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Klaus Hellenschmidt verabschiedet

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Laufen. Für Klaus Burger ist sein neuer Stuhl am Schreibtisch weder »Austragsbankerl«, noch »autoritärer Chefsessel«. Der Bergsteiger hat sich auch als neuer Direktor am Amtsgericht Laufen Ziele gesetzt. Mit einem Festakt und rund 150 hochrangigen Gästen wurde der gebürtige Reichenhaller offiziell in sein neues Amt eingeführt. Nach neun Jahren an der Spitze des Amtsgerichts verabschiedete sich Klaus Hellenschmidt.


Eigentlich komme ihm das gar nicht so lange vor, sagte Klaus Hellenschmidt. 40 Jahre bei der bayerischen Justiz, zuletzt neun Jahre Direktor am Laufener Amtsgericht. Vermutlich habe der häufige Wechsel die Dienstzeit kurzweilig gemacht.

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Karl Huber, Präsident des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes, erinnerte unter anderem an Hellenschmidts Engagement in Sachen Ausländer- und Aufenthaltsrecht als »vorzüglicher Richter und scharfsinniger Jurist.« Sein Vorlagebeschluss zum Europäischen Gerichtshof zur Anwendung der sogenannten Rückführungsrichtlinie habe in Fachkreisen große Beachtung gefunden. »Mit seinem Urteil vom 19. September 2013 hat sich der EuGH im Wesentlichen der vom Amtsgericht Laufen vertretenen Rechtsauffassung angeschlossen«, betonte Huber. Selbst eine Zeitschrift für Internationale Rechtsdogmatik würdigte die Geschichte als »eindrucksvolles Lehrstück des Europäischen Strafrechts.«

Das Privileg der äußeren und inneren Freiheit als Richter ließe sich weidlich ausnützen, bemerkte Klaus Hellenschmidt, die Versuchung sei groß und so mancher ihr wohl erlegen. »Die Menschen, die vor uns Richtern stehen, sie sind es, die unsere Freiheit begrenzen. Wir müssen ihnen gerecht werden.« Darin sieht er die Forderung nach Recht und Gerechtigkeit. Wer darauf antworte, was gerecht sei, wisse man nicht, dem sage er: »Das ist nur eine Ausrede, sich nicht mit der Idee der Gerechtigkeit befassen zu müssen.«

Klaus Hellenschmidt war in den 40 Jahren an fünf Gerichten, bei vier Staatsanwaltschaften und allen drei Oberlandesgerichten tätig. Nun, so schloss er, könne er sich beruhigt aufs Altenteil begeben und hoffen, dass seine Frau ihn 24 Stunden täglich erträgt.

Nicht ganz. Denn Klaus Hellenschmidt war erst kürzlich in den Laufener Stadtrat gewählt worden. Ein bisschen juristischer Sachverstand täte dem Gremium ganz gut, meinte er vor seiner Wahl. höf