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Kokain für fast 280 000 Euro eingekauft

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Traunstein – Wegen fünf Drogendelikten verurteilte das Landgericht Traunstein einen voll geständigen 33-jährigen Burghausener zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und vier Monaten plus Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Vor der Therapie muss der Angeklagte 20 Monate im Gefängnis absitzen. Die Untersuchungshaft wird angerechnet.


Der Koch hat im vergangenen Jahr etwa 2,3 Kilogramm Kokain im Endverkaufswert von rund 280 000 Euro erworben. Über 1,6 Kilogramm der Betäubungsmittel landeten bei Konsumenten im Raum Burghausen, einen Teil verbrauchte er selbst. Etwa 650 Gramm der Gesamtmenge stellte die Polizei noch in seiner Wohnung und in einem Auto sicher.

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Von einer Vorgeschichte informierte ein Kripobeamter aus Mühldorf. Im Zug von Ermittlungen gegen Drogentäter in Töging und Neumarkt-St. Veit habe man in Traunstein eine Kokainrunde erwischt. Drei der fünf Männer seien geflüchtet. Jemand habe drei Tütchen mit je 2,5 Gramm Kokain weggeworfen. Auf einem der Tütchen seien Fingerabdrücke des 33-Jährigen nachgewiesen worden, der aber damals selbst nicht Teil der besagten Runde war. Daraufhin wurde die Kripo Traunstein aktiv.

Deren Sachbearbeiter schilderte gestern die komplizierten Ermittlungen – gegen mehrere Beteiligte. Ursprünglich habe das Kokain aus Holland gestammt. Die Überweisungen seien 2014 über Western Union nach Belgrad erfolgt. Ab 2015 seien die Drogengeschäfte nur mehr in bar abgewickelt worden.

Kripobeamter sprach von »einer Art Doppelleben«

Bei der Festnahme am 16. Juni 2015 sei der Angeklagte bei einer Verfolgungsjagd mit hohem Tempo über drei rote Ampeln gerast. Nach einem Zusammenstoß mit einer Leitplanke sei er mit über 100 Stundenkilometern in Richtung Burgkirchen gefahren. Die Fahrt endete einen Kilometer weiter. Der 33-Jährige flüchtete zu Fuß, wurde kurz darauf gefasst. Der Fahnder der Kripo Traunstein sprach von »einer Art Doppelleben« und »Stress« des 33-Jährigen. Unter der Woche habe er gearbeitet, am Wochenende auf Familie gemacht und das Haus renoviert. Zwischendurch habe der Angeklagte telefonisch die Drogeneinkäufe organisiert und untertags auch mal »eine Geldübergabe reingeschoben«. In der Wohnung habe er unter anderem Feinwaagen gehabt, »um auch mal Kunden schnell zu bedienen«.

Im Alter von 13 Jahren kam der Angeklagte von Kasachstan nach Bayern. Nach der Bundeswehr schloss er eine Kochlehre ab. Im Mai 2007 verurteilte ihn das Landgericht Traunstein wegen Rauschgifthandels zu fünf Jahren Haft und Unterbringung in einer Entzugsklinik. Danach betätigte sich der 33-Jährige als Leiharbeiter. Nebenbei arbeitete er in einem Fastfood-Restaurant. 2012 kaufte er ein Haus für 180 000 Euro. Bei der Finanzierung halfen die zwei Jobs, Ersparnisse und die Eltern.

Ab dem 15. Lebensjahr hatte er zu Alkohol und Drogen gegriffen. Er begann mit »Gras«, nahm ab 17 Jahren Ectasy und anderes. Eineinhalb Jahre nach der Zwangstherapie fing er wieder mit Drogen an, unter anderem mit Kokain und Heroin. Vor seiner Freundin verheimlichte der 33-Jährige seinen Betäubungsmittelkonsum.

Der Angeklagte hatte das Kokain in Dingolfing, Salzburg, am Hauptbahnhof München und im österreichischen Ach zum Grammpreis von 30 Euro erstanden und für 65 Euro weiterveräußert. Verteidiger Erhard Frank aus Burghausen erklärte, sein Mandant räume alle Vorwürfe ein. Zu Lieferanten und Kunden werde er nichts sagen. Der Anwalt weiter: »Ein nicht unerheblicher Teil der Drogen war für den Eigenkonsum bestimmt.«

Ein Finanzermittler der Polizei durchleuchtete die Bankkonten des 33-Jährigen, die von Auslandsreisen und der Existenz von Bargeldquellen zeugten. Der psychiatrische Sachverständige, Dr. Stefan Gerl vom Bezirksklinikum in Gabersee, bescheinigte dem 33-Jährigen: »Er gehört sicher zu den stärkeren Konsumenten.« Eine Wiederholungsgefahr liege auf der Hand.

»Hohe kriminelle Energie an den Tag gelegt«

Staatsanwalt Dr. Robert Tischer beantragte eine Haftstrafe von sechs Jahren vier Monaten und Unterbringung. Ein Jahr solle der 33-Jährige im Gefängnis verbüßen. Verteidiger Erhard Frank unterstrich, das Geständnis habe die Hauptverhandlung erheblich verkürzt. Das letzte Rauschgiftgeschäft sei unter den Augen der Polizei abgelaufen. Eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren mit Vorwegvollzug von zehn Monaten vor der Unterbringung sei das Maß der Dinge. Die Kammer schloss sich bei Schuldspruch und Strafhöhe dem Staatsanwalt an. Das Geständnis habe die Verhandlung wesentlich vereinfacht. Andererseits habe der einschlägig vorbestrafte 33-Jährige »riesige Mengen« Kokain gehandelt und hohe kriminelle Energie an den Tag gelegt. kd