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Kleines Schild mit großer Wirkung

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Die Waldarbeit zählt zu den besonders gefährlichen Tätigkeiten. Bei Unfällen ist schnelle Hilfe wichtig. Deshalb wurden in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land insgesamt 376 Rettungstreffpunkte festgelegt und entsprechend beschildert. So kann der Rettungsdienst zielgerichtet zu dem Unglücksort am nähest gelegenen Rettungstreffpunkt geschickt und dann zum Verunglückten gelotst werden.

Seeon-Seebruck – Der Baum ist gefällt, alles scheint in Ordnung. Forstwirt Georg beginnt schon mal mit dem Entasten des Baumes. Ohne es jedoch zu bemerken, hatte sich beim Fällen des Baums ein Ast an einer Buche festgefangen, der aus 20 Metern Höhe herunterfällt und Georgs Kollegen Hans unter sich begräbt. Hans liegt bewusstlos am Boden. Jetzt ist schnelle Hilfe angesagt. Georg ruft zunächst einen weiteren Waldarbeiter zu Hilfe, der den Verletzten mit einer Wärmefolie bedeckt. Beide reden auf Hans ein, der langsam wieder zu sich kommt. Georg setzt per Handy einen Notruf ab und gibt die Nummer des Rettungstreffpunkts durch. Rund zehn Minuten später trifft der Notarzt ein und versorgt mit einem Team von Rettungssanitätern den Verletzten, anschließend wurde Hans zur weiteren Versorgung in das Klinikum Traunstein gebracht. Diese im Martini-Forst bei Seeon nachgestellte Szene hat eindrucksvoll gezeigt, dass im Wald selbst vermeintlich kleine Äste gefährlich sein können.


Mehr Sicherheit nicht nur für Waldarbeiter

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Die simulierte Rettungsaktion organisierte das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Traunstein, das damit auf das System und den Nutzen der Rettungskette Forst aufmerksam machen möchte. In den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land wurden in den Wäldern 376 Rettungstreffpunkte festgelegt. In ganz Bayern gibt es insgesamt 12 000 solcher Treffpunkte. An den Punkten ist ein nummeriertes Schild angebracht, das die genaue Lage angibt. Dank dieser grünen Schilder kann im Unglücksfall ein Hilfesuchender über den Notruf schnelle und zielgenaue Hilfe organisieren. Dies bedeutet nicht nur für die Waldarbeiter sondern auch für Erholungssuchende mehr Sicherheit. Jeder Rettungstreffpunkt hat einen Namen und ist an der Rettungsleitstelle Traunstein hinterlegt. Bereits beim Durchgeben der Rettungspunktnummer ist somit in der Integrierten Leitstelle bekannt, wo sich der Anrufer befindet. Aufgrund der hinterlegten Koordinaten kann der Rettungsdienst zielgenau zu dem Rettungspunkt gelotst werden. Von dort aus kann ihm der Anrufer den Weg zum Verletzten zeigen.

Nach Angaben von AELF-Chef Alfons Leitenbacher passieren besonders im Privatwald bei forstlichen Arbeiten viele Unfälle. Man solle generell mindestens zu zweit sein und sich die Rettungstreffpunkte einprägen. Zum Beispiel durch das Mitführen eines Kärtchens mit der entsprechenden Treffpunktnummer. Die Rettungskette Forst setzt auch auf moderne Technik. Mit einer kostenlosen App kann jeder mit einem internetfähigen Handy von seinem aktuellen Standort im Wald zum nächstgelegenen Rettungspunkt finden.

Auch der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Traunstein, Werner Schindler, begrüßt die installierte Rettungskette. Da Unfälle der Regel in wenig erschlossenen Gebieten passieren, fänden die Rettungskräfte häufig nicht selbstständig den Weg. Die simulierte Aktion habe gezeigt, wie wichtig es sei, dass die Rettungskräfte sofort die Koordinaten erhalten und dadurch wertvolle Zeit eingespart werden kann, sagte Schindler.

Die Rettungskette Forst dient zwar vorrangig der höheren Sicherheit während der Waldarbeit. Zielgruppen sind aber auch Erholungssuchende wie Mountainbiker, Jogger sowie Jäger. Die Rettungskette soll deshalb für alle Bürger zugänglich und für jedermann nutzbar sein. Vor allem für die Tourismus-Region sei die Rettungskette sehr wichtig, sagte Bürgermeister der Gemeinde Seeon-Seebruck, Bernd Ruth. Der Wald locke immer mehr Erholungssuchende und Freizeitsportler. So sei es auch für diese Zielgruppe sehr wichtig, dass sie die Abfolge der Rettungskette kennen, so Ruth.

Das bayernweit einheitliche System fester Rettungstreffpunkte wurde von der Bayerischen Forstverwaltung und den Bayerischen Staatsforsten in Kooperation mit dem Bayerischen Innenministerium, den Integrierten Leitstellen und den Kommunen aufgebaut und beschildert. In den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land haben die beiden Forstbetriebe Ruhpolding und Berchtesgaden für den Staatswald und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein mit Unterstützung der Städte und Gemeinden für den Privat- und Kommunalwald ein flächendeckendes Netz von 376 Rettungstreffpunkten beschildert. ga

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