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»Köhlerliesl« rettete verirrten Frosch vor Rauch

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Manuel Baumgartner und Köhlerliesl Cordula Wimmer zündeten den Meiler an. Im Hintergrund (von links): zweiter Bürgermeister Norbert Schader, Bürgermeister Thomas Gasser und Köhler-Vorstand Martin Maier. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – Als echte Tierfreundin erwies sich die neue »Köhlerliesl« Cordula Wimmer nach dem Anzünden des diesjährigen Meilers beim Köhlerverein Neukirchen. Sie rettete einen Frosch, der sich aus Versehen auf den Kohlenmeiler verirrt hatte. Vor dem Anzünden hatten die Köhler mit Pfarrer Martin Klein einen kurzen Wortgottesdienst gefeiert.


In den vergangenen Wochen hatten die Jungköhler fleißig gearbeitet und den Meiler Zug um Zug aufgeschichtet. Die ältere Köhlergeneration baute unterdessen an der historischen Kegelbahn, die am Wochenende fertig werden soll. Der Teisendorfer Pfarrer freute sich, dass die Köhler ihn zu dem besonderen Ritual des Meiler-Anzündens eingeladen hatten. »Bei so was war ich noch nie dabei«, verriet er. In der Nähe seines Heimatdorfs Ruhpolding sei auch Kohle und Kalk gebrannt worden.

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Vom heiligen Maurus bis zum Bischof Wolfgang

Saskia Abstreiter, die ihr Amt als »Europäische Köhlerliesl 2015« noch bis zum nächsten Europäischen Köhlertreffen im Jahr 2017 innehaben wird, übernahm die Rolle der Lektorin. »Wie Gold im Schmelzofen hat er sie erprobt«, hieß es in der ausgewählten Lesung aus dem Buch der Weisheit über die Glaubenden. Genauso würden wir sozusagen im Glutofen des Lebens erprobt, zog der Pfarrer einen Vergleich. Er stellte der kleinen Gemeinde kurz einige Patrone der Köhler vor, wie den heiligen Theobald, den heiligen Maurus, den Bischof Wolfgang und den heiligen Alexander Carbonarius, auf den der Prediger näher einging.

Alexander Carbonarius, der von vornehmer Herkunft war, hatte als Kohlenbrenner gearbeitet, um weltlichen Ehrungen zu entfliehen und Jesus in seiner Demut und Armut nachzufolgen. Als in Comana ein neuer Bischof gesucht wurde, schlug jemand zum Scherz Alexander, den Köhler, vor. Auf die Frage, warum er das Köhlerhandwerk gewählt hat, antwortete er: »Ich bin jung und nicht übel gebildet; diese Vorzüge könnten mir zum Fallstricke gereichen. Ich sehe den Kohlenstaub als eine Lava an, die mich dem Anblick der Welt entzieht.« Er wurde Bischof und regierte, wie Pfarrer Klein erzählte, die Kirche von Comana klug und weise.

Begleitet von Mesnerin Jula Obermayer, besprengte der Priester den Meiler nach den Gebeten mit Weihwasser. Danach behängte Köhler-Vorstand Martin Maier die neue Neukirchner »Köhlerliesl« Cordula Wimmer mit einer Banderole, die Saskia Abstreiter auf einem Kissen bereit gehalten hatte. Die 31-Jährige war vor sechs Jahren durch Freunde erstmals bei den Köhlerwochen dabei gewesen und dann dem Verein beigetreten, weil ihr der Zusammenhalt hier gefiel. »Ich bin gern unter den Leuten«, verriet sie. Mit Freunden gemeinsam etwas zu organisieren und den Besuchern eine Freude zu bereiten mache ihr Spaß. Sie half beim Zeltaufbau, packt in der Küche und beim Bedienen mit an und versucht, trotz der weiten Anfahrt von ihrem Wohnort Obing aus so oft wie möglich an der Köhlerhütte am Teisenberg zu sein.

Bald rauchte es oben aus den Luftlöchern heraus

Manuel Baumgartner schob dann zusammen mit Cordula Wimmer eine Stange mit der brennenden Lunte durch einen Kanal, der bis zur vertikalen, mit Holzspänen umgebenen »Kentlstange« im Zentrum führte, in den Meiler hinein. Das Feuer begann sogleich zu lodern. Bald rauchte es oben aus den Luftlöchern heraus. Sobald das Feuer in der Meilerhaube angekommen war, wurde der Meiler oben wieder mit Holz aufgefüllt und mit Tannenzweigen und Kohlenstaub vollkommen abgedichtet: Die Verkohlung konnte beginnen.

Die Köhlerwochen gehen weiter mit der »Pech- und Schwefelparty« der Jungköhler am morgigen Samstag ab 20 Uhr sowie der 21. Meisterschaft im Mannschaftshufeisenwerfen am Sonntag um 11 Uhr; Anmeldung ist ab 10 Uhr möglich. vm