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»Klangläufe« zur Geschichte Traunsteins

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Die letzten Vorbereitungen trifft Komponist Patrick Pföß (links) unter anderem mit Organist Manfred Müller. An der Chororgel in St. Oswald beginnt das Stück. (Foto: Mergenthal)

Traunstein. Ein ehrgeiziges Musikprojekt über die Stadt Traunstein nimmt Formen an: »Musik für eine Stadt« – unter diesem Motto können alle Interessierten am Samstag von 11 bis 12 Uhr bei freiem Eintritt die Uraufführung einer etwas anderen Komposition des Traunsteiners Patrick Pföß erleben. Die Veranstaltung im Rahmen der Oberbayerischen Kulturtage eröffnet zugleich die Traunsteiner Orgeltage.


Der 1981 geborene Komponist setzt sich mit sechs Themen aus der Geschichte und Gegenwart Traunsteins auseinander: Salz, Wasser, Bier/Brot, Bildung, Ämter und Kirchen. Diese werden von 13 Musikern auf genau festgelegten Wegen, vom »Salzweg« bis zum »Kirchenweg«, musikalisch in Szene gesetzt. So wird letztlich die gesamte Stadt in Klang getaucht.

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Das Stück beginnt in der Kirche St. Oswald. An der Chororgel wird Manfred Müller ein Präludium intonieren. Nach und nach übernehmen sechs Musikerpaare, je ein Instrumentalist und ein Sänger, Fragmente daraus und binden sie durch ständige Wiederholung an sich. »Dabei beinhaltet jedes dieser Fragmente einen Ton der sechs Glocken von St. Oswald.«, so Pföß.

Im zweiten Teil werden die Musiker ausgesandt. Nach und nach verlassen sie, weiterhin ihre Fragmente spielend, die Kirche durch verschiedene Ausgänge. An bedeutenden Orten machen die Paare Halt und erweitern ihre Motive, sodass ein immer komplexeres musikalisches System entsteht. Gesungen wird auf Deutsch und in allen Sprachen der Partnerstädte, also Französisch, Englisch und Italienisch.

Nach etwa 35 Minuten beenden alle Paare ihren Klanglauf am Stadtplatzbrunnen. In einer »Conclusion« wachsen alle Elemente zusammen. Das Stück endet mit dem »einkomponierten« Angelusgeläut von St. Oswald.

Ein Musikstück dieser Art dürfte deutschlandweit eine Premiere sein. Den Versuch, Musik im Raum »Stadt« auf ähnliche Weise zu inszenieren, erlebte Pföß einmal in Hamburg. Doch das Ganze sei dort zu unkoordiniert abgelaufen, erzählt er.

Auch Musiker aus dem Landkreis sind mit dabei

Dafür, dass dies in Traunstein nicht passiert, sorgen sechs »Zeitgeber« aus Traunstein und direkter Umgebung mit Stoppuhren. Die 13 Musiker kommen aus ganz Deutschland und Österreich. Neben Manfred Müller sind zwei aus der Region dabei. Bariton Heinrich Albrecht aus Siegsdorf, der Inzeller Musikschulleiter, bildet mit dem Salzburger Hornisten David Fliri ein Klang-Paar. Johann Schmuck vom Grassauer Blechbläser Ensemble begleitet mit der Bassposaune Mezzo-Sopranistin Dorothea Zimmermann aus Dresden.

Im Vorfeld werden einzelne Elemente bereits geprobt. Jedoch: Bei der Uraufführung werden die Musik und die Wege durch die Stadt zum ersten Mal kombiniert. »Es soll eine Überraschung für die Bevölkerung sein«, erklärt der Komponist diese Strategie. Die Zuhörer können selbst entscheiden, ob er einzelnen Klangläufern folgen oder ob er nur Teilen der Komposition beiwohnen will. Bei Regen wird das Stück komplett in St. Oswald aufgeführt.

Näher vorgestellt wird das Projekt und auch das weitere Programm der Kulturtage am heutigen Donnerstag ab 14.05  Uhr in der Sendung »Kulturleben« auf Bayern 2. vm