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Kösterke: »Traunstein ist durchaus eine sichere Stadt«

Hier herrscht Alkoholverbot: Am Traunsteiner Bahnhof kam es oft zu Auseinandersetzungen, die Stadt hat daher eine Sondernutzungssatzung erlassen, die an mehreren öffentlichen Plätzen wie hier am Bahnhof Gültigkeit hat. Die Polizei ist damit sehr zufrieden und kann dies mit Zahlen belegen. 2011 gab es weniger Körperverletzungen und Sachbeschädigungsdelikte in der Stadt. (Foto: Brenninger)

Traunstein. Die Zahl der Straftaten in Traunstein ist im vorigen Jahr zurückgegangen. Dies geht aus der polizeilichen Kriminalstatistik 2011 hervor. Das umfassende Zahlenwerk stellte Rainer Wolf, Leiter der Polizeiinspektion Traunstein, jetzt im Hauptausschuss vor.


Oberbürgermeister Manfred Kösterke zeigte sich zufrieden. »Traunstein ist durchaus eine sichere Stadt«, betonte er. Das Stadtoberhaupt machte aber auch darauf aufmerksam, dass es für ihn einen Brennpunkt gibt. »Beim Fortgehen kommt es zu häufigen Delikten«, unterstrich er. Das bestätigte Wolf: »Vor allem am Wochenende geht es rund«, sagte er. »Kurz vor oder nach Mitternacht werden die meisten Taten registriert«, fügt er hinzu. »Wir sehen dabei einen deutlichen Zusammenhang mit der Freigabe der Sperrzeit.«

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802 Tatverdächtige ermittelt, 617 waren Männer

Drei spektakuläre Fälle gab's im vorigen Jahr für die Traunsteiner Polizei: Der Brand im Traunsteiner Priesterseminar im April mit einem Schaden von rund 100 000 Euro sorgte für Aufsehen. Zudem fand die Polizei in einer Traunsteiner Wohnung im August eine Frauenleiche. Ein Äthiopier brachte seine Freundin im Dezember 2011 in Kotzing um und beging später Selbstmord.

Die Polizei musste sich im vorigen Jahr mit 1335 Straftaten beschäftigen. 2010 waren es noch 1573. Damit verzeichneten die Ordnungshüter einen Rückgang von 15,1 Prozent. »Die Polizei hat scharf kontrolliert«, betonte Wolf, »daher ist etwa die Betäubungsmittelkriminalität deutlich zurückgegangen.« Die Polizei ermittelte im Zusammenhang mit den Straftaten im vergangenen Jahr 802 Tatverdächtige, davon waren 617 männlich. Sie klärte 66,4 Prozent der Fälle auf, 2010 lag die Aufklärungsquote bei 67,5 Prozent. Besonders erfreulich sei 2011 gewesen, so Wolf weiter, dass es weniger Körperverletzungen und Sachbeschädigungsdelikte gegeben habe. »Für dieses Jahr ist der Rückgang leider schon wieder hinfällig«, sagte der Polizeirat.

Auch die Kinder- und Jugendkriminalität spielt eine Rolle. 15 Prozent de Tatverdächtigen waren Jugendliche. 119 davon waren unter 18 Jahre alt, 22 davon unter 14 Jahre alt. Bei den Kindern und Jugendlichen registrierte die Polizei vor allem Straftaten wie Körperverletzung, Diebstahl, Beleidigung oder auch Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Danach ging er auf die Bereiche ein. Diebstahlsdelikte haben einen Anteil von 28,8 Prozent an der Gesamtkriminalität. Voriges Jahr gab es 75 Ladendiebstähle (2010 waren es 100), 92 Prozent wurden aufgeklärt. 51 Fahrräder wurden gestohlen (2010: 47), 5,9 Prozent der Taten klärte die Polizei. Zudem gab es 29 Delikte an bzw. aus Fahrzeugen (2010: 49). Zudem brachen Diebe wie 2010 viermal in Wohnungen ein, keiner der Täter wurde gefasst.

Zu den Rohheitsdelikten zählen unter anderem Raub, Körperverletzung, Bedrohung oder Nötigung. Die Polizei führt hier in ihrer Statistik für das vergangene Jahr 226 Taten. 2010 waren es 296. Es gab einen Rückgang um 23,1 Prozent. 179 Fälle waren Körperverletzungsdelikte, die zu 87,7 Prozent aufgeklärt wurden. Die Polizei ermittelte 157 Tatverdächtige. Davon waren eine Vielzahl Kinder und Jugendliche. Sechs Tatverdächtige waren unter 14 Jahre, 31 zwischen 14 und 17 Jahre und 54 waren zwischen 18 und 25 Jahre.

Im Bereich Sexualdelikte bearbeitete die Polizei 15 Fälle. Das war einer mehr als 2010. Die Aufklärungsquote ist mit 93,6 Prozent sehr hoch, denn meist sind die Täter im Umfeld der Opfer zu finden. Betrugsdelikte gab es voriges Jahr 166. 2010 waren es noch 193. »Die Taten im Internet nehmen immer mehr zu«, sagte Wolf. Auch mit Sachbeschädigungen bekommt es die Polizei regelmäßig zu tun. Vergangenes Jahr wurden 46 Fälle an Fahrzeugen aufgenommen, 32 Fälle gab es in öffentlichen Bereichen und 25 Graffitischmierereien wurden festgestellt. »Die Tatzeiten sind hier überwiegend in der Nacht«, sagte der Polizeirat. Die Aufklärungsquote liegt bei 26,3 Prozent. »Man hat hier kaum Zeugen und eine Spurenlage sowieso nicht«, begründete Wolf die geringen Erfolge. 76 Mal musste die Polizei wegen Rauschgiftdelikten ran.

Im Anschluss an sein Referat sprach dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner die Thematik mit den Bettlern an, die zuletzt auch immer wieder am Friedhof anzufinden waren. »Es wäre gut, wenn ihre Beamten hier ab und zu eine kleine Runde durch den Friedhof drehen könnten«, bat sie. »Die Bettler beschäftigen uns sehr, sehr stark und zwar in ganz Bayern«, sagte Wolf. »Es sind organisierte Banden, die nur eine Zielrichtung haben und zwar Gewinnerzielung.« Oberbürgermeister Kösterke betonte: »Man kann nur an die Bevölkerung appellieren, sich nicht von deren Mitleidsmasche beeinflussen zu lassen.«

Verordnung der Stadt: Polizei zufrieden

Stadtrat Ernst Haider fragte nach, wie die Verordnung der Stadt hinsichtlich des Alkoholverbots an öffentlichen Plätzen bei den Polizeibeamten ankommt. »Sie wird von den Kollegen sehr gut angenommen«, sagte Wolf. Im Bereich des Bahnhofes, des AKGs und der Metro habe man damit gute Erfahrungen gemacht. Jetzt sei es noch ein Anliegen der Polizei, den Innenhof der Zulassungsstelle besser auszuleuchten, so Wolf. Gespräche hierzu laufen bereits. Das Frühlingsfest war in diesem Jahr wieder von mehr Einsätzen geprägt. Auch hier möchte die Polizei für eine bessere Beleuchtung sorgen. »Denn Licht schafft Frieden«, sagte Wolf. Oberbürgermeister Manfred Kösterke pflichtete ihm bei: »Das werden wir machen.« Auch mit dieser Maßnahme soll eines gewährleistet sein: »Wir möchte die Sicherheitslage in Traunstein so gut halten können, wie sie jetzt präsentiert wurde.« SB