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Kletterseil als symbolstarkes Abschiedsgeschenk

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Zweiter Bürgermeister Norbert Schader (li.) überreichte Korbinian Wirzberger ein Andenken der Marktgemeinde und bedauerte auch den Verlust eines jungen, engagierten Vereinsmitglieds. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – Unter großer Anteilnahme des gesamten Pfarrverbands Teisendorf samt Umkreis wurde der Teisendorfer Kaplan Korbinian Wirzberger am Freitagabend verabschiedet.


Nach vier Jahren in Teisendorf – die Kaplanszeit war wegen des erforderlichen Zusatzengagements im Pfarrverband Anger-Aufham-Piding um ein Jahr verlängert worden – wechselt der 34-jährige Garmischer an seine zweite Kaplansstelle nach Miesbach.

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Beim Dankgottesdienst in der voll besetzten Pfarrkirche St. Andreas und beim sehr gut besuchten Stehempfang im Saal der »Alten Post« wurde deutlich, wie schwer beiden Seiten der Abschied fällt. Die Musikkapelle Teisendorf, wo Wirzberger als Schlagzeuger mitgespielt hatte, umrahmte die Messe und den Empfang feierlich. Besonders emotional war das von der Kapelle untermalte gesungene rhythmische »Vaterunser«.

Eine große Ministrantenschar – auch der künftige Kaplan Mario Haberl war beim Altardienst dabei –, zahlreiche Vereine mit ihren Fahnen, das gesamte Seelsorgeteam und als Gast Pater Lorenz Lindner gaben dem scheidenden Kaplan die Ehre. Anhand des Hirtenstabs, den ihm sein Vater zur Primiz geschenkt hatte, übertrug der Prediger dessen Funktionen auf seine Erfahrungen im Pfarrverband. Wie der Stab dazu dient, die Schafe zu verteidigen, habe er versucht, den Glauben zu verteidigen.

Wirzberger entschuldigte sich bei allen, die er dabei durch seine Schroffheit verletzt hat. Der Stab weise den Schafen den Weg und treibe sie wieder ein. Der Kaplan dankte allen für ihre Wegbegleitung, gerade auch den Kindern und Jugendlichen, und dankte allen Familien, in denen er selber aufgenommen worden war. Auf dem Stab könne man sich auch nach getaner Arbeit ausruhen. Nun sei es Zeit, den Stab zu nehmen und weiter zu ziehen.

Christoph Fritzenwenger, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats Oberteisendorf, dankte Wirzberger stellvertretend für den ganzen Pfarrverband, auf dessen Lehrzeit, »Gesellenzeit« und den Abschied als »Meister« zurückblickend, und überreichte ein großes gemeinsames Geschenk, ein Gesteck mit einem Kletterseil, das die Verbindung halten, als Handlauf fungieren und als Sicherung dienen solle. An dem Seil hingen drei Karabiner, die für Wirzbergers Herkunft, für seinen Weg und Halt in Gott und für seine Zukunft in Miesbach stehen sollen.

»Mit deinem Weggang als Kaplan verlieren wir nicht nur einen jungen Geistlichen, sondern auch ein geschätztes, junges, aktives Mitglied in der Vereinswelt«, sagte zweiter Bürgermeister Schader und übergab ein Andenken der Marktgemeinde. Pfarrer Martin Klein betonte angesichts der Tatsache, dass sein Kaplan schon zwei Jahre vor ihm in Teisendorf begonnen hatte: »Der Korbinian war eigentlich mein Lehrmeister.« Er dankte ihm mit einer Ikone vom heiligen Korbinian und einem persönlichen Brief. Landrat Georg Grabner hob die gesellige, aber auch tiefgründige und geradlinige Art des jungen Geistlichen hervor und dankte ihm für seine Art und Weise, die Botschaft Jesu Christi im Leben der Menschen von Heute zubringen. Er schenkte ihm einen Gutschein für die Heilige Nacht in St. Bartholomä und – im Sinne eines leichteren Abschieds – eine regelmäßige Bierlieferung aus Teisendorf für das nächste halbe Jahr.

Drei Einlagen, unter anderem vom Starkbierfest-Gstanzltrio und einem mehrstimmigen Gesangsensemble aus Teisendorf, nahmen so manche Anekdote aufs Korn. Die Neukirchner packten ihren Rückblick, ihre Vorschau und ihre guten Wünsche in eine höchst originelle Wallfahrt und Litanei des »St. Korbinians-Vereins Neukirchen«. vm