Rechtsform sagte Thomas Müllinger, Geschäftsleiter der Gemeinde Unterwössen, ein Kommunalunternehmen erfülle alle wichtigen Kriterien wie Gleichberechtigung aller, Einflussmöglichkeiten der Gemeinden und Besitzstandswahrung des Personals. Die Unternehmenssatzung habe, so Zaiser, Geschäftsleiterin der Gemeinde Schleching, der kommunale Prüfungsverband entworfen. Als Name wurde »Achental Tourismus« gKU (gemeinsames Kommunalunternehmen) vorgeschlagen.

Als Stammkapital würden 40 000 Euro festgelegt, je Gemeinde 10 000 Euro. Der Finanzbedarf werde auf die Gemeinden verteilt. 70 Prozent der Kosten würden über die Anzahl der Übernachtungen und 30 Prozent nach Zahl der Einwohner je Gemeinde umgelegt. Das Personal in den Tourist-Informationen der Gemeinden werde weiter über die gemeindlichen Haushalte finanziert. Erst zum Januar 2022 würden die Gehälter über das Kommunalunternehmen abgewickelt. Jede Neueinstellung erfolge sofort über das Kommunalunternehmen. Scheck erklärte, dass das Personal sofort in das Kommunalunternehmen übernommen werde, nur die Kostenerstattungen erfolgten bis zur Einrichtung der Zentrale über die Gemeinden.

Gesucht ist ein motivierender »Wunderwuzi«

Ein neuer Vorstand werde ausgeschrieben, so Zaiser. Laut Heinisch werde ein »Wunderwuzi« mit regionaler Stimme und versiert in der digitalen Welt, der motivieren kann, gesucht. Organe des Kommunalunternehmens sind der Vorstand und der Verwaltungsrat aus den vier Bürgermeistern. Aus ihrer Mitte würden der Vorsitzende und sein Stellvertreter für drei Jahre gewählt. Die Bürgermeister müssten wiederum den Gemeinderat informieren und seien an Entscheidungen des Gemeinderats gebunden.

Unternehmensstrategie wie auch Tarife und Entgelte legt der Verwaltungsrat fest. Er entscheidet auch über Neueinstellungen. Toni Entfellner (Marquartstein) schlug vor, die tatsächlichen Akteure, die Vermieter, als Beisitzer mit ins Boot zu holen. Dies sei satzungsmäßig nicht vorgesehen, so Heinisch. Der Vorstand sei aber gut beraten, Beiräte einzubeziehen. Hierfür gebe es Ausschüsse.

Den finanziellen Teil beleuchtete Florian Stephan. Er erklärte, dass für Werbung zunächst 138 000 bis zu 180 000 Euro vorgesehen seien. 2018 werde mit 400 000 Euro, im Folgejahr mit 460 000 Euro und im Jahr 2020 mit 399 000 Euro Ausgaben gerechnet. Die Kosten würden nach dem Umlageschlüssel auf die Gemeinden verteilt. Die Gemeinderäte aller vier Gemeinden stimmten einhellig der Gründung und der Satzung zu. Diese wird nun in den Amtsblättern veröffentlicht und tritt dann zum 1. Juli in Kraft. tb