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In der Diskussion mit Bürgern und Mitgliedern des CSU-Ortsverbands Traunstein nahm der neue Generalsekretär der Partei, Dr. Martin Huber, Stellung zu energiepolitischen Themen. (Foto: Effner)

Kommt bald Wasserstoff über transalpine Pipeline?

Traunstein – Der neugewählte Generalsekretär der CSU, Dr. Martin Huber aus dem Stimmkreis Altötting, ist im Freistaat gerade ein viel gefragter Mann. Zu einem Bürgergespräch des CSU-Ortsverbands war der 44-jährige Politologe und Historiker nun auch in Traunstein.


Gefragt war Huber dort vor allem als Experte für Fragen zur aktuellen Energiepolitik. Er pflegt enge Kontakte zu Wirtschaftsexperten des südostbayerischen Chemiedreiecks und zu Wissenschaftlern des Campus Burghausen der Technischen Hochschule Rosenheim. Dort wird aktuell in Kooperation mit der Industrie an innovativen Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff als Energieträger der Zukunft geforscht.

Wie Traunsteins Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer in seiner Einleitung deutlich machte, hätten die Stadtwerke Traunstein die für 2023 benötigten Gasmengen zwar eingekauft. Unsicherheiten auf dem Gasmarkt würden aktuell aber für erhebliche Instabilität sorgen und machten Preisprognosen schwierig. In Traunstein liege der Versorgungsgrad mit Gasanschlüssen bei 50 bis 60 Prozent. Aufgrund möglicher deutlicher Preissteigerungen hätten die Stadtwerke aktuell den Auftrag, die Möglichkeiten für ein Nah- und Fernwärmenetz zu prüfen.

Huber gab Einblick in seine aktuelle Arbeit als Generalsekretär und die Abstimmung mit vielen Verbänden und Interessengruppen. Durch den Ukrainekrieg herrsche eine »enorme Verunsicherung«. Wie der Besuch bei einem Unternehmensgründer in Zwiesel gezeigt habe, hätten inzwischen sogar einfachste Kunststoffgeräte »enorme Lieferzeiten«. Um der durch die Inflation angeheizten Preissteigerung zu begegnen, habe die CSU ein 15-Punkte-Papier beschlossen. Dies sehe unter anderem die zeitlich befristete Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel, eine Senkung der Stromsteuer und ein Winterwohngeld für sozial Schwache vor.

Huber hob die besondere Bedeutung von grünem Wasserstoff als Ersatz für Erdgas heraus, das für die Strom- und Wärmeerzeugung sowie für die Grundstoffherstellung in der chemischen Industrie essenziell sei. Nach Überlegungen am Campus Burghausen, wo ein Wasserstoff-Reallabor in Planung sei, könne der Energieträger direkt über das transalpine Pipelinenetz aus dem Mittelmeerraum in die Region geleitet werden. Denkbar sei auch die Produktion von grünem Wasserstoff in Griechenland oder Venetien. Ein anderer Ansatzpunkt sei die Anlieferung über spezielle Speichercontainer für Wasserstoff. Huber beleuchtete auch die große Bedeutung der regenerativen Energien für Bayern.

In der Diskussion erkundigte sich Dr. Frieder Klein nach den Möglichkeiten für Wasserkraftwerke in Bayern. Huber erläuterte, laut Kabinettsbeschluss vom Mai würden derzeit 30 Standorte nochmals auf eine Umsetzung hin geprüft. Im Fall einer Umstellung auf Wasserstoff steige der Energiebedarf allein in der chemischen Industrie Deutschlands von 60 auf 600Terrawattstunden. Das entspreche aktuell dem Verbrauch in ganz Deutschland.

»Wo bekommen wir den Strom für 45 Millionen E-Autos nach einer Umstellung her?«, wollte Franz Heigenhauser wissen. Huber plädierte für einen Energiemix in der Mobilität, der auch synthetische Kraftstoffe und Wasserstoffeinsatz für Busse und Lkw umfasse. Georg Mayer fragte: Auf welche Energieform sollen die Besitzer von Altbauten setzen? Lohnt sich die Umrüstung auf Photovoltaik überhaupt?

Huber gab zu bedenken, dass Holzpellets viel Platz bräuchten und bei Photovoltaikanlagen auch die Dachneigung zu berücksichtigen sei. Zu überlegen seien Anschlüsse an ein Nah- oder Fernwärmenetz. Weitere Fragen beleuchteten die Fördermöglichkeiten für kommunale E-Ladestationen und Biogasanlagen, die Ansatzpunkte für Flächenentsiegelung bei staatlichen Ämtern und die Chancen von Windkraftanlagen in TS.

eff

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