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Kliniken AG wieder auf Erfolgskurs

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Grund zur Freude hatte die Leitungsriege der Kliniken Südostbayern AG (von rechts): Die Landräte Georg Grabner und Siegfried Walch,  Vorstandsmitglied  Elisabeth  Ulmer,  der  Medizinische  Direktor  Stefan  Paech  und  der  Vorstandsvorsitzende  Dr. Uwe Gretscher. (Foto: Kretzmer)

Die Kliniken Südostbayern AG befindet sich wieder auf Erfolgskurs, nachdem sie im Sommer 2014 praktisch vor der Pleite stand. Damals mussten die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land in einer »Notoperation« zehn Millionen Euro zuschießen, um den 2009 gegründeten Klinikenverbund mit sechs Standorten in kommunaler Trägerschaft zu retten. Jetzt zeichnet sich erstmals eine »deutliche Verbesserung im Unternehmensergebnis« ab, wie Traunsteins Landrat Siegfried Walch gestern bei einer Pressekonferenz sagte.


Diese fand im Anschluss an die nichtöffentliche Jahreshauptversammlung im Poststall in Teisendorf statt. Der Jahresfehlbetrag von 2014 (6,777 Millionen Euro) habe sich im letzten Jahr auf 3,306 Millionen Euro reduziert, betonte Landrat Siegfried Walch. »Dieses Defizit ist natürlich auch noch hoch. Da muss noch einiges unternommen werden. Aber der Schritt nach vorn ist groß«, betonte er.

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»Korrekturen vornehmen, um auf Spur zu bleiben«

2014 sei ein dramatisches Jahr gewesen, 2015 habe dann der Bewältigung der Gegenwart gegolten: »Wir mussten Korrekturen vornehmen, um auf Spur zu bleiben. 2016 werden wir uns bereits mit Zukunftsstrategien befassen, um die Finanzen langfristig zu konsolidieren. Bis die Konsolidierung greift, haben wir noch einen langen Weg vor uns.«

Die beiden Landkreise wären durch einen dauerhaften Zuschussbetrieb überfordert, ließ Walch keinen Zweifel. Die rund 3700 Mitarbeiter hätten 2015 »Unglaubliches geleistet«, einen Umsatz von einer Viertelmilliarde Euro erwirtschaftet. Walch lobte seinen Landratskollegen und Aufsichtsratsvorsitzenden Georg Grabner: »Er hat viel dazu beigetragen, dass das Verhältnis zwischen beiden Kreisen in der AG sehr gut geworden ist. Wir ziehen alle an einem Strang – und in die gleiche Richtung.«

Landrat Grabner erinnerte an die personellen Veränderungen in der Führungsspitze der Kliniken Südostbayern AG. 2015, »dem Jahr des Umbruchs und der Wende«, sei Vorstandsvorsitzender Dr. Uwe Gretscher noch neu in der Funktion gewesen. Der jetzige Medizinische Direktor Stefan Paech sei erst nach Gretscher dazu gestoßen. »Säule in der Landschaft« sei einzig Vorstandsmitglied Elisabeth Ulmer geblieben. Unumgänglich sei eine »Prozessoptimierung« in der gesamten Organisation der Kliniken. Aus Grabners Sicht gibt es »Licht am Horizont«. Dennoch dürfe man in den Anstrengungen nicht nachlassen. Viel geschehen sei hinsichtlich der Erweiterung des medizinischen Angebots in den angegliederten Kreiskliniken Traunstein, Trostberg, Vinzentinum Ruhpolding, Bad Reichenhall, Berchtesgaden und Freilassing. »Die Mitarbeiter, die diesen anstrengenden Weg mit uns gehen, wissen, dass sie einen verlässlichen, stabilen Arbeitgeber haben«, betonte Georg Grabner.

Vorstandsvorsitzender Dr. Uwe Gretscher dankte der Unternehmensleitung »für das Vertrauen, das sie in uns setzt«. Gute und qualifizierte Mitarbeiter seien das Wichtigste, um Patienten optimal zu versorgen. Die durchschnittliche Verweildauer je Patient in den Krankenhäusern des Verbunds liege mittlerweile bei fünf Tagen. Das erzeuge viel Arbeitsdruck. Deshalb sei entscheidend, alle Abläufe zu koordinieren, zum Beispiel Doppeluntersuchungen zu vermeiden. Dabei zögen die Mitarbeiter mit: »Sie kommen früher nach Hause und haben weniger Arbeitslast zu tragen.«

2015 wurden zehn Millionen Euro investiert

In den einzelnen Kliniken werde viel Geld investiert, 2015 zusammen rund zehn Millionen Euro. Parallel bildeten die Krankenhäuser mehr junge Leute in mehr Ausbildungszweigen aus. Dr. Gretscher unterstrich: »Das trägt dazu bei, jungen Menschen in der Region eine Zukunft zu geben.« Für das laufende Jahr hat Dr. Gretscher das Ziel, das Defizit weiter nach unten zu drücken – »vielleicht auf eine Million Euro«. Die »schwarze Null« im Jahr 2017 sei machbar: »Das wird aber eine sportliche Herausforderung.«

Fünf Prozent mehr Patienten

»Die gute wirtschaftliche Entwicklung hat ihren Ausgangspunkt in den Patientenzahlen. Mit fünf Prozent haben wir einen deutlichen, im Bundesvergleich überproportionalen Zuwachs erzielt«, informierte der Medizinische Direktor, Dr. Stefan Paech. Insgesamt stehen in den sechs Einrichtungen 1248 Betten zur Verfügung. 2015 wurden 167 000 Patienten stationär und ambulant versorgt. Dabei steigerte sich die Zahl der über 80-jährigen Patienten um rund 60 Prozent. »Das erfordert spezifische Leistungsangebote. Ein Beispiel ist die Akutgeriatrie in Ruhpolding«, sagte Paech. Für den Bereich Schmerztherapie sei 2015 einiges vorbereitet worden, etwa in Ruhpolding und Berchtesgaden. Intensiv beschäftige man sich mit Kritik und Unzufriedenheit von Patienten, treffe Maßnahmen zu Verbesserungen. Eine Daueraufgabe unter dem Aspekt der Zufriedenheit von Patienten wie Mitarbeitern sei die Prozessoptimierung im pflegerischen Sektor und im ärztlichen Dienst.

»Ein bisschen viel Speck auf den Rippen«

Im vergangenen Jahr seien 60 Stellen abgebaut worden - ausschließlich über natürliche Fluktuation und ohne betriebsbedingte Kündigung, ergänzte Dr. Uwe Gretscher auf Nachfrage. »Wir hatten ein bisschen viel Speck auf den Rippen im Vergleich zu anderen Kliniken«, sagte Gretscher. kd

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