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Einer der größten Brandeinsätze im letzten Jahr im Landkreis Traunstein war das Großfeuer auf dem Campingplatz in Übersee, bei dem am 12. Juni sieben Wohnwagen ein Raub der Flammen wurden. Der Sachschaden betrug rund 200 000 Euro. Verletzt wurde niemand. (Foto: Kreisfeuerwehrverband/Gasser)

Klimawandel stellt Feuerwehren vor große Herausforderungen

Das Feuerwehrwesen im Landkreis Traunstein ist Ehrenamt im besten Sinne. In den 80 Feuerwehren zwischen Schnaitsee und Reit im Winkl, zwischen Chiemsee und Salzach, engagieren sich 4721 Feuerwehrmänner und -frauen, ehrenamtlich und unentgeltlich. Sie sind rund um die Uhr bereit, um zu helfen, wenn der Piepser Alarm schlägt oder Sirenen zum Einsatz rufen. Im letzten Jahr rückten die Wehren zu 3887 Einsätzen aus, leisteten technische Hilfe bei Verkehrsunfällen, retteten Menschen und löschten Brände.


Am »Tag der Feuerwehr« im k1 in Traunreut beteiligten sich nun Feuerwehr-Führungskräfte aus dem gesamten Landkreis und aus dem benachbarten Österreich, Ehrengäste aus Politik und von Polizei sowie Hilfs- und Rettungsdienst. Kreisbrandrat Christof Grundner blickte auf das letzte Jahr zurück, informierte über den aktuellen Stand des Feuerwehrwesens und benannte die He-rausforderungen, vor denen der Katastrophenschutz und die Notfallvorsorge im Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen.

Von den insgesamt 3887 Einsätzen betrafen 2624 Technische Hilfeleistungen. »Da spielt für uns Feuerwehren die Musik,« so Grundner. Starkregen und Hagel, extreme Stürme, Überschwemmungen und Hochwasser – die Unwetteralarme lassen die Einsatzzahlen der Technischen Hilfeleistung seit Jahren steigen. 834-mal gab es 2021 Brandalarm. Grundner erinnerte an den Brand der Heizungsanlage im Untergeschoß des Landratsamts, das Feuer in der Tiefgarage der Gewerblichen Berufsschule in Traunstein und den Brand von zahlreichen Wohnwägen auf dem Campingplatz in Übersee. Auch steigen die ABC-Einsätze mit Gefahrstoffen stetig an. 96 Einsätze hatten die Wehren im letzten Jahr zu bewältigen, um Mensch und Umwelt zu schützen. Die letzten beiden Jahre hat die Corona-Pandemie auch die Arbeit der Feuerwehren mitbestimmt. Die Feuerwehren mussten große Vorsorge treffen, um als Teil der kritischen Infrastruktur uneingeschränkt einsatzklar zu bleiben und trugen im Rahmen des Katastrophenalarms auch dazu bei, zum Beispiel Masken und Schutzausrüstung zu Städten und Gemeinden und zu Schulen zu transportieren.

Erfreuliches konnte Grundner von der Jugendarbeit berichten. 1044 Mädchen und Buben sind in den Jugend- und Kinderfeuerwehren aktiv. Der Abwärtstrend der letzten Jahre konnte gestoppt werden. Nach fünf Jahren stieg die Zahl erstmals wieder auf über 1000 Kinder und Jugendliche. Enormen Anteil daran haben die intensiven und umfangreichen Werbemaßnahmen um den Feuerwehrnachwuchs. Der Kreisbrandrat nannte die erfolgreiche Aktion »#wirfahrenrot«, die im letzten Jahr quer durch den Landkreis tourte und an sieben Stationen für die Jugendfeuerwehr und jungen Nachwuchs warb. Für die innovative Aktion gab es eine Auszeichnung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern für »Nachwuchswerbung im sicherheitsrelevanten Ehrenamt«. Die Zunahme im Jugendbereich tragen die sechs Kinderfeuerwehren (sechs bis zwölf Jahre) bei, von denen zuletzt die Kindergruppen in Tengling sowie Hart-Ising gegründet wurden.

Der Frauenanteil bei der Feuerwehr nimmt beständig zu. Während er im Bereich der Aktiven (ab 18 Jahre) bei elf Prozent liegt, sind im Jugendbereich 37 Prozent Mädchen und bei den Kinderfeuerwehren sogar 50 Prozent. Grundner machte deutlich, dass der abwehrende Brandschutz eine weitere bedeutende Aufgabe der Feuerwehr ist. Die sogenannte Brandschutzstelle gibt jährlich zu rund 140 Bauangelegenheiten Stellungnahmen ab, zum Beispiel bei der Notwendigkeit von Brandmeldeanlagen und bei der Aufstellung von Einsatzplänen. Ebenso werden die Sicherheitskonzepte für Veranstaltungen geprüft. Besonders stolz ist der Kreisfeuerwehrchef auf die Ausbildung. Im Kreisfeuerwehrverband werden jährlich 175 Lehrgänge zu 45 verschiedenen Aus- und Fortbildungen angeboten. Großes Engagement bringen die Ausbilder ein, ohne die das umfangreiche Angebot nicht möglich wäre. Ebenso lobte Grundner die Feuerwehren und Kommunen, bei denen die Lehrgänge dezentral veranstaltet werden.

Stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber würdigte die Feuerwehren im Landkreis Traunstein. »Die Feuerwehren sind ganz, ganz wichtig und immer zur Stelle, wenn Mitmenschen in Not sind, bei Bränden, Verkehrsunfällen und Umweltkatastrophen.« Der Landkreis Traunstein lebe vom Ehrenamt und der Bereitschaft, für andere da zu sein. »Die Wehren mit ihren über 4700 Aktiven stehen für Verantwortungsbewusstsein, Sorgfalt, Solidarität ein und sind damit eine tragende Säule des gesellschaftlichen Lebens.« Der Landkreis sorge für die Technik und Ausrüstung und investiert jährlich rund 1,5 Millionen Euro für den Brand- und Katastrophenschutz.

Reinhold Schroll, zweiter Bürgermeister der Stadt Traunreut, freute sich, dass der »Tag der Feuerwehr« in Traunreut stattfindet. »Die Feuerwehren leisten 365 Tage und 24 Stunden am Tag einen unschätzbar wertvollen Dienst für die Gesellschaft.« Dafür zollte er allen Aktiven Respekt und lobte sie für den ehrenamtlichen Dienst am Menschen.

Polizeihauptkommissar Thomas Zach vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim betonte, wie wichtig die Feuerwehren als Partner der Polizei seien. »Wir brauchen die Feuerwehr, ob Busunfall, bei dem Menschen zu retten sind, oder bei einem schweren Unwetter. Die Feuerwehren sind zur Unterstützung und Amtshilfe für die Polizei unverzichtbar.« Zach würdigte die Feuerwehren und ihre Einsatzkräfte für die stets verlässliche und gute Zusammenarbeit.

Investitionen notwendig bei Katastrophenschutz

Mit einem Ausblick auf die Herausforderungen der kommenden Jahre machte Kreisbrandrat Grundner deutlich, dass sich besonders im Bereich des Bevölkerungsschutzes vieles ändern müsse und mehr Investitionen in den Katastrophenschutz notwendig sind. Die Auswirkungen des Klimawandels seien an den steigenden Zahlen technischer Einsätze nach Unwettern und Naturkatastrophen auch im Landkreis Traunstein deutlich erkennbar.

Die Abstände zwischen den Unwetterereignissen verkürzen sich und die Heftigkeit und deren Folgen nehmen zu. Die Erkenntnisse aus der Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal, die sich in diesen Tagen jährt, lassen sich laut Grundner fast ausnahmslos auch auf den Landkreis Traunstein übertragen. Viele der notwendigen Maßnahmen seien schon bekannt, es fehle jedoch an der Umsetzung, mahnte der Kreisbrandrat. Kritik übte er an den drei Staatlichen Feuerwehrschulen (SFS) in Bayern. Gerade mal fünf Prozent des Lehrgangsbedarfs im Landkreis Traunstein werde durch die Feuerwehrschulen gedeckt. Mehr Ausbildungsplätze seien dort nicht zu bekommen. Um einen einzigen Lehrgang an der SFS besuchen zu können, müsse jeder aktive Feuerwehrdienstleistende im Landkreis 19 Jahre warten. Ohne das umfangreiche Aus- und Fortbildungsangebot auf Landkreisebene, das der Kreisfeuerwehrverband in Eigenregie bietet und mit dem jährlich rund 2300 Dienstleistende ausgebildet und geschult werden, wäre es um die Qualifizierung der Floriansjünger schlecht bestellt. »Wir müssen die Ausbildung unserer Dienstleistenden selbst organisieren und dafür sorgen,« betonte der Kreisfeuerwehrchef. Die Politik sei gefordert, an den Feuerwehrschulen Änderungen herbeizuführen.

Ein Impulsvortrag von Florian Ramsl, Referent für Feuerwehrwesen bei der Versicherungskammer Bayern, bestätigte Grundners Sorgen und Forderungen. Das letzte Jahr sei in Bayern das bisher teuerste Schadensjahr gewesen. Mehr als 30.000 Schadensmeldungen seien eingegangen, mit einer Schadensumme von 330 Millionen Euro. Privat könne jeder Hausbesitzer vorsorgen. Nur die Hälfte der Gebäude in Deutschland seien ausreichend gegen Naturkatastrophen versichert, in Bayern nur 41 Prozent.

Kreisbrandrat Christof Grundner kritisierte bei der Sitzung die mangelnde Würdigung und Anerkennung des Ehrenamts. Eine bundesweit einheitliche Feuerwehr-Rente einzuführen – Bemühungen laufen – wäre ein bedeutender Schritt, doch bisher gebe es nur wenige Kommunen, die für eine nachhaltige Belohnung ehrenamtlichen Feuerwehrdienstes eintreten.

pv

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