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Klares Votum für Beitritt zu Ökomodellregion

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Teisendorf – Die Marktgemeinde Teisendorf wird ab Frühjahr 2016 Vollmitglied der »Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel«. Damit tritt sie als erste Gemeinde im Berchtesgadener Land diesem Zusammenschluss bei, dem bisher sieben Gemeinden im Kreis Traunstein angehören: Fridolfing, Kirchanschöring, Petting, Taching am See, Tittmoning, Waging am See und Wonneberg. Teisendorf erhofft sich dadurch neue Chancen für die kleinstrukturierte Landwirtschaft, für die Regionalvermarkter und für die Verbraucher. Das Votum im Gemeinderat fiel mit zwölf zu sechs Stimmen nach langer Diskussion.


Die Gemeinde Teisendorf hatte bisher in der Ökomodellregion nur Beobachterstatus. An den bisherigen Planungstreffen nahmen der Bürgermeister oder ein Stellvertreter teil. Mit Beginn der neuen Förderperiode ab Frühjahr 2016 kann Teisendorf Vollmitglied werden. Bei einem ersten Vorgespräch in Teisendorf am 18. August mit den Bauernobmännern, den Fraktionssprechern, den drei Bürgermeistern und den Ortsbäuerinnen hatte es laut Bürgermeister Thomas Gasser ein breites Spektrum an Meinungen gegeben, von uninteressiert bis sehr aufgeschlossen.

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Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner stellte in einer Präsentation das bisher Erreichte vor. Der Gesamtaufwand für die acht Kommunen, nach Abzug der Förderung gut 54 600 Euro, würde mit 1,58 Euro pro Jahr und Einwohner umgelegt. Da die Gemeinde Teisendorf am meisten Einwohner hat, hätte sie mit gut 14 500 Euro den höchsten Beitrag. Diese Summe erachteten mehrere Redner als zu hoch. Bürgermeister Gasser wurde beauftragt, nachzuverhandeln.

Einig war man sich darin, dass das Geld nur bei aktiver Mitwirkung von Personen aus Teisendorf in den Arbeitsgruppen sinnvoll angelegt ist. Sehr kontrovers waren die Meinungen dazu, ob es solche engagierten Personen und ausreichend Interesse im Gemeindegebiet von Teisendorf gibt.

Skeptisch zeigte sich Andreas Neumeier (CSU): Ein Bioladen mit Bauernprodukten im Markt und ein Bauernmarkt habe wenig Interesse gefunden. »Zuerst müssen Ideen und Projekte her. Dann muss ich Kulissen suchen, mit denen ich das Ganze fördern kann«, betonte er. Alois Stadler (CSU) hielt es für schwierig, Teisendorfer Landwirte zu motivieren, er sieht das Ganze daher »mehr als Subvention«. Die Bauern und Betriebe aus dem Gemeindegebiet könnten ja auch ohne den Beitritt der Kommune in Arbeitskreisen mitwirken, wie Birner bestätigt habe. Dritter Bürgermeister Gernot Daxer (CSU) begrüßte zwar die Projekte; diese könnten jedoch auch über die UNESCO-Biosphärenregion Berchtesgadener Land, die ganz ähnliche Ziele habe, gefördert werden. Mit diesem Alleinstellungsmerkmal – neben der Rhön gebe es nur eine solche Region in Bayern – werde zu wenig geworben: »Wir haben ein Juwel in der Hand und pflegen es nicht.«

Die Frage von Bernhard Reitschuh (FWG), ob noch weitere Gemeinden beitreten könnten, bejahte Birner grundsätzlich. FWG-Sprecher Peter Schuhbeck wollte wissen, ob bereits ein Teisendorfer Landwirt bei der Ökomodellregion mitwirke. Laut Gasser gebe es Landwirte unter den Zuhörern bei den Treffen, und die Surmühle habe Lagerkapazitäten zur Verfügung gestellt.

Georg Quentin (SPD) betonte, der Tourismus, die Gastronomie und die Ernährungsbildung könnten profitieren. Im Kochunterricht, wo mit den Schülern nur noch selten Gerichte wie Gulasch gekocht würden, könnten regionale Produkte einbezogen werden. »Unsere Ernährung besteht nicht nur aus Pizza«, betonte der gelernte Koch. Von der Vermarktung der Region wie im benachbarten Österreich, etwa durch Wirte, die angeben, wo ihr Fleisch herkommt, sei man noch weit weg.

Elisabeth Aschauer (Grüne) sieht eine große Chance, durch neue Impulse in den lebendigen Arbeitsgruppen und durch Veranstaltungen auch in Teisendorf das derzeit »engstirnige Denken« in der Landwirtschaft aufzubrechen und ein neues Bewusstsein wachsen zu lassen. Die Menschen, Landwirte und Verbraucher, kämen wieder ins Gespräch. Teisendorf verliere nichts.

Auch Grünen-Gemeinderat Matthias Spiegelsperger sieht in neuen Ideen für Standbeine neben der Milchwirtschaft, aus denen auch Produkte für einen Bauernmarkt entstehen könnten, Perspektiven für die kleinen Nebenerwerbs-Landwirte. Die alte Art des Wirtschaftens in der Landwirtschaft, ein bis zwei Produkte für einen Großabnehmer zu produzieren, sei »nicht mehr tragfähig zum Überleben«, ergänzte Fraktionskollege Edwin Hertlein. Es gelte, »regionale Wertschöpfung zu stärken«.

Johann Niederstraßer (FWG) kritisierte das Verbot von Pflanzenschutzmitteln, die »gute fachliche Praxis« in der konventionellen Landwirtschaft sei, auf gemeindlichen Grundstücken in der Ökomodellregion. Es gehe hier nicht um verpachtete, landwirtschaftliche Flächen – hier achte man nur bei Neuverpachtung um möglichst ökologische Bewirtschaftung –, sondern um öffentliches Grün, stellte Birner klar. Georg Wetzelsperger (CSU) begrüßte an der Ökomodellregion unter anderem den »niederschwelligen Einstieg in die Projektförderung« und ein besseres Zusammenwachsen im durch Landkreisgrenzen getrennten Rupertiwinkel. Der Beitritt  ist  auf  die  nächste Förderperiode bezogen, deren Dauer noch nicht bekannt ist. Anschließend wird neu abgestimmt. vm