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Kleinvermietern unter die Arme greifen

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Die Zahl der Kleinvermieter im Chiemgau ist schon lange stark rückläufig. Schon öfters gab es Versuche gegenzusteuern. Aktuell probiert der Chiemgau Tourismus erneut, den Kleinvermietern unter die Arme zu greifen und finanziert Betriebsberatungen mit.


Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 1991, als der Tourismusboom nach der Wiedervereinigung schon im vollen Gange war, gab es im Landkreis Traunstein noch rund 45 000 Betten für Urlaubsgäste. Neun Jahre später, im Jahr 2000, waren es noch etwa 40 000, heute ist die Zahl auf ungefähr 31 000 geschrumpft. Und der Rückgang ist vor allem bei den Kleinvermietern – sie haben maximal zehn Betten – zu verzeichnen, wie Michael Lücke, der Geschäftsführer von Chiemgau Tourismus erklärt.

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Gerade aber die Kleinvermieter sind es, die für den Urlaub im Chiemgau stehen. Noch heute stellen sie gut zwei Drittel der heimischen Gastgeber. Der Tourismus im Landkreis Traunstein war schon immer sehr kleinstrukturiert. Große Bettenburgen gab und gibt es hier nicht. »Unsere Urlauber schätzen den persönlichen Kontakt zu ihren Vermietern«, erklärt Lücke und schiebt nach: »Wenn die Qualität stimmt.«

Um das zu erreichen, hat der Chiemgau Tourismus im Frühjahr eine Qualitätsoffensive gestartet, die er jetzt noch einmal verlängert. In einer ersten Phase bezuschusste der Verband 50 Betriebsberatungen für Kleinvermieter, jetzt stockt er noch einmal um 25 auf. Chiemgau Tourismus übernimmt 100 Euro des 250 Euro teuren Beratungsangebots.

»Kleinvermieter wursteln oft vor sich hin«

»Jeder kann mitmachen«, erklärt Lücke. Und Jens Hornung, Marketingleiter bei Chiemgau Tourismus erläutert, warum es für die Kleinvermieter so wichtig wäre, sich beraten zu lassen: »Die Kleinvermieter sind nicht organisiert und tauschen sich nicht aus. Im Prinzip wursteln sie oft vor sich hin.« Einzige Ausnahme sei »Urlaub auf dem Bauernhof.«

Hornungs Aussage über die mangelnde Professionalität der Kleinvermieter kommt nicht von irgendwoher. Der Chiemgau Tourismus hat Anfang 2012 eine Gastgeberbefragung durchgeführt, 612 Betriebe beteiligten sich daran (siehe Kasten). Die Umfrage zeigte unter anderem, dass gerade Kleinbetriebe kaum in Werbung investieren.

Ein Fehler, wie Markus Ritter weiß; er führt im Auftrag von Chiemgau Tourismus die Betriebsberatungen durch. Wie die ablaufen, hängt stark vom Betrieb ab. »Das ist ganz individuell«, erläutert Ritter. Nur los geht es immer gleich: mit einem kurzen Fragebogen, den die Vermieter vorab ausfüllen, und zwei fiktiven Buchungsanfragen, die der Experte stellt – um abzuklären, wie professionell der Betrieb arbeitet.

Wenn das, was folgt, auch stark variiert, so weiß Ritter, dass doch alle Kleinvermieter im Chiemgau das gleiche Problem haben: Die Anzahl ihrer Stammgäste sinkt und sie sind gezwungen, an Neukunden zu gewinnen. Zudem stellt der Fachmann fest, dass die Kleinvermieter oft zu niedrige Preise für ihre Angebote verlangen. »Da ist die Wertschöpfung oft gleich null.«

Margarethe Stief weiß, wovon der Experte spricht. Sie vermietet auf ihrem Hof in der Nähe von Tettenhausen Ferienwohnungen und Gästezimmer und hat sich von Markus Ritter beraten lassen. Zwei wesentliche Dinge haben sich dadurch verändert: Sie hat ihre Internetseite überarbeiten lassen und ihre Preise deutlich erhöht. »Die Gäste akzeptieren das«, sagt Margarethe Stief. »Die meisten haben sowieso immer gesagt, dass ich viel zu billig bin.«

Wahrscheinlich auch, weil Margarethe Stief viel bietet: Sie ist rund um die Uhr für ihre Feriengäste da, regelmäßig erneuert sie die Ausstattung der Zimmer. Dennoch gibt die Vermieterin zu, dass sie sich ohne den Rat des Experten nicht getraut hätte, die Preise anzuheben. »Herr Ritter hat mir auch mehr Selbstvertrauen gegeben und die Gewissheit, dass ich mich nicht hinter den anderen verstecken muss.«

Kleinbetriebe ziehen viele Urlauber an

Das bekräftigt auch Tourismus-Chef Lücke. »Unsere Gäste lieben den Chiemgau genau wegen dieser menschlichen, sehr persönlichen Kleinbetriebe.« Darum sei es auch so wichtig, sie zu erhalten. Die Betriebsberatungen, die der Tourismus-Verband jetzt bezuschusst, sind ein Schritt, um das Ziel zu erreichen. san